GRIETH. Wenn die Bürgerhalle in Grieth wieder zur Narrenburg umfunktioniert ist, ist eines sicher: Gute Unterhaltung und kurzweilige „jecke“ Stunden. Dafür stehen die Griether Akteure schließlich. An den vergangenen beiden Samstagen lud die Griether Karnevalsgesellschaft (GKG) wieder zu ihren beiden Karnevalssitzungen ein – wie immer war (fast) alles „Made in Grieth“.

Bis auf die Besuche der Tulpenprinzessin Loré-Dana aus Bedburg-Hau und des Prinzenpaares Gregor I. und Melanie I. aus Emmerich und der Auftritt der Tänzerinnen der Ersten Kompanie der Kalkarer Karnevalsgesellschaft standen nur „echte“ Griether Akteure auf der närrischen Bühne. So präsentierten die „Rheingirls“ und die „Rhinförnjes“ in ihren rot-weißen Kostümen ihre sehenswerten Gardetänze. Der hauseigene Tambourcorps „Völl Gedrüß“ spielte nicht nur zum Einzug des Elferrats, sondern auch zur Halbzeit ein Karnevalsmedley. Ins Weltall entführten die „Griether Showgirls“ alle Narren mit ihrem Showtanz. Dazu ließen sie auf der Bühne sogar eine (Papp-)Rakete abheben. Mit den „Sisters“ ging es später am Abend zurück in die goldenen 20er Jahre. Mit Federn in den Haaren und Perlen um den Hals und die Handgelenke zeigten die Damen einen verführerischen Tanz.

Sinnlich wurde es auch beim Männerballett „De Waddtampers“. Mit Tutu-Röckchen, Federboas und verführerischen Gesten begeisterten sie das Publikum in der Bürgerhalle. Unterhaltungstechnisch konnten „De Waddtampers“ zwar zweifelsohne mithalten, tänzerischer Höhepunkt war aber dennoch der Showtanz der „Rhinförnjes“. In diesem Jahr zauberten sie ein Zirkus-Programm auf die Bühne, das alles zu bieten hatte: Löwen, Akrobatik und Clowns. Sogar an Popcorn hatten die jungen Frauen gedacht. Sie warfen es bereits beim Einmarsch ins Publikum.

Eine Schulstunde

Zurecht stolz konnte die Griether Akteure in diesem Jahr auch wieder auf ihre Büttenredner sein. Anders als manchen anderen Karnevalsgesellschaften fehlt es den Griethern auch nicht an Nachwuchs. So stand in diesem Jahr zum wiederholten Male Johannes Verfürden mit Elke Müskens auf der Bühne, um Einblicke in eine Schulstunde zu geben. Obwohl Johannes im vergangenen Jahr versprochen hatte, nicht mehr zu spät zu kommen, erschien er allerdings auch in diesem Jahr nicht pünktlich zum Unterricht. Doch er hatte eine gute Begründung parat, warum seine Lehrerin auf die angekündigte Strafarbeit verzichten solle: „Da ich mein Versprechen nicht gehalten habe, brauchen Sie Ihren auch nicht halten.“

Auf den Mund gefallen war Johannes dann auch mit Beginn des Unterrichtes nicht. Auf die Frage der Lehrerin, welcher Fall sich hinter dem Satz „Johannes lernt für sein Leben gern“ verberge, antwortete er: „Ein seltener Fall.“

Die Griether Karnevalisten durften Elke Müskens noch ein zweites Mal in einem Zwiegespräch erleben. Zusammen mit Tochter Mara berichtete sie aus dem Familienalltag im Hause Müskens. Dabei nahmen sich beide auch selbst aufs Korn. „So lang mein IQ höher ist als mein Gewicht, bin ich voll zufrieden“, sagte Tochter Mara.

„Sixpack im Speckmantel“

Emily Brumann, die trotz ihres jungen Alters bereits zum dritten Mal in der Griether Bütt stand, war in diesem Jahr nicht alleine gekommen. Sie hatte ihren „Bühnentrottel“, ihren Papa, mitgebracht und berichtete vom „Sixpack im Speckmantel“. Als Beweis hatte sie sogar eine überdimensional große Leinwand mitgebracht, die sich ihr Papa vor dem Körper hielt. Zunächst war der darauf zu sehende Körper in meinem flauschigen Enten-Bademantel umhüllt. Doch als Emily diesen abnahm, kam das Sixpack zum Vorschein.

Im „Diätenwahn“ war auch Robert Kaldenhoven. In seiner in Platt vorgetragenen Bütt erzählte er, wie schlimm schwer so eine Diät doch ist. „Mens, wat heb ek metgemakt“, sagte Kaldenhoven. Der „Rhijnkieker“ alias Theodor Reumer beschäftigte sich dagegen mit der Fridays For Future-Bewegung („Die Showblaagen maken jeden Fridag blau“) und mit den sozialen Medien („Oma sat oomes op den Stuhl vör de Hüssdöör. Dat was WhatsApp van frugger“).

Unter anderem über Frauen und Männer sprachen Louisa Lamers und Klaus Reumer in ihrem Zwiegespräch „van de Dunn en uit de Stadt“. Zunächst schworen sie lässig am Stehtisch „auf die Männer, die wir lieben und auf die Penner, die wir kriegen“, anschließend stellte Louisa fest: „Perfekt aussehen müssen nur die Frauen, die sonst nix können.“

„Zwei höllische Nachbarn“

Die „zwei höllischen Nachbarn“, Freddy Seifert und Peggy Dahmen, durften natürlich ebenso nicht fehlen. Peggy trat in diesem Jahr mit einem engen, pinkfarbenen Kleid und einer passenden bunten Perücke auf die Bühne. „Ich bin jetzt eine Queen – eine Drecks-Queen“, erklärte Peggy. Weiterhin berichtete sie ihrem „höllischen Nachbar“, dass sie einen Teil ihrer Kleidung ausgemistet habe und diese an hungernde Leute spenden wolle. Dieser konnte sich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen: „Wer in deine Kleider passt, der hungert nicht.“

Michael Hell und Heiner Dünkelmann verschonten als „Bänkelsänger“ in ihren Liedtexten weder den US-Präsidenten Donald Trump („der schlechtfrisierte Clown“) noch die heimische Politik. Auch die Arbeiten am heimischen Deich nahmen sie in ihr Repertoire auf. „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Deich nicht“, sangen die beiden.