Willi Fährmann
„Willi-Fährmann-Gesamtschule“: Zur Namensgebung wurde auch ein neues Banner präsentiert. NN-Foto: Thomas Langer

XANTEN. Die „Gesamtschule Xanten-Sonsbeck“ ist Geschichte – jedenfalls vom Namen her, denn ab sofort heißt sie „Willi-Fährmann-Gesamtschule“. Benannt wurde sie nach dem berühmten Kinder- und Jugendbuchautor, der in Xanten wohnte und viele Jahre Leiter der Hauptschule war.

„Das erleben viele gar nicht, während sie zur Schule gehen“, sagte Schulleiter Frank Pieper zu den Schülern, die sich anlässlich der offiziellen Namensgebung mit ihren Lehrern im Forum versammelt hatten. Gemeint ist der Namensfindungsprozess für die Schule, bei dem auch die Schüler und Lehrer beteiligt waren.

Eigentlich kümmert sich der Träger der Schule um einen Namen, in diesem Fall die Stadt Xanten und die Gemeinde Sonsbeck. Großer Wert wurde dabei auf Zusammenarbeit gelegt, was die Bürgermeister der Stadt Xanten, Thomas Görtz und der Gemeinde Sonsbeck, Heiko Schmidt, durch ihre Anwesenheit dokumentierten.

2017 hatten einige Lehrer im Kollegium die Idee für eine neue Namengebung, was in der Lehrerkonferenz großen Anklang fand. Daraufhin wandten sie sich an die politischen Parteien, die es daraufhin 2018 in der Verbandsversammlung, dem politischen Entscheidungsträger, besprachen. Die Entscheidung fiel positiv aus, wonach sich die Schule schließlich an die Namensfindung machen konnte. Das Ergebnis teilte sie der Verbandsversammlung mit.

Gelebte Demokratie

„Die Verbandsversammlung hat bei ihrer letzten Sitzung beschlossen, dass wir ab heute Willi-Fährmann-Gesamtschule heißen“, erklärte Pieper gegenüber den Schülern und Lehrern. „Wir haben verschiedene Vorschläge gesammelt. Ihr habt Vorschläge gemacht, Kolleginnen und Kollegen haben Vorschläge gemacht. Und ihr habt darüber abgestimmt, das war sehr gut.“

Fährmann war aber nur einer von vier Vorschlägen: Adolf Buschhoff, Stephen Hawking und Siegfried waren die drei weiteren Möglichkeiten. Um die Auswahl einzugrenzen, sollten möglichst verschiedene Kriterien erfüllt sein, wie zum Beispiel der örtliche Bezug oder die Persönlichkeit.

Damit konnte Willi Fährmann schließlich besonders gut überzeugen. Denn auch nach seiner Pensionierung blieb der ehemalige Schulleiter und Schulrat dem Schulleben verbunden. Bis ins hohe Alter las er Schülern aus seinen Büchern vor und besprach mit ihnen den Inhalt.

„Er war auch aufgrund seiner Körpergröße von 1,92 Meter eine eindrucksvolle Persönlichkeit“, erklärte Lehrer Tanko Scholten schmunzelnd. Mit Schülern hat er die Vitrinen vor dem Lehrerzimmer mit zahlreichen Büchern von Fährmann ausgestattet.

Die Tochter des 2017 verstorbenen Fährmann, Ludgera Fährmann-Kochen, wohnte ebenfalls der Feierstunde bei: „Mein Vater wäre super stolz gewesen“, ist ihre Überzeugung – auch ihre in 2018 verstorbene Mutter hat die Idee der Namenspatenschaft sehr gefreut.

Die Schulgemeinschaft stellte auch das Plakat mit dem Logo vor, das derzeit noch weiterentwickelt wird. Es zeigt eine Friedenstaube mit dem Namenszug und dazu ein aufgeschlagenes Buch mit einem Becher voller Stifte. Willi Fährmann malte gerne beim Signieren seiner Bücher ein Tier dazu. Hängen soll das Plakat bald im Eingangsbereich der Schule.

Willi Fährmann
Willi Fährmann wurde am 18. Dezember 1929 in Duisburg geboren. Nach einer Maurerlehrer studierte er Pädagogik, arbeitete ab 1953 als Lehrer in Duisburg und kam 1963 als Schulleiter der Hauptschule nach Xanten. 1972 wurde er Schulrat. Weit bekannt über die Region hinaus wurde er als Deutscher Kinder- und Jugendbuchautor. „Das Jahr der Wölfe“ erschien 1962, „Es geschah imNachbarhaus“ 1968, „Kristina, vergiss nicht“ 1974, „Der lange Weg des Lukas B.“ 1980 – um nur einige zu nennen. Seine Werke wurden in über 80 Sprachen übersetzt.
Er erhielt viele Auszeichnungen und Ehrungen, unter anderem 1983 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und 2011 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Xanten ehrte ihn als Ersten Nibelungenring-Träger.
Bereits fünf Schulen in NRW wurden zuvor nach ihm benannt.
Am 25. Mai 2017 verstarb er in Xanten.