ArToll-Winteratelier

Wer sagt denn, dass Kunst immer Spaß macht? Vor allem für Macher ist, was sich am Ende scheinbarleicht an Wänden und auf Plätzen tummelt, harte Arbeit. Da wünschte man sich, wenn die Welt sich sperrt oder der eigene Kopf – ab und an zumindest – eine Selbstbeweihräucherungsmaschine.

Winter-Atelier

Gibt‘s nicht? Doch! Wer‘s sehen möchte, sollte am kommenden Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr den Weg ins ArToll Kunstlabor (Zur Mulde 10, Bedburg-Hau) finden.
Dort nämlich stellen die Teilnehmer des ArToll-Winterateliers auf zwei Etagen Arbeitsergebnisse aus. Und wer weiß: Vielleicht kann sich ja auch das Publikum tröpfchenweise von der Selbstbeweihräucherungsmaschine beschallen lassen: Wer würde nicht gern Applaus einheimsen. Die vorgelagerte Musik dürfte nicht jedermans Sache sein, aber: Wer‘s schaffen will, muss leiden.

Überwiegend weiblich

Good news first: Gruppenausstellungen sind vielseitig. Es findet sich ein Hafen für jedes Schiff – sprich: Der Weg lohnt sich. Bad news? Eigentlich gibt‘s keine, außer: Bei 15 Teilnehmern wird das Schreiben zum Problem. Und noch was: 13 Teilmehmerinnen sind dabei und nur zwei Teilnehmer. Tobias Herrmann ist einer der beiden. Es sei schon komisch, sagt er, dass an den Hochschulen die überwiegende Zahl der Studierenden weiblich sei, in den Museen anschließend aber vornehmlich die Herren ausgestellt werden. In der Tat: Man müsste es mal nachprüfen.
Das Winteratelier ist ein Weltschauplatz. Und damit das gleich klargestellt ist: Die Welt beginnt in der Umgebung. Alles geht vom Kleinen aus. Alles ist in der Nähe. Dabei sind: Martje Verhoeven, Dini Thomsen , Bouwine Slager, Ria Roerdink, Birgit Pardun, Sigrid Neuwinger, Anja Middelkoop, Gudrun Kleffe, Tobias Herrmann, Rezie Hendriks, Sigurt Gottwein, Lineke Hansma-Imthorn, Hannie van Dalen, Monique Cornelissen, Hinke Bruinsma, Rita Beckmann.
Ab und zu muss man das Alphabet auch mal umdrehen, damit hinten vorne ist.
Kraniche

Kraniche et cetera

Zurück zur Ausstellung: Vieles bleibt im Kopf – Hinke Bruinsmas 1.000 Kraniche, die in einem kleinen Raum an Nylonfäden von der Decke schweben und jeden noch so zarten Windhauch mit Bewegung beantworten (der Atem der Welt) oder die phantastischen Inseln von Rezie Hendriks, aber das Drama ist: Das Eine beschreiben bedeutet immer auch den Verzicht auf das Andere.

Goed gedaan

Mancher Text kann nur Empfehlung zur Inmarschsetzung sein. Beim Kunstlabor gilt eigentlich immer: Der Weg lohnt sich.
Ein bisschen Melancholie macht sich breit, denn „es könnte ja sein, dass das hier das letzte Winteratelier ist“, sagt Rita Beckmann und spielt auf den Verkauf des Nordteils der LVR Klinik an. „Wir wissen alle nicht, wie es wird und was die künftigen Besitzer vorhaben.“
Melancholie in Bezug auf die Ausstellung und ihre Inhalte? Nein. Entwarnung, denn Selbstmitleidskunst ist schwer zu gucken.
Was soll man schreiben? Die Selbstbeweihräucherungsmaschine spendet Musik, Applaus und Buchstaben: „Das habe ich gut gemacht. Dat heb ik goed gedaan“, „sagt“ sie und wer am Sonntag zur Ausstellung kommt, kann sich sagen: Dat heb ik goed dedaan.

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