NIEDERRHEIN. Er ist knapp 1,20 Meter groß, wiegt 28 Kilogramm und hört auf den Namen Pepper. Die Rede ist von einem humanoiden Roboter, der darauf programmiert ist, Menschen und deren Mimik und Gestik zu analysieren und darauf zu reagieren.

Insbesondere im Gesundheitswesen könnte Pepper eingesetzt werden, weswegen Andreas Mäteling, Bildungsgangleiter der Fachschule für Heilerziehungspflege (Liebfrauenschule) sich sehr darum bemüht hat, den Roboter zur Anschauung nach Geldern zu bekommen. „Die Digitalisierung kann die Pflege unterstützen und dabei helfen, dass Menschen länger selbstbestimmt leben können“, so Mäteling, der den Roboter keineswegs als Ersatz für Menschen sieht. „Es ist vielmehr eine Chance zu gucken, wie wir die Teilhabe der pflegebedürftigen Menschen fördern können“, erklärt Mäteling. Gerade das sei ohnehin auch das Ziel der Heilerziehungspflege und könnte mit Pepper möglicherweise ergänzt werden: „Uns geht es dabei um die Verwirklichung von Menschenrechten.“

Natürlich kommen in solch einer Diskussion auch kritische Stimmen auf. So fragt zum Beispiel eine der angehenden Heilerziehungspflegerinnen, ob es auch Menschen gebe, die nicht mit Pepper zusammenarbeiten oder kommunizieren möchten, da es sich bei ihm ja um keinen richtigen Menschen handele. Ingolf Rascher von der Ambient Assisted Living (ALL) Akademie Bochum und zugleich auch Sprecher der AAL-Bundesarbeitsgemeinschaft versteht die Bedenken, betont jedoch auch, dass mit der Zukunft gegangen werden muss. „Wenn mich manche Leute fragen, wann die Digitalisierung wieder weggeht, kann ich nur mit dem Kopf schütteln und sagen, gar nicht“, so Rascher. Trotzdem werde es nie darum gehen, Menschen durch Maschinen zu ersetzen: „Es geht viel mehr darum, den Heilerziehungspflegenden eine zusätzliche Technik zu geben, um ihnen so die Arbeit zu erleichtern und die Lücken in der Pflege zu schließen“, erklärt Matthias Hofmann von ShowBotiXX, die die Software für den Roboter liefern.

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Ansprechendes Äußeres

In der Praxis kommt Pepper nicht nur bei den Schülern sehr gut an, sondern auch bei den Menschen, die bereits die Hilfe des Roboters in Anspruch nehmen. „Bei den Meistern überwiegt die Neugierde und sie gehen direkt auf Pepper zu“, berichtet Hofmann. Dies liege an mehreren, optischen Faktoren, die beim Bau des Roboters beachtet wurden: „Pepper wurde bewusst kleiner gestaltet, damit sich die Menschen von ihm nicht eingeschüchtert fühlen. Er wurde bewusst nicht so klobig wie bisherige Roboter designt, sondern weicher. Zudem hat er große Augen bekommen, um so aufgeschlossener zu wirken. Pepper hat auch kein Geschlecht. So wird deutlich gemacht, dass es sich um keinen Menschen handelt, sondern um eine Maschine, erklärt Hofmann.

Erklären den Schülern den Umgang mit Pepper: (v.l.n.r.) Ingolf Rascher, Lehrer Andreas Mäteling und Matthias Hofmann.

Die Schüler testen Pepper daraufhin auf Herz und Nieren. Sprechen und antworten kann der humanoide Roboter genauso wie Spiele spielen. Schnell wird eine Runde „Tic-Tac-Toe“ gespielt – 1-0 für Pepper. Aber auch Musik mag Pepper gerne. Zu „Aber bitte mit Sahne“ bewegt sich der Roboter genauso gut wie zu Heimatliedern. Wer jetzt denkt, der Roboter bleibt bei all dem recht maschinell, der täuscht. Auf die Frage einer Schülerin, ob Pepper sie umarmen möchte, antwortet der Roboter mit „Na, klaro“ und beide umarmen sich.

Ebenso begeistert sind die Schüler von der Kitzel-Funktion des Roboters, bei der er anfängt zu lachen. Und auch die berühmte „Ghetto-Faust“ kann Pepper erwidern. Für Rascher ist klar: „In zehn Jahren werden wir mit Robotersystemen genauso natürlich umgehen wie mit unserem täglichen Kaffee“, so der Sprecher der AAL-Bundesarbeitsgemeinschaft. Abwegig scheint auch den Schülern dieser Gedanke nicht, schließlich gibt es mit Spracherkennungssystemen, wie zum Beispiel Alexa, schon genügend Vorreiter.

Pepper kann Informationen sammeln

Für die Pflege ist nicht nur die Kommunikation zwischen dem Roboter und Menschen interessant, sondern auch die Informationen, die dieser Kommunikation entnommen werden können. „Pepper kann zum Beispiel auch Informationen für die Dokumentation der Pflegeakten sammeln und in eine Vorlage einfügen. Die Informationen müssen dann nur noch von einem Pfleger überprüft werden“, so Hofmann. Letzten Endes könne Pepper nicht einfach alleine eingesetzt werden, sondern müsse immer von Menschen kontrolliert werden. Da bleibt der Mensch dann doch der Pfleger und Pepper ein Helfer.