Vorwort als Rückblick

Jürgen Ollenburg arbeitet nach dem Trichterprinzip: die Welt, Europa, Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Kreis Kleve, Kranenburg, Bürgerhaus. Wer aus der Welt bei ihm vorkommen möchte, sollte sich an den Einsendeschluss halten: das ist der Tag des internationalen Prinzenfrühschoppens. Danach könnten sie den Präsident der USA mit Honig einschmieren – das würde erst im Folgejahr erwähnt. Merke: rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Verfallen

Jürgen Ollenburg ist dem Karneval verfallen. Er gehört – Trichterprinzip – zum Kranenburger Karnevalsfeiern Krunekroane und ist Mitglied bei den Arbeitsbienen. Das sind die, die bei den Bunten Abenden das Sagen und das Tun haben. Jürgen Ollenburg ist zuständig für den „Prolog“. Das wäre dann gewissermaßen die Trichteröffnung zum buten Abend. Ollenburg – der Quartiermeister im Gestrigen. Was in der Welt, Europa und so weiter geschehen ist, filtert er. Nur er. Da redet ihm keiner rein.

Ein Geständnis

Am Anfang der karnevalistischen Karriere stand ein Geständnis. Ollenburgs damalige Frau war bei den Arbeitsbienen und hatte vom Spielleiter Clemens Hübbers (alias Plim) die Aufgabe bekommen, ein Lied umzudichten. Der Gatte tat assistieren und als „die Biene“ dem Spielleiter den Liedtext vorlegte, sagte der: „Das ist nicht von dir.“ Die Frage: Wer hat‘s erfunden, wurde Plim mit „mein Mann“ beantwortet. Spielleiterkommentar und Handlungsanweisung: „Bring den mal mit.“ So kam Ollenburg zu den Arbeitsbienen und zu seinem ersten Prolog. „Das müsste die Session 2000/2001 gewesen sein“, sagt der Mann, der seit dieser Zeit nur zweimal nicht den Prolog gesprochen (und natürlich geschrieben) hat … aber davon später mehr.

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Mach doch selber

Hat es eigentlich je Ärger gegeben? „Ärger nicht. Es kam mal jemand und sagte, das könne man besser machen. Dem hab ich dann gesagt, er soll mal zu den Arbeitsbienen kommen und den Prolog selber sprechen.“ Der Kritiker erschien nicht. Für Ollenburg stand übrigens nicht nur der „Prologdienst“ fest – der Mann ließ auch verlauten, dass er irgendwann einmal die Prinzenrolle einnehmen würde.

Der Pfennigfuchser

Es kam die Session 2006/07. In der Prinzengalerie der Krunekroane ist zu lesen: „2007 – Prinz Olli der Pfennigfuchser. Als sich über einen längeren Zeitraum kein [Prinzen]Anwärter finden ließ, dachte sich Jürgen Ollenburg: Warum eigentlich nicht ich? Und so kam es, dass er im vollbesetzten Bürgerhaus zum Prinz proklamiert wurde: Olli der Pfennigfuchser. Nicht etwa weil er geizig war, sondern weil er beim Discounter Penny beschäftigt war. Sein Funkenmariechen Sonja Baretto, Adjutant Daniel „Clodi“ Cloosters und Präsident Hans-Gerd Onckels standen ihm zur Seite.“

Ollenburg als Prinz mit seinem Funkenmariechen Sonja Baretto.

Eindeutig teilweise

Ollenburg: „Natürlich habe ich in meiner Prinzensession keinen Prolog gesprochen.“ Ein zweites Mal fiel Ollenburg gesundheitsbedingt aus. Ansonsten ist er seit 2000 mit dem Prolog dabei.
Liegt der Karneval in den Genen? Ein eindeutiges: zum Teil. Ollenburgs Vater war Mitglied beim Klever Angelsportverein und stieg dort für die vereinsinternen Karnevalssitzungen regelmäßig in die Bütt. „Mein Vater war für jeden Spaß zu haben.“ Ein karnevalistische Tendenz würde man also attestieren können. Geschwister? „Ja.“ Zwei. Alles Jungs. Beide älter. „Die haben mit Karneval eigentlich nichts am Hut“, sagt Ollenburg. Dann der Nachsatz: „Doch. Einer von beiden verkleidet sich täglich.“ Erklärung? „Berufssoldat.“
Merke: Prinz geht nur einmal im Leben, Prolog geht immer. Auch das bedarf der Einschränkung: Natürlich könnte der Olli irgendwoanders Prinz werden. Aber das ist nicht geplant.

Drei Mal bunt

Drei Bunte Abende bieten die Krunekroane ihren Karnevalsfans an. In der Regel sind die Karten Wochen vorher vergriffen. „Höchstens, dass mal ein paar Restkarten zu haben sind.“ Ollenburg: „Früher gab es übrigens nur zwei bunte Abende.“ Ab wann gibt es das „bunte Trio“? „Ich würde sagen, das könnte zur Session 2007/2008 begonnen haben.“ Früher war auch bis zur Proklamation streng geheim, wer Prinz wird. „Heute ist es ja so, dass man das lange vorher weiß. Geheim ist nur noch der Prinzenname.“ Die Zeiten ändern sich.
Rechtzeitig

Ollenburgs Lebensgefährtin Jutta ist übrigens auch eine Arbeitsbiene. Davon gibt es knapp 30. Alle haben eine Aufgabe. Passive Arbeitsbienen gibt es nicht. Heuer finden die Bunten Abende am 7., 8. und 15. Februar statt. Karten sind wahrscheinlich kaum noch zu bekommen. Wer also Ollis Prolog erleben möchte, muss es machen wie die Welt: Alles Wichtige vor dem Stichtag. Mit anderen Worten: Rechtzeitig um Karten für die Session 2020/2021 kümmern. Heiner Frost