GOCH/XANTEN. Auf der Suche nach einem würdigen Träger ihres „Ordens für hervorragende Verdienste um den niederrheinischen Karneval“ blickt die 1. Große Gocher Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß auch gerne einmal über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus.

Fündig wurden die Gocher Karnevalisten dieses Mal im Kreis Wesel: Der 59. Träger der Auszeichnung ist Heinz Roters aus Xanten, auch bekannt als „Eminenz“ in der Bütt. Der Orden wird ihm am 1. Februar, vor der ersten Prunksitzung der 1. GGK Rot-Weiß, überreicht.

Pointiertes Formulieren

Die Fähigkeit zum pointierten Formulieren bildete sich bei Heinz Roters früh aus. Seiner Mutter half er beim Umdichten von Liedern, die auf verschiedenen Veranstaltungen, zum Beispiel bei Schützenfesten, vorgetragen wurden. Dieses Talent sprach sich schnell in der Verwandschaft herum, und fortan war er bei Familienfeiern für eine lus­tige „Reimrede“ zuständig.

Redetalent

Sein berufliches Leben führte den 68-Jährigen als Schulleiter nach Hamminkeln und Düsseldorf, doch dann zog es Roters, gebürtig aus Obermörmter, wieder zu den Wurzeln zurück. Als Schulleiter der Viktor-Grundschule kam er schließlich nach Xanten. „Da wollten wir uns natürlich ein bisschen vernetzen“, erzählt Roters. Mit Bekannten wollten er und seine Frau die gemeinsame Karnevalssitzung von Kolpingsfamilie und kfd – „Halt Pölje“ – besuchen, doch die war komplett ausverkauft. Irgendwie war den Verantwortlichen aber sein Redetalent zu Ohren gekommen, das er auch in Hamminkeln und Düsseldorf in verschiedenen Rollen auf der Bühne gezeigt hatte. So wurde Heinz Roters gefragt, ob er nicht eine Büttenrede zur „Halt Pölje“-Sitzung beisteuern wolle. „Wenn ich da sonst nicht reinkomme“, dachte sich Roters damals – und legte damit den Grundstein für eine karnevalis­tische Laufbahn, die nun schon 20 Jahre andauert.

Den Spiegel vorhalten

Denn mit seinem „Don Camillo“ schoss er den Vogel ab. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, erinnert sich Roters. Seit zehn Jahren ist er zudem Sitzungspräsident bei „Halt Pölje“. Seine stets gereimte Rede ist immer das Highlight zum Schluss. Mit spitzer Zunge und Feder greift Roters lokale, kirchliche und politische Themen auf und hält seinen Mitmenschen den Spiegel vor – das aber niemals verletzend: „Mit den Pointen muss man das Publikum zum Lachen bringen“, betont er.

Die Reden zu schreiben, ist sehr viel Arbeit. „Als ich noch Schulleiter war, habe ich das immer in den Weihnachtsferien gemacht“, erzählt Roters, der heute noch „analog“ arbeitet. Die Rede, mit Anmerkungen und Änderungen, entsteht auf dem Schreibblock, nur die Endfassung findet sich zum Ausdrucken auf dem Computer wieder. Auf den Rückhalt seiner Familie kann sich Roters dabei verlassen: „Am zweiten Weihnachtsfeiertag hängen Luftschlangen im Baum und die Karnevalsmusik läuft“, lacht er, „man braucht diese Stimmung, um reinzukommen.“ Sein Lieblingslied ist – wie könnte es bei „Don Camillo“ auch anders sein – „Die Hände zum Himmel.“

Humor stärkt für die Aufgaben des Lebens

Den Humor betrachtet Heinz Roters als beste Stärkung für die Aufgaben des Lebens. So ist er auch noch als Patientenfürsprecher im Xantener Krankenhaus, im Kirchenvorstand seiner Gemeinde, in der Xantener Schützengesellschaft und im Lions Club aktiv. „Ich bin ein wenig im öffentlichen Leben unterwegs“, schmunzelt er. Wer als Frohnatur und mit Humor durch die Welt gehe, habe die Kraft für solche Aufgaben. Überhaupt schätzt Roters den urwüchsigen, familiären Karneval und freut sich, dass vielerorts versucht werde, klassische Karnevalssitzungen aufrecht zu erhalten.

Da kann ihm Franz van Berkum, Ehrenvorsitzender der 1. GGK, nur beipflichten: „Wir sind stolz darauf, dass wir bei unseren Sitzungen um die fünf Bütten haben.“ Mit Heinz Roters habe man einen würdigen Ordensträger gefunden, unter­streicht auch der 1. Vorsitzende Jörg Lang: „Wir wollen alle nicht hoffen, dass die Spezies Redner ausstirbt.“ Der Tipp, doch einmal nach Xanten zu schauen, kam übrigens von Theo Brauer, seines Zeichens der 58. Ordensträger. Gekannt habe man sich vorher nicht, so Franz van Berkum. Aber: „Karneval verbindet“, sagt Roters, „Narren haben damit sowieso keine Probleme.“ Und in diesem Punkt, findet er, könnten die sozialen Medien noch viel vom Karneval lernen: „Die Pluralität von Meinungen akzeptieren, ehrlich und authentisch sein.“