Wald
Heinz-Peter Hochhäuser sprach in seinem Vortrag über unsere Wälder und Möglichkeiten zu Zeiten des Klimawandels. NN-Foto: Thomas Langer

SONSBECK. Brennende Themen standen im Fokus des diesjährigen Bauerntages der Katholischen Landvolk Bewegung in Sonsbeck. Eines davon: Die Bedrohung des Waldes durch Klimawandel und Schädlinge. Unter dem Titel „Bedrohte Idylle – sind unsere Wälder noch zu retten?“ hielt Heinz-Peter Hochhäuser vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW und Leiter des Regionalforstamts Münsterland einen aufschlussreichen Vortrag. Eines vorweg: Der Wald ist nicht verloren.

„Ich möchte mich heute mit Ihnen über das Wetter unterhalten“, begann Hochhäuser seinen Vortrag mit einem Lächeln auf den Lippen. Der Wald sei nicht nur vom Klimawandel betroffen: „Der Wald bietet auch Chancen im Klimawandel“, fasste er bereits zu Beginn zusammen.

Zu Anfang ging es aber um den Kontext: Er erklärte, wovon das Wetter abhängig ist. Der natürliche Treibhauseffekt ermöglicht die Vegetation auf der Erde, der Golfstrom als „Wärmepumpe auf der Welt“ beeinflusst die Vegetation und bestimmt das Wetter wesentlich mit. Er sprach von globaler Erwärmung und vom Jetstream, welcher Einfluss auf Hoch- und Tiefdruckgebiete hat. Und er zeigte einen starken Anstieg der CO2-Konzentration auf. Ein Anstieg, der mit den Menschen kam. „Es gab immer Schwankungen, aber das ist nicht natürlich.“ Das Klima hat sich zwar in der Vergangenheit schon verändert, was auch Hochhäuser weiß. Dennoch: „Wir haben sehr großen Einfluss darauf, was in der Welt passiert.“

Die Veränderungen sind da

Unberechenbareres Wetter, wärmere Temperaturen, unregelmäßigere Niederschläge und Waldbrandgefahr: „Das sind die Auswirkungen des Klimawandels“, erklärte er. Starkniederschläge und Stürme würden sich ebenso häufen.

Dabei betonte er, wie eng Klima und Vegetation zusammenhängen. „Wir leben hier oben“, sagte er mit Verweis auf die Karte, „das ist die Schokoladenseite der Welt, der Speckgürtel. Da haben wir viel Glück.“

Was der ein oder andere der Zuhörer vielleicht nicht wusste: Der Niederrhein gehört zu den Dürreregionen Deutschlands. Diese nähmen hier nämlich zu. Wie sehr sich das Klima durch den Einfluss der Menschen verändert, zeigte ein besorgniserregender Vergleich: Ein Jahrhundertsommer wie 2018 wäre zwischen 1880 und 1910 alle 245 Jahre vorgekommen. In unserer Situation kommt so ein Sommer im Schnitt alle acht Jahre vor. Bis 2050, wenn es um 1,6 Grad wärmer würde, schon alle zwei Jahre. „Das sind rasend schnelle Veränderungen, auf die wir uns einstellen müssen“, sagte Hochhäuser.

Der Wald und wir

Veränderungen, die auch den Wald und unseren Umgang mit ihm betreffen. Die Belaubung ist ein Faktor, an dem der Gesundheitszustand gemessen wird. „Wenn die Bäume kein Wasser bekommen, müssen sie Blätter abwerfen. Dann findet keine Fotosynthese statt und damit auch kein Holzaufbau. Aber Wassertransport findet in den äußeren Jahrringen statt. Wenn die nicht ausgeprägt sind, brauchen die Bäume längere Erholungsphasen von zwei, drei Jahren, damit der Wasserfluss und damit die Produktion wieder losgehen kann. Wenn man diese Erholungsphasen nicht mehr hat, dann kommt es zum Kollaps“, erklärte Hochhäuser.

Der Anteil der stark geschädigten Bäume nimmt zu. Und dafür seien laut Hochhäuser unter anderem Stürme, Insekten, Wild, Pilze oder auch Dürre verantwortlich. „Da ist uns auf 70 Hektar die Buche abgestorben. 120-jährige Buchen“, gab er ein Beispiel für Dürreprobleme.

Der Borkenkäfer, als Beispiel für einen Schädling, geht nicht an totes Holz, sondern an kränkelnde Bäume. Eine gesunde Fichte kann mit 2.000 Käfern fertig werden. 180.000 Käfer schafft sie nicht, wie Hochhäuser selbst schon erlebt hat. „Man muss die Bäume finden, wo die Käfer sich entwickeln. Nicht die toten Bäume“, erklärte er. „Aber es ist nicht nur die Fichte, die uns Sorgen macht. Da ist es nur am massivsten.“

Vielfalt im Wald ist das A und O

Vielfalt ist beim Aufforsten unabdinglich. Hochhäuser sprach in seinem Vortrag von großen Freiflächen: „Sie können nicht in zwei Jahren den gemischten Wald aufbauen. Das dauert 120 oder 150 Jahre. Die Frage ist, wie starte ich? Mit einem Vorwald und dazu gehört die Fichte. Wir nehmen die Fichte mit, um die Fläche dicht zu bekommen und dann andere Baumarten im Schatten dieser Fichten wachsen zu lassen. Unser Wald hängt ab von Menschengeschichte. Wir müssen im Wald mit dem leben, was unsere Vorfahren uns hinterlassen haben.“ 1848 etwa wurden zur Holzsicherung für das Ruhrgebiet viele Fichten angepflanzt. Diese ist heute mit 42 Prozent die Hauptbaumart in NRW. Das macht große Schäden an ihr besonders dramatisch.

Jede Baumart hat dabei ihr Optimum in bestimmten Feuchtigkeitsbereichen. Hier sind es zum Beispiel oft frische und wechselfeuchte Standorte. Nun kann es zum sogenannten Standortdrift kommen: Mit wärmerem Wetter und mehr Trockenphasen verschieben sich die Bereiche zum Beispiel von wechselfeucht auf mäßig wechselfeucht oder von frisch auf mäßig trocken. „Bei einer Veränderung des Standorts verändert sich das Baumartenspektrum. Dieses wird nicht größer und es werden andere Baumarten. Eine Verschlankung auf weniger Arten bringt ein höheres Betriebsrisiko mit sich. Die einzige Chance, die wir im Wald haben, ist die Vielfalt der Baumarten. Wir wissen nicht was kommt. Wir müssen ausweichen können und verschiedene Arten haben, um zu steuern. “

Sich ändernde Standortverhältnisse erfordern also eine andere Herangehensweise. „Der Klimawandel findet schneller statt als sich unsere Natur anpassen kann“, sagte Hochhäuser. So werden auch Baumarten ausprobiert, die etwa mehr Trockenheit vertragen. Darunter fallen auch Baumarten aus anderen Regionen und ähnlichen Klimazonen, wie Nordamerika.

Holz als Chance

Den Klimawandel bekämpfen die Wälder besonders dadurch, dass sie CO2 binden. Der Wald in NRW schafft pro Jahr 18 Millionen Tonnen davon. Dieser positive Effekt wird besonders durch Holzprodukte verstärkt, die ebenfalls CO2 binden. Hochhäuser betonte, dass Holz auch andere Stoffe wie Aluminium, Stahl oder Beton ersetzen könne, die mit großem Energieaufwand hergestellt würden. Das spare fossile Stoffe ein. „Dieses Einsparpotenzial ist an sich noch viel größer als der Waldspeicher.“ Unsere Verantwortung: „Zu sehen, dass wir Holz einsetzen und nachhaltig verbauen.“