RHEINBERG. Wer hat sie noch nicht gesehen? Die blauen Schafe, die nicht nur überall am Niederrhein zu finden sind, sondern auch schon oft als Herde bei den verschiedenen Ausstellungen zu bewundern waren. Aber wer genau ist eigentlich der Mann hinter den blauen Schafen? Und was hat es mit den blauen Erdmännchen auf sich? Die Niederrhein Nachrichten trafen Aktionskünstler Rainer Bonk zu einem Gespräch.

„Ich bin kein klassischer Künstler“, gesteht Bonk gleich zu Beginn. Der Rheinberger meint damit, dass er kein Kunststudium absolviert hat. Viel mehr sei die Kunst früher ein Hobby gewesen. Ein Hobby, dass sich aber unlängst zu Bonks Lebensmittelpunkt entwickelt hat. Aber der Reihe nach: Im Rahmen seines Geografiestudiums absolvierte Bonk eine Exkursion in Idar-Oberstein: „Dort habe ich mich viel mit Kristallen beschäftigt und habe mich später dann auch in dem Bereich selbstständig gemacht“, so Bonk.

Das war zwischen den 70er und 80er Jahren: „Damals war das Interesse daran noch richtig groß und zusammen mit meiner damaligen Frau war ich auf vielen Weihnachtsmärkten. Das war mein Einstieg in die Kunst“, erinnert sich der Rheinberger. Irgendwann wurde immer mehr in China angefertigt, zu Preisen, mit denen Bonk nicht mithalten konnte: „Nach mehreren Schicksalsschlägen habe ich dann beschlossen, noch mal ganz neu anzufangen und habe alle Steine weggegeben und mich von allem befreit.“

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Rainer Bonk möchte mit Kunst eine Botschaft vermitteln

Durch die Erfahrungen, die Bonk in all den Jahren gesammelt hatte, hatte er bereits eine vage Idee von der Kunst, die er anfertigen wollte: „Die Grundvoraussetzung ist immer die Kreativität. Die innere Ambition ist ja gespeist durch die Erfahrungen, die man macht. Mir war es wichtig, mit meiner Kunst eine Botschaft zu übermitteln“, erklärt der 74-Jährige. Inspiriert durch Joseph Beuys und die Dokumenta überlegte der Künstler, in welche Richtung er sich weiter entwickeln möchte: „Künstlerische Prozesse sind das eine, aber die Veränderung des gesellschaftlichen Blickwinkels ist das andere“, erläutert Bonk seinen Weg. Mit dem Umzug nach Rheinberg lernte er zahlreiche andere Menschen kennen, die sich ebenfalls künstlerisch betätigten. Zu ihnen gehörte auch Ernst Barten von der Kulturinitiative Schwarzer Adler: „Es war hier ein gutes Umfeld, um künstlerisch aktiv zu sein.“

Für die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort hat Bonk Erdmännchen für eine Bemal-Aktion entworfen. Natürlich gibt es auch einige in blau. NN-Foto: Dickel

Die alte Schule in Vierbaum wurde sein neuer Wohnsitz: „Das Gebäude umfasste 450 Quadratmeter und musste natürlich auch noch renoviert werden“, erinnert sich Bonk an die viele Arbeit. Das Ziel hatte er jedoch stets vor Augen: er wollte, dass in den Räumen auch Ausstellungen stattfinden können. Eine Möglichkeit, sich und seine Kunst zu präsentieren, fand Bonk im Kunst-Cocktail am Lohheider See, den er gemeinsam mit mehreren Künstlern ins Leben gerufen hatte: „Ich konnte dort alles, was mir am Herzen lag, präsentieren“, berichtet Bonk. Die Idee des blauen Schafes fand dort seinen Ursprung.

Erst schwimmendes Spiegelei, dann blaue Schafe

Bonk hatte damals eine große Schwimminstallation auf dem See erarbeitet: ein schwimmendes Spiegelei: „Das kam damals sehr gut an und wurde schnell zum Hingucker.“ Die Idee, eine besondere Skulptur zu entwickeln, reifte in dem Künstler. Zum ersten Mal die Farbe Blau – genauer gesagt, dass Yves Klein Blau – verwendete er für Dachlatten, die er guerillamäßig an verschiedenen Orten anbrachte: „Damals fragten sich die Leute, was das solle und genau das möchte ich mit meiner Kunst bezwecken. Die Menschen sollen zum Nachdenken angeregt werden.“

Die Idee zu den blauen Schafen kam Rainer Bonk um die Jahrtausendwende bei einer alltäglichen Beobachtung. Er sah die Schäfer, die am Rhein waren und beobachtete, wie sie die Schafe einsprühten. So entstand die Idee, blaue Schafe herzustellen. Der genaue Farbton spielt dabei eine große Rolle: „Das Blau ist die Farbe der Vereinten Nationen und der Friedenstaube.“ Die blaue Herde steht für den Künstler sinnbildlich für die gesamte Menschheit: „Vom Weiten denkt man vielleicht erst, dass sie unterschiedlich sind. Bei genauerer Betrachtung sieht man dann aber, dass alle gleich sind“, erklärt der Rheinberger und fügt hinzu, „der Blickwinkel spielt im Leben eine wichtige Rolle. Es kommt darauf an, wie wir Dinge bewerten und wenn wir bereit sind unseren Blickwinkel zu verändern, verändern sich auch unsere Ansichten.“

Schafherde wanderte durch ganz Europa

Innerhalb kürzester Zeit wanderte die Schafherde durch ganz Europa und stand an wichtigen Punkten wie zum Beispiel in Venedig, Brüssel und Straßburg: „Dadurch bin ich sehr viel herumgekommen und das hat mir viel Spaß gemacht.“Insgesamt war er mit seiner Schafherde bei über 180 Ausstellungen – klar, dass die Schafherde auch bei der Landesgartenschau (Laga) in Kamp-Lintfort zu Gast ist. Aber damit nicht genug: für die Laga hat Bonk noch eine neue Skulptur, passend zum Maskottchen der Laga entworfen: Eine Erdmännchen-Skulptur zum Bemalen.

Natürlich werden aber auch einige Erdmännchen in dem typischen Blau auf der Laga zu Gast sein. Hier stehen sie sinnbildlich für die Bergleute, die sich auch eifrig unter Tage unter den verschiedenen Tunnel durcharbeiten mussten. Für den Rheinberger ist diese Entwicklung eine tolle Sache: „Mir macht es immer noch viel Spaß und ich fände es toll, wenn auch die Schafherde bei weiteren Lagas zu Gast ist, denn schließlich geht es darum die Menschen mit Kunst zum Nachdenken zu bewegen, und zu zeigen, dass wir letzten Endes alle gleich sind“, so Rainer Bonk abschließend.