Amnesty-International
Gemeinsam wollen sie etwas bewegen: Der Pädagogik-Leistungskurs (Q1) und der Sozialwissenschaften-Zusatzkurs (Q1) mit ihren Lehrern Stefan van Wickern, Katharina Dey und Anna Baus. NN-Foto: Thomas Langer

GELDERN. Rund 600 Briefe sind im Friedrich Spee-Gymnasium zusammengekommen. Damit beteiligt es sich an der Aktion „Schreib für Freiheit“ von Amnesty International. In dem Briefmarathon schreiben die Schüler an Regierungen, um gegen herrschendes Unrecht vorzugehen und unterdrückten Menschen zu helfen. Es ist die weltweit größte Amnesty-Kampagne.

Dass der dadurch aufgebaute Druck hilft, zeigt das Beispiel der in Myanmar verhafteten Aktivistin Phyoe Phyoe Aung. Sie hatte friedliche Studentenproteste mit­organisiert. Mehr als 394.000 Unterstützer des Briefmarathons rund um die Welt haben durch Briefe, Mails, Tweets und anderen Nachrichten 2016 ihre Freilassung erwirkt. Daran beteiligt war auch das Friedrich Spee-Gymnasium.

Den Anstoß für die Beteiligung der Schule hatte vor drei Jahren eine Schülerin von Lehrer Stefan van Wickern gegeben, der daraufhin mit seinem Kurs an der Briefaktion teilnahm. Letztes Jahr nahm dann die Schule als solche mit mehr Klassen teil, in diesem Jahr waren es dann noch mehr.

Zu den circa 160 teilnehmenden Schülern gehören auch Fünftklässler. Die Aktion ist dabei an thematisch passenden Unterricht gebunden. „Wir haben es in den meisten Fällen im Fach Politik gemacht“, sagt Lehrerin Katharina Dey. Van Wickern ist dieses Jahr mit seinem Sozialwissenschaften-Zusatzkurs der Q1 dabei.

Für die Schüler besteht die Möglichkeit, vorgefertigte Briefe zu unterschreiben, was vor allem die jüngeren Kinder in Anspruch nehmen. Aber besonders in der Oberstufe schreiben die angehenden Abiturienten selbst in einer Doppelstunde ihre Briefe zu einem oder mehreren von acht Fällen, die sie sich selbst aussuchen. Eine Unterrichtsstunde vorher werden jene vorgestellt und besprochen sowie grundlegendes Wissen für den Kontext vermittelt oder aufgefrischt. „Ich habe zum Beispiel die Menschenrechte besprochen. Die Schüler fanden es sehr spannend zu sehen, wie es in anderen Teilen der Welt zugeht“, erzählt Dey.

Persönliche Schicksale

Silas Werner aus dem Zusatzkurs Sozialwissenschaften macht zum zweiten Mal bei der Aktion mit. Der 17-Jährige hat sich für den Fall von Sarah Mardini und Seán Binder aus Griechenland entschieden. Den Mitarbeitern einer Hilfsorganisation drohen bis zu 25 Jahre Haft. Sie hielten vor ihrer Festnahme 2018 nach Booten in Seenot Ausschau. Behörden werfen ihnen Spionage, Schlepperei und Mitgliedschaft in einem kriminellen Netzwerk vor. „Leben retten ist kein Verbrechen“, titelt der Flyer von Amnesty. „Der Titel hat mich angesprochen“, sagt Werner. „Griechenland ist schon nahe und ich finde es toll, wenn man sich für Menschen einsetzen kann.“

Die 17-jährige Carolin Gores hat gleich zwei Briefe geschrieben. Einmal zum Fall von Yiliyasijiang Reheman aus China. Der Student wurde 2017 in Ägypten festgenommen und wird seitdem vermisst. Er gehört zur muslimischen Minderheit der Uiguren. „Ich wusste schon vorher ein wenig über das Thema. Es erinnert an die deutsche Geschichte, also die Judenverfolgung. Menschen verschwinden, kommen nicht mehr wieder und es lange gelangt es nicht an die Öffentlichkeit“, erzählt Gores.

Ihr anderer Brief betrifft den Fall von Yasaman Aryani aus dem Iran. Sie protestierte gegen den Kopftuchzwang und wurde zusammen mit ihrer Mutter zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. „Ich finde es gut, von einzelnen Personen zu hören und auch davon, wie es Familien ergeht. Einzelschicksale bewegen einen dann doch mehr, als wenn man nur von bestimmten Gruppen hört.“ Die anderen Fälle hat sie allerdings auch gelesen und unterschrieben. „Ich finde es wichtig, dass man sich damit beschäftigt und nicht einfach blind unterschreibt“, erklärt sie. „Und es ist gut, wenn man eine Möglichkeit hat, an Regierungen zu schreiben.“

Nächstes Jahr will das Gymnasium erneut mitmachen und sich mit unterdrückten Menschen solidarisieren. Ganz nach ihrem Siegel: „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.