Bilder
Nadine Böttcher (l.) präsentiert bald in ihrer ersten Ausstellung zahlreiche Bilder mit der Landschaft Alpens. Tatkräftige Unterstützung erhält sie von ihrer Mutter Gerda Lauer. NN-Foto: Thomas Langer

ALPEN. Nadine Böttcher ist ein echtes Kind vom Land. Wie sehr sie für ihre Alpener Heimat schwärmt, beweist die in Bönninghardt lebende Künstlerin bald mit ihrer ersten eigenen Ausstellung „Alpen im Wandel der Zeit“ im ersten Obergeschoss im Sitzungssaal des Alpener Rathauses. In 25 Bildern aus Acrylfarben und einer Powertex-Figur setzt sie von Donnerstag, 12. März, bis  Donnerstag, 11. Juni, der Alpener Landschaft ein Denkmal. Aber auch Tiere und Menschen (in Landschaften) finden den Weg auf ihre Leinwand.

Ihre Gemälde sind dabei so vielfältig wie detailreich. Ebenfalls verbindet Böttcher kleine Geschichten mit ihren Bildern, die zusammen einen Zeitraum vom 20. Jahrhundert bis heute abdecken. Beispiel gefällig? „Landarbeit 1“ mag als Titel vielleicht unspektakulär klingen, dahinter verbirgt sich aber ein besonders plastisches Bild: Zu sehen ist ein Bauer mit einem Pferd namens „Fanny“, mit dessen Hilfe er einen Acker pflügt. Der gepflügte Boden bekommt dank der Kombination aus Acrylfarben und Kaffeesatz einen 3D-Effekt, sodass man am liebsten einmal mit den Fingern darüber fahren und den Boden fühlen möchte.

Die Geschichte hinter diesem Bild ist familiärer Natur. Böttchers Großvater lieh sich zum Umpflügen seines Ackers Fanny beim Nachbarbauern aus. Trotz der harten Arbeit gibt es heute noch besondere Erinnerungen an diese Zeit. Böttchers Mutter Gerda Lauer durfte als Kind nämlich während der Arbeit auf Fanny sitzen. „Daran erinnert sie sich heute noch gerne zurück“, erklärt Böttcher. Über die Geschichten ihrer Mutter ist sie sehr froh. „Sie ist ein Lexikon der alten Zeit.“

Ein anderes Bild zeigt die 1968 abgerissene Jugendburg. Gemalt hat Böttcher sie nach der Vorlage eines alten Schwarz-Weiß-Fotos. Durch ihr Bild hat sie die Burg jedoch nun in Farbe übersetzt.

Wieder ein anderes Bild zeigt den Bahnhof Bönninghardt. Heute ein Wohnhaus, sammelte sie früher in dessen Nähe Kastanien mit ihrem Vater.

Geschichten, die Bilder zum Leben erwecken

Viele der Bilder sind von gedeckten Farben geprägt, die allerdings immer wieder von besonders farbigen Highlights kontrastiert werden. All die dazugehörigen Geschichten erwecken die heimatliche Landschaft noch mehr zum Leben. 

„Ich bin mit den alten Geschichten meiner Mutter und meines Vaters aufgewachsen“, sagt die 36-Jährige. „Das ist noch mal etwas anders als die Geschichten in Sachbüchern.“ In diesen werde vor allem vom harten Leben erzählt. Die Eltern brächten aber auch in Anbetracht der harten Zeit besonders die schönen Seiten, die schönen Geschichten zum Vorschein. So konnte laut Böttcher ihr Vater Geschichten aus der Kriegszeit  so erzählen, dass die Zuhörer einfach lachen mussten. „Er war ein wandelndes Geschichtsbuch“, fasst sie zusammen.

Böttcher ist froh, auf dem Land aufgewachsen zu sein: „Mir gefällt die Ruhe und man hat die Tiere vor der Haustür.“ Ein eigener (Gemüse)Garten, Hunde, Kaninchen, Mehrschweinchen und der Kuhstall des Nachbarn gehören zu ihren Kindheitserinnerungen vom Land.

Mit ihrer Kunst möchte sie unter anderem zum Nachdenken anregen. Sie möchte zeigen, wie viel Mühe die Menschen früher hatten. „Heute haben wir es so gut“, erklärt sie.

Ihre Leidenschaft für Kunst und Malerei entspringt aus ihrer Kindheit. „Schon als Kind habe ich gerne gemalt“, sagt Böttcher. Allerdings habe ihr Vater nicht allzu viel davon gehalten, betrachtete es vielmehr als brotlose Kunst. So malte Böttcher dann immer wieder für sich auf dem Dach des Schuppens.

An elf Bildern parallel gearbeitet

Böttcher, die neben ihrer Künstlertätigkeit Sekretärin ist, hat früher bereits mit der Künstlergemeinschaft in Alpen ausgestellt. Für ihre erste eigene Ausstellung hat sie seit letztem Jahr alle 25 Bilder gemalt, kein älteres  wird wiederverwertet.

„Ich bin ein organisierter Mensch, aber ein chaotischer Künstler“, gesteht Böttcher mit einem Lachen. So hat sie an elf Bildern parallel gearbeitet, sonst waren es vielleicht zwei oder drei. Trocknete das eine, ging es mit dem nächsten weiter. Ein Prozess, der manchmal ein wenig frustrierend sein kann, wie sie zugibt. „Man hat zehn Bilder, die angefangen sind, aber keines ist fertig. Man sieht den Fortschritt nicht so sehr. Aber zum Schluss geht es dann schnell und eines nach dem anderen ist fertig“, sagt Böttcher.

Vorbereitende Skizzen nutzt sie in aller Regel nicht. Stattdessen entstehen ihre Bilder im Kopf, die sie dann umsetzt. Vorlagen in Form von Fotografien einmal außen vor gelassen.
Über Ideenmangel kann sie nicht klagen: „Ich glaube ich kann malen, bis ich 80 bin“, erklärt sie, gefolgt von einem breiten Lächeln.

Jetzt freut sie sich aber erstmal auf die anstehende Eröffnung. Und auf die Besucher, die vielleicht ihre eigene Geschichten zu Alpen mitbringen.