Abitur im Zeichen von Corona

Milla Kerkhof (18) aus Emmerich erzählt, wie sie sich zu Hause auf die Prüfungen vorbereitet

Abitur Corona Milla Kerkhof Emmerich
Milla Kerkhof lernt zu Hause am Schreibtisch. Foto: privat

EMMERICH. Zwölf Jahre haben sie auf darauf hingearbeitet: Das Abitur, die damit verbundenen Prüfungen, aber eben auch die Feiern sollten für tausende von Schülern in Nordrhein-Westfalen der Höhepunkt der Schullaufbahn sein. Nun aber sind die Schulen geschlossen, die angehenden Abiturienten müssen zu Hause für die Prüfungen lernen. So auch die 18-jährige Milla Kerkhof aus Hüthum, die das Willibrord-Gymnasium in Emmerich besucht. Im NN-Interview erzählt sie, wie sie sich seitdem in Eigenregie vorbereitet und wie sie ihren vorgezogenen letzten Schultag erlebt hat.

Frau Kerkhof, die ersten beiden Wochen seit der Schulschließung sind vorbei. Wie funktioniert der Unterricht zu Hause bislang?
Milla Kerkhof: Bei mir läuft es ganz gut. Wir tauschen uns nicht mit Facetime oder anderen Videochats aus, wir arbeiten klassisch mit E-Mail-Verteilern. Die Lehrer sind sehr engagiert, uns zu unterstützen, und versorgen uns regelmäßig mit Aufgaben und Arbeitsmaterialien. Unsere Mathematik-Lehrerin beispielsweise bereitet die Inhalte sehr gut vor und ergänzt sie mit handschriftlichen Notizen, so dass sie jeder nachvollziehen kann.

Sie haben Videochats angesprochen. Vermissen Sie diese Möglichkeit des Austausches?
Kerkhof: Ich habe von anderen Schulen gehört, die Video-Unterricht anbieten. Das fehlt mir aber nicht, ich finde den E-Mail-Kontakt, den wir haben, besser. Ich gehe wirklich sehr gerne in die Schule und würde es auch jetzt viel lieber tun, aber das ist eben etwas ganz anderes, als zu Hause zu sitzen. Hier möchte ich mir das Lernen so einteilen können, wie es mir am besten passt.

„Ich lerne jeden Tag fürs Abitur, starte
gegen 10 Uhr und lerne dann durch“

Wie lernen Sie?
Kerkhof: Wie gelernt wird, das regelt jeder individuell. Ich lerne jeden Tag, starte gegen 10 Uhr und lerne dann durch. Manchmal verschiebe ich es aber auch in den Nachmittag. Das läuft aber alles spontan und hängt nicht zuletzt von den Fächern ab. Bei manchen kann man viel üben, zum Beispiel bei Mathematik. In den anderen Fächern wie Deutsch hat man eher die Möglichkeit, Mitschriften zu lesen.

Woher bekommen Sie Unterrichtsmaterial?
Kerkhof: Über den Verteiler erhalten wir die Aufgaben, und wir können auf diesem Weg auch Fragen stellen. Die werden dann gebündelt beantwortet, so dass man auch Antworten auf Fragen erhält, die sich noch nicht gestellt hatten. Mir ist es jedenfalls so schon ergangen.

Wer lernt, muss auch mal eine Pause einlegen.
Kerkhof: Natürlich gibt es Tage, beispielsweise wenn die Sonne scheint, an denen ich lieber etwas anderes machen würde. Dann lenke ich mich auch mal ab, zum Beispiel durch Sport, indem ich ein Buch lese oder Zeit mit der Familie verbringe. Aber insgesamt hat man derzeit ja nicht so viele Möglichkeiten.

„Nach der Schulschließung
war ich echt niedergeschlagen“

Wie ging es Ihnen, als Sie erfuhren, dass Ihre Schullaufbahn vorzeitig beendet ist?
Kerkhof: Als wir erfuhren, dass die Schule geschlossen wird, war ich erst mal sehr traurig. An diesem Tag (am Freitag, 13. März, gab die NRW-Regierung die Schließung aller Schulen ab dem folgenden Montag bekannt; d. Red.) war die letzte Stunde ausgefallen, und wir konnte früher nach Hause gehen. Wir haben uns noch mit den Worten verabschiedet: Bis Montag! Ich hatte aber schon irgendwie ein komisches Gefühl, da wir ja zumindest wussten, dass im Laufe des Tages etwas entschieden werden sollte. Dass es zu Schulschließungen kommt, damit hatte ich nicht gerechnet. Als dann klar war, dass wir unseren letzten Schultag hatte, ohne es zu wissen, war ich echt niedergeschlagen. Und man konnte in den ersten E-Mails, die wir ab Montag erhielten, auch unseren Lehrern anmerken, dass sie traurig waren.

Hat Sie diese Entscheidung lange beschäftigt?
Kerkhof: Ich bin eigentlich sehr emotional veranlagt, habe es aber überraschend schnell verarbeitet. Noch am Abend habe ich mich mit Freunden getroffen und darüber gesprochen, das hat geholfen. Inzwischen halten wir über Social Media den Kontakt und einen regen Austausch – mal über Lerninhalte, mal über Privates. Wir bauen uns so auch gegenseitig auf.

„Mein erster Gedanke war:
Nein, nicht noch länger!“

Was sagen Sie dazu, dass die Abiturprüfungen später stattfinden sollen?
Kerkhof: Als ich zum ersten Mal von der Verschiebung der Prüfungstermine gehört habe, war mein erster Gedanke: Nein, nicht noch länger! Natürlich haben wir so mehr Zeit zum Lernen, aber mir wäre es lieber, es zügig hinter mich zu bringen.

Es stand ja auch die Überlegung im Raum, die Prüfungen komplett ausfallen zu lassen.
Kerkhof: Ich bin froh, dass die Prüfungen nicht komplett abgesagt worden sind. Für mich wäre es furchtbar gewesen, die Schule ohne Abiturprüfungen beenden zu müssen. Es wäre für mich kein richtiges Abitur gewesen. Und ich hätte mich gefragt, was ich machen soll, wenn ich mich ohne schriftliches Abi an einer Uni bewerben will. Ganz abgesehen davon, dass mir die Erfahrung der Prüfungssituationen gefehlt hätte.

Zum Abitur gehört auch der Abi-Ball.
Kerkhof: Wir werfen jetzt schon einen verängstigten Blick in die Zukunft, wie es ablaufen könnte. Am 20. Juni soll vormittags die Zeugnisausgabe sein, abends dann der Abi-Ball stattfinden. Bislang ist er noch nicht abgesagt, und ich hoffe sehr, dass es auch dabei bleibt – und uns am Ende nicht auch noch das genommen wird.