Sebastian Keuck mit den Plänen für einen Messestand auf der Light&Building. Jetzt wurde die Messe zunächst abgesagt. NN-Foto: ak

NIEDERRHEIN. Der Corona-Virus belastet zunehmend auch die Betriebe am Niederrhein. Die Absage von Großveranstaltungen, Produktionsausfälle im Ausland und Lieferengpässe führen zu Umsatzeinbußen. „Wir sind stark im Bereich der Messebeschriftung aufgestellt“, erklärt Sebastian Keuck, Geschäftsführer von Keuck Medien. „Da treffen uns die aktuellen Messeabsagen besonders hart.“

Für die Messe Light&Building in Frankfurt hatte das Straelener Unternehmen Decken- und Bodenbeschriftungen sowie Deckenabhängungen in Planung, für die Mobilfunkmesse in Barcelona sind spezielle Acrylbuchstaben gefräst worden und für die Metav in Düsseldorf sollte Keuck den 400 Quadratmeter-Messestand der Grefrather Firma GLM Werkzeugmaschinen komplett gestalten. „Barcelona bedeutet einen wirtschaftlichen Schaden von 4.000 bis 5.000 Euro, Frankfurt und Düsseldorf jeweils rund 8.000 bis 10.000 Euro“, so Keuck.

Noch keine Auswirkungen im Container-Hafen

Soweit ist es bei der Emmericher Gesellschaft für kommunale Dienstleistungen (EGD) noch nicht. So verzeichnet etwa das Embricana keine Rückgänge bei den Besucherzahlen, und auch auf den Frachtumschlag im Container-Hafen gibt es keine Auswirkungen, wie EGD-Chef Udo Jessner berichtet. „Wir haben unsere Mitarbeiter aber darauf hingewiesen, in besonderem Umfang auf Hygiene zu achten“, betont Jessner. Das Unternehmen Novoferm mit Produktionsstätten unter anderem in Haldern und Isselburg gehört seit 2003 zur japanischen Sanwa Group. Beim Hersteller für Türen, Tore, Türzargen und Antriebe beobachte man laut einer Unternehmenssprecherin die Lage „auf allen Ebenen“. Es gebe Hygienevorschriften für die Mitarbeiter. Engpässe im Einkauf beispielsweise seien aber nicht zu verzeichnen. „Es wurden zwar Messen, die unsere Branche betreffen, abgesagt“, so die Sprecherin. Dort hätten die Kollegen sich jedoch nur informieren und Kontakte knüpfen sollen.

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Gesundheitsamt rät: Veranstaltungen absagen

Das Gesundheitsamt des Kreis Kleve empfiehlt, Veranstaltungen mit zahlreichen Teilnehmern abzusagen. Generell sei die Ansteckungsgefahr höher, wenn viele Menschen zusammenkommen. Dies sei zum Beispiel bei Veranstaltungen der Fall. Zum Schutz vor der Verbreitung von Infektionen, empfiehlt das Kreisgesundheitsamt den Veranstaltern im Kreis Kleve die Absage von Veranstaltungen, bei denen zahlreiche Teilnehmer zu erwarten sind.

Kein merklicher Umsatzrückgang

Das Gastgewerbe habe noch nicht mit ausbleibenden Gästen zu kämpfen, sagt Han Groot Obbink, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreis Kleve und Geschäftsführer des Wunderlands Kalkar. „Ich habe mit verschiedenen Restaurant-Besitzern gesprochen. Sie haben bislang noch keinen merklichen Umsatzrückgang verzeichnet. Sie nehmen aber das Thema Hy­giene sehr ernst und stellen auch für Gäste Desinfektionsständer auf“, sagt Obbink.

Messen finden statt

Während im „kleinen Rahmen“ bisher keine größeren Verluste zu beklagen seien, seien die Problematiken bei größeren Veranstaltungen dagegen immens. „Diverse Unternehmen haben ihre Tagungen und Betriebsveranstaltungen bei uns im Wunderland Kalkar abgesagt. Dadurch haben wir hohe Umsatzeinbußen – und wir wissen noch nicht, wohin sich die Thematik noch entwickelt“, sagt Obbink. Das Wunderland müsse dadurch schon erste Konsequenzen ziehen: „Im Moment kann ich für April keine neuen Leute einstellen, weil ich nicht weiß, ob ich sie beschäftigen kann.“ An Karfreitag soll eigentlich Kernie‘s Familienpark nach der Winterpause wieder eröffnen. Dazu soll heute beim Jobber Day neues Personal rekrutiert werden. „Doch im Moment kann ich nicht sagen, ob sich die Situation bis dahin wieder beruhigt hat“, sagt Obbink. Diese Ungewissheit sei für ihn zurzeit das Schlimmste. Die Messen in den kommenden Wochen, unter anderem die „Frauensache“ am nächsten Wochenende, sollen aber wie geplant stattfinden. „Wir werden unseren Gästen Desinfektionsspender zur Verfügung stellen und sie auch darauf aufmerksam machen, wie man sich zurzeit verhalten soll“, sagt Obbink. Einige der abgesagten externen Veranstaltungen sollen nachgeholt werden. Dadurch könne das Wunderland Kalkar die jetzigen Umsatzeinbußen zu einem späteren Zeitpunkt zumindest etwas wieder auffangen.

Veranstaltungen in Rees finden statt / Kleve sagt ab

Die Stadt Rees hat mit einer Pressemitteilung auf die Empfehlung des Kreises reagiert. Darin heißt es, dass „seitens der Stadt Rees nach derzeitigem Stand keine Veranstaltungen abgesagt werden.“ Dies gelte insbesondere für das Kindertheaterstück am heutigen Samstag sowie die „Job4U?“-Lehrstellenarena am kommenden Dienstag, die beide im Bürgerhaus stattfinden. Im Gegensatz dazu hat die Stadt Kleve die Job- und Ausbildungsplatzbörse am Mittwoch, 11. März, bereits vor einigen Tagen abgesagt. Abgesagt ist auch der 35. Klever Ostermarkt, der am 21. und 22. März auf Haus Riswick stattgefunden hätte. Die Veranstaltung zum Weltfrauentag in der Klever Stadthalle am morgigen Sonntag findet allerdings nach jetzigem Stand statt.

Fieberambulanz für Karl-Leisner-Klinikum

Das Katholische Karl-Leisner-Klinikum, zu dem neben dem Klever Hospital auch die Krankenhäuser in Kalkar und Kevelaer gehören, hat für Patienten aus seinem Einzugsbereich eine zentrale Fieberambulanz eingerichtet – aus praktischen Gründen untergebracht in einem Zelt. „Die Fieberambulanz dient ausschließlich zur Diagnostik“, betont Kliniksprecher Christian Weßels. Nach Eröffnung der Fieberambulanz am vergangenen Wochenende hatte es, vor allem in den sozialen Medien, Irritationen gegeben. Bürger aus dem Südkreis sahen sich etwa im Nachteil – obwohl es auch in Geldern ein Krankenhaus gibt, dass auf Corona-Virus-Erkrankte eingestellt ist. Weßels betont, dass es um Zuständigkeiten und nicht um Abgrenzung geht: „Mit dieser Vorsichtsmaßnahme möchten wir eine effektive Diagnostik ermöglichen und die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Patienten schützen.“ Bei Inbetriebnahme der Fieberambulanz sei die Nachfrage recht hoch gewesen. Weßels: „In der Spitze waren es 70 Patienten pro Tag, Tendenz sinkend.“ Mitte der Woche lag man im Schnitt bei 40 bis 50 Patienten. Auffällig sei: Die Grippewelle rollt mit voller Kraft – es gab viele positive Influenza-Befunde. Einen Corona-Fall gab es bislang noch nicht (Stand Redaktionsschluss, Freitag, 13 Uhr).

“Nicht ernster zu nehmen als eine Grippe”

Ulrich Schlotmann, Pressesprecher der Apotheker im Kreis Kleve, plädiert für einen wachsamen, aber nicht übertrieben ängstlichen Umgang mit dem Coronavirus: „Es ist meines Erachtens nach nicht ernster zu nehmen als eine Grippe.“ Gleichwohl kann er bestätigen, dass Desinfektionsmittel und Masken inzwischen ein knappes Gut sind. Dabei brächten Masken, die im Klinikalltag viel dringender gebraucht würden, im Privatbereich gar nichts, so Schlotmann. „Wichtig ist vor allem, grundlegende Hygienregeln zu beachten“, betont Schlotmann. Er würde sich wünschen, dass Experten den Menschen mehr Sicherheit im Umgang mit dem Coronavirus vermitteln: „Man weiß ja inzwischen mehr; Angst macht immer nur das Unbekannte.“