Trainingslager für Könige

Donnerstag, 2. Januar, 14 Uhr im Pfarrheim Frasselt. Die Könige von übermorgen treffen ein – Vorstufe zum König-Sein ist Heldentum. Rund 30 Sternsinger werden sich am Samstag (und Sonntag) allein in Frasselt auf den Weg machen und Spenden sammeln – deutschlandweit sind es alljährlich circa 300.000 – Kinder für Kinder für den Frieden. Solidarität kann nicht früh genug beginnen …

Kleiderordnung

König-Sein ist – wer wüsste das nicht – auch eine Sache der Kleiderordnung. Die Helden werden sich nicht in Zivil auf die Reise machen. Vor dem „Ankleidezimmer“ im Pfarrheim: Eine ansehnliche Schlange.
Hildegard Maas ist fürs Einkleiden zuständig. Seit 1984 ist sie im Team. „Sternsinger in Frasselt gab es natürlich schon vorher, aber ich könnte jetzt nicht sagen, seit wann genau. Ich habe angefangen, als Franz Rasokat sich um die Gruppe gekümmert hat“, blickt Maas zurück, und natürlich waren ihre drei Kinder alle auch Sternsinger. „Früher hatten wir in Frasselt zum Teil bis zu 45 Kinder, die als Sternsinger in Frasselt, Schottheide und Grafwegen unterwegs waren“, erinnert sich Maas. Zehn Bezirke müssen „bestückt werden“.

Caspar, Melchior Balthasar

Wer sich ein bisschen auskennt weiß, dass ein Team aus drei Königen (Caspar, Melchior und Balthasar) besteht: Um also zehn Bezirke mit „königlichem Personal“ zu versorgen, werden mindestens 30 Helden gebraucht. Und auch das sei gleich gesagt: Natürlich sind auch Königinnen am Start.

Anprobe für einen künftigen König.

Krone oder Turban?

Nach der Klamottenausgabe bei Hildegard Maas (eine der Kernfragen: Krone oder Turban?) geht es für die Sternsinger in den „großen Sendesaal“ des Pfarrheims, wo dann mit Barbara Meurs geprobt wird. Im Idealfall wird gesungen, wenn die Sternsinger unterwegs sind. Ach ja – zur „Teamausrüstung“ gehört immer auch ein Stern, denn der Überlieferung nach folgten die Könige aus dem Morgenland einem hellen Stern, der sie zur Krippe führte. Daher stammt auch der Name „Sternsinger“.

Gefühlt 40 Jahre

Auch Barbara Meurs gehört zu den Altgedienten im Frasselter Sternsingerbetreuungsteam. „Gefühlt bin ich seit 40 Jahren dabei“, sagt Meurs.
Nach der Probe, die circa 20 Minuten dauert, haben die Kinder Gelegenheit, sich einen kurzen Film anzuschauen. „In einem Sternsinger-Projekt lernt Willi, wie ein friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft, Kultur und Religion gelingen kann. In einem Flüchtlingslager trifft der Reporter Kassem und seine Familie. Sie sind vor dem Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien geflohen und wünschen sich vor allem eines: Frieden.“ (Text von der Seite www.sternsinger.de.)

Frieden im Libanon

In diesem Jahr also steht der Libanon im Mittelpunkt. Das Motto: „Frieden im Libanon und weltweit.“ Meurs: „Im Libanon lebt derzeit rund eine Million Flüchtlinge aus Syrien. Dazu kommen circa 8.000 irakische und 450.000 palästinensische Flüchtlinge. Gemessen an einer Gesamtbevölkerung von 6,1 Millionen hat der Libanon den prozentual größten Anteil an Flüchtlingen aufgenommen.“

Serientäter

Mittlerweile sind alle Sternsinger eingekleidet. Die Probe kann beginnen. Meurs sucht nach Serientätern. „Wer war schon ein Mal mit dabei?“ Eine stattliche Anzahl Hände schnellt nach oben. „Und zwei Mal?“ … Bei „Und fünf Mal?“ wird die Luft dünn.
Nach der Probe werden alle die königlichen Gewänder mit nachhause nehmen. Manche der Gewänder stammen noch aus den Gründertagen. „Wenn es da was zu reparieren gibt, kümmert sich Wilma Peters darum und fürs Bügeln nach dem Waschen ist Hildegard Jansen zuständig“, erklärt Hildegard Maas. Auch mit im Team: Veronika van Donzel. Sie zeigt nicht ohne Stolz auf die Sammelbilanz des vergangenen Jahres: 2.073 Euro und 72 Cent. War das auch früher schon so? Hildegard Maas: „Die Ergebnisse sind in den vergangenen Jahren immer gesteigert worden“, blickt sie zurück.

Seit 1959

Derweil wird fleißig geprobt, denn schließlich soll am Wochenende nichts schief gehen, wenn sich die Helden auf den Weg machen. Man wünscht – natürlich für alle Sternsinger – viel Erfolg für die große Aktion.
Wer sich auf die Suche nach den Anfängen macht, wird im Internet fündig. Unter https://www.sternsinger.de heißt es:
„Die Aktion Dreikönigssingen ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit. Seit Beginn im Jahr 1959 haben die Sternsinger insgesamt eine Milliarde Euro gesammelt. Allein bei der Aktion 2019 kamen über 50 Millionen Euro an Spenden zusammen.“ Alljährlich findet die Aktion rund um den 6. Januar statt. An diesem Tag wird das Dreikönigsfest begangen. In Deutschland allein sind jedes Jahr circa 300.000 Sternsinger unterwegs.
An Hauswänden ist übrigens zu sehen, wen die Sternsinger besucht haben. „C+M+B – Christus mansionem benedicat“ ist dann – mit Kreide geschrieben – zu lesen: Caspar + Melchior + Balthasar – Christus segne dieses Haus.

Das Sternsinger Hilfswerk