KEVELAER. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Die menschliche Würde zu achten und zu respektieren ist Gerhard Seybert von der Firma „Medien & Presse Service Gerhard Seybert“ bei der Ausübung seines Berufes ein besonderes Anliegen. Das beweist er eindrucksvoll mit seinem jüngsten Projekt, der „pietät- und würdevollen Filmproduktion von Beerdigungen“.

Die Corona-Krise bringt derzeit viele ungewöhnliche Geschäftsideen hervor. So auch diese von Gerhard (besser bekannt als Gerry) Seybert. Die Anregung kam von einer Familie, „die mich kürzlich fragte,, ob ich nicht die Beerdigung eines verstorbenen Familienmitglieds filmen könnte“, erzählt Seybert. Was vordergründig nach amerikanischen Usancen klingt, hat einen bitteren Hintergrund. Wie für die meisten Bereiche des öffentlichen Lebens gelten auch für Bestattungen derzeit andere Regeln als bisher. So ist den Todesanzeigen derzeit häufig der Satz „die Besetzung fand im engsten Familienkreis statt“ zu lesen. Um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, sind „Messfeiern zur Beerdigung und Beerdigungen nur noch im engsten Familienkreis (bis maximal 20 Personen) erlaubt“, so die Mitteilung des Bistums Münster für die kirchlichen Friedhöfe. Dieselbe Regelung gilt ebenfalls für kommunale Friedhöfe. Die Beschränkung trifft viele Menschen mitten ins Herz, weiß Seybert.

„Angehörige, die beispielsweise im Ausland leben, können oft wegen der aktuellen drastischen Reisebeschränkungen nicht an Beisetzungen teilnehmen und sich folglich vom Verstorbenen nicht verabschieden. Aufgrund der vorgegebenen Begrenzung der Personenzahl können außer der betroffenen Familien meist nur wenige Freunde und Nachbarn dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen“, bedauert Seybert. „Gerade hier, am ländlich geprägten Niederrhein, gibt es noch große Familienverbände. Die Menschen sind in den Nachbarschaften verwurzelt, die für viele ein wichtiger Teil ihres sozialen Netzwerks sind. Für Diejenigen, denen das Abschiednehmen versagt blieb, kann „der pietät- und würdevolle Film einer Beerdigung wie ein kleines Trostpflaster wirken.“

Um möglichst unauffällig agieren zu können, reist Seybert schon deutlich vor der Bestattung an und macht auf dem Friedhof seine „Schnittbilder“. Beispielsweise vom Blumenschmuck, von den Kränzen, vom Friedhof. Nach der Beerdigung verbleibt er auf dem Friedhof, um weiter zu filmen. Immer dezent im Hintergrund. „Der Bestattungsprozess und der Trauerzug werden durch meine Anwesenheit auf keinen Fall gestört. Ich springe da nicht hin und her. Technisch bin ich so gut ausgerüstet, dass ich auf Abstand filmen kann.“ Seybert filmt aus der Hand mit kleinem, unauffälligem Equipment. Um die Tonqualität zu verbessern, können sich der Pastor/der Trauerredner selber gerne mit Ansteck-Mikrofonen, die Seybert ihnen zur Verfügung stellt, verkabeln.

Der Medienprofi Seybert ist sich bewusst, dass es in „normalen Zeiten“ Kritik an seinem Film-Projekt geben könnte. „Doch die Corona-Krise verlangt nach anderen Lösungen. Hier geht es um Trauerbewältigung“. Er weist ausdrücklich darauf hin: „Der Film wird nur für private Zwecke gedreht.“ Sein Projekt stellte der Filmemacher bereits einigen örtlichen Bestattern im Kreis Kleve vor: „Sie waren sehr angetan von der Idee und der Ausführung, empfanden meinen Film als sehr würdevoll und angemessen.“ Mehr unter der Adresse http://vimeo.com/402244605.