Klüger gegen Betrüger
Freuen sich über die neue Broschüre: (v.l.n.r.) Mario Wellmanns, Abteilungsleiter Medialer Vertrieb, Giovanni Malaponti, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse am Niederrhein und Rüdiger Kunst, Abteilungsleiter Polizei der Kreispolizeibehörde Wesel. Foto: Sparkasse

Kreis Wesel. Das Telefon klingelt. Eine 89-jährige Frau nimmt ab. Sie hört nicht mehr ganz so gut, erkennt aber, dass an der anderen Seite der Leitung jemand dran ist, der „Hallo Oma“ sagt. Das kann ja nur ihr Enkel Dominik sein. Also begrüßt sie ihren vermeintlichen Enkel mit „Hallo Dominik, bist du es?“, der fortan sogar den Namen des Enkels weiß. Die Vertrauensbasis ist aufgebaut.

Was danach geschieht, hat nichts mit Dummheit zu tun, sondern eher mit Gutgläubigkeit seitens der Opfer und Dreistigkeit aufseiten der Täter. Der vermeintliche Enkel berichtet von einem Autoschaden, aufgrund dessen er schnellstens 12.000 Euro benötigt. Die ältere Frau fühlt sich geschmeichelt, dass der Enkel sich ihr in dieser Misslage anvertraut. Natürlich möchte sie ihm das Geld geben. Selber vorbeikommen könne er allerdings nicht, er müsse beim Auto bleiben. Dafür schicke er aber einen guten Freund vorbei, der das Geld abhole. Jetzt gleich. Die 89-Jährige stimmt zu und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Dass, was hier mitunter wie eine abstrakte Geschichte klingt, ist die Realität und ein Grund, warum die Sparkasse am Niederrhein und die Polizei Wesel die Broschüre „Klüger gegen Betrüger“ herausgebracht haben. Der geschilderte Fall sei in der Tat so passiert, erklärt Rüdiger Kunst, Abteilungsleiter Polizei der Kreispolizeibehörde Wesel: „Jeden Tag werden etliche Straftaten gegenüber älteren Mitbürger ausgeübt“, so Kunst. Während die Zahl im Jahr 2017 noch bei 300 registrierten Fällen lag, waren es 2018 schon 1.000 und im Jahr 2019 sogar 1.500: „Und das sind nur die bekannten Fälle – die Dunkelziffer ist einiges höher“, so Kunst.

Übergabe von Summen im vier- oder fünfstelligen Bereich

Nicht selten werden Beträge im vier- oder fünfstelligen Bereich übergeben. 2018 gab es sogar einen Fall, in dem ein sechsstelliger Betrag an einen Fremden übergeben wurde. An diesen Fall kann sich auch Giovanni Malaponti, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse am Niederrhein, gut erinnern: „Damals wurde dem Opfer gesagt, dass das Geld auf der Bank nicht mehr sicher sei“, so Malaponti. Natürlich seien die Mitarbeiter der Sparkasse auf solche Themen sensibilisiert und fragen beim Abheben von größeren Summen auch mal nach dem Verwendungszweck, aber nicht selten laute die Antwort: „Das geht Sie nichts an!“.

Aber auch auf andere Art und Weise schaffen es Verbrecher, an Geld und Schmuck zu gelangen: „Leider geben sich immer mehr Verbrecher auch als Polizisten aus“, erklärt Rüdiger Kunst und fügt hinzu, „diese gehen dann in einer Wohngegend, in der eingebrochen wurde, herum und weisen die Leute daraufhin, dass sie ebenfalls auf einer Liste für mögliche Einbrüche stünden. Danach bieten sie den Opfern an, ihren Schmuck und ihr Geld mitzunehmen, um diesen zu sichern.“ Genüged Gründe, um mit der Broschüre „Klüger gegen Betrüger“ aufzuklären.

Organisierte Kriminalität

Dass, was sich in den letzten Jahren entwickelt hat, sei organisierte Kriminalität. Die Täter seien genauestens informiert darüber, dass ältere Menschen oftmals gutgläubiger und weniger argwöhnisch sind. Aber wie kommen die Täter an ihre potenziellen Opfer? „Man braucht ja nur ins Telefonbuch zu schauen und nach älteren Vornamen wie Helga oder Paul zu schauen“, verrät der Abteilungsleiter Polizei der Kreispolizeibehörde Wesel. Deswegen rät er, zu überdenken, ob ein Eintrag im Telefonbuch überhaupt nötig sei oder ob es vielleicht reiche, nur mit dem Nachnamen eingetragen zu sein.

Eine andere Verbrecher-Methode sei es, unter der Rufnummer 110 Menschen anzurufen und sich als Polizei auszugeben: „Dabei rufen wir niemals unter der 110 an“, erklärt Kunst. In diesem Fall rät er Betroffenen, sofort aufzulegen und dann selbst die 110 zu wählen.
Aber auch die Sparkasse bleibt von Betrügern nicht verschont. Mario Wellmanns, Abteilungsleiter Medialer Vertrieb, warnt eindringlich vor dem sogenannten „Microsoft-Trick“: „Hierbei geben sich Anrufer als Mitarbeiter von Microsoft aus und warnen die Opfer, dass ihre PCs von Schadsoftware befallen sei und sie ihnen bei der Reinigung helfen könnten – natürlich alles über das Telefon“, so Wellmanns.

Wenn die Verbrecher dann Zugriff auf den PC haben wird es schwierig: „Wir können nichts mehr machen, wenn die Verbrecher dann die Tan-Nummern kennen“, so Malaponti und fügt hinzu, „Online Banking ist sicher, aber wenn der Faktor Mensch dazukommt, können die Sicherheitsstandards, die wir haben, ausgehebelt werden.“ In einem Fall sei es zur Eingabe von 17 verschiedenen Tan-Nummern gekommen und am Ende hatte der Verbrecher einiges erbeutet: „Zwar sind die Summen meist nicht so hoch, dafür werden dann häufiger kleine Beträge abgebucht und wenn das Geld erst mal überwiesen ist, können wir es meist auch nicht mehr zurückholen, da es meist bereits von einem Zwischenkonto abgehoben wurde“, berichtet Wellmanns.

Broschüre „Klüger gegen Betrüger“

Zu all diesen Themen hat die Sparkasse am Niederrhein gemeinsam mit der Kreispolizeibehörde Wesel nun die Informationsbroschüre „Klüger gegen Betrüger“ herausgebracht, die aufklären und sensibilisieren soll: „Erstmals ist diese Broschüre in Essen erschienen. Wir fanden die Idee so gut, dass wir sie übernommen haben“, so Malaponti. Die Broschüre liegt in allen Geschäftsstellen der Sparkasse am Niederrhein und in allen Dienststellen der Polizei im Kreis Wesel kostenlos aus, zudem kann sie auch auf der Internetseite der Sparkasse am Niederrhein heruntergeladen werden.