Die Bestattungskultur Deutschlands im Wandel

Manche Dinge ändern sich, andere nicht – das gilt auch für Begräbnisse

NIEDERRHEIN. Der Tod eines geliebten Menschen ist für die Angehörigen nicht nur ein schwerer Schlag, die Bestattung ist ebenfalls eine komplexe Angelegenheit. Allerdings hat sich die Bestattungskultur im Laufe der Jahre weiterentwickelt und verändert, wenn auch nicht in allen Belangen.

Vor allem die Bestattungsmöglichkeiten sind vielseitiger geworden. Die Erdbestattungen im Sarg sind aber auch heute noch ein großer Bestandteil der Bestattungskultur Deutschlands.

Über eine Veränderung weiß Jan Kempkes von Bestattungen Kempkes in Xanten nur zu gut Bescheid: „Die Anzahl der Urnenbeisetzungen ist deutlich gestiegen“, erklärt er. Im Falle Xantens kamen Anfang des Jahres Stelen für die Urnen als zusätzliche Beisetzungsmöglichkeiten hinzu. „Sie sind in Xanten so gut wie belegt“, verrät er. Die Stadt Xanten hat allerdings vor, das Stelenangebot zu erweitern. Vorher waren hier für die Urnen nur Erdbeisetzungen möglich.

Die Beliebtheit der Feuerbestattungen beziehungsweise der Urnen liegt nicht zuletzt an einer anderen Veränderung: Viele ältere Menschen wollen ihren Angehörigen nicht zur Last fallen, weshalb ihre Wahl häufiger auf die Urnengräber fällt, die weniger pflegeintensiv sind. Besonders dann, wenn ihre Kinder und Enkel in anderen Städten leben.

Die Möglichkeiten für Urnenbeisetzungen sind im Laufe der Zeit vielfältiger geworden. Eine davon ist die Friedwaldbestattung, wie sie nun in Goch möglich ist.

Hier können die biologisch abbaubaren Urnen im Wurzelbereich der Bäume unter die Erde gebracht werden, mit Namenstafeln für alle Bäume. Möglich sind Familien- oder Gemeinschaftsbäume. Die Anzahl der Plätze richtet sich nach den natürlichen Gegebenheiten.

Andere, wenn auch seltenere Beisetzungsmöglichkeiten sind Streuwiesen, wie jene in Kalkar, oder Seebestattungen mit speziellen Seeurnen.

Mit der wachsenden Urnenzahl sinkt auch der Platz für Blumen und Kränze im Vergleich zur Sargbestattung. Unter anderem dieser Umstand sorgt für mehr Spendenwünsche der Verstorbenen und Angehörigen: Anstelle von Blumen wird darum gebeten, mit dem Geld eine gute und nützliche Sache zu unterstützen.

Fokus auf Individualität

Heute liegt verstärkt Augenmerk auf der Individualisierung – zum Beispiel der Trauerfeiern. Das kann eigene Liedwünsche oder Bilder der Verstorbenen bei der Feier oder auf Grabsteinen betreffen, um ein paar Beispiele zu nennen. Kempkes selbst betont diesen Umstand: „Man sollte es persönlich gestalten und nicht, weil jeder es so macht. Es gibt viele Möglichkeiten und Varianten. Für jeden Wunsch gibt es eine Lösung.“

Ein Beispiel für eine individuelle Gestaltung, an das Kempkes sich gut erinnert: Bei einer Bestattung nahmen der Reihe nach alle Anwesenden einen Wunschstein in die Hände, die dann still einen Wunsch oder offen ein paar Worte sagen konnten. Anschließend wurde der Stein an die Urne angebracht und mit ihr beigesetzt.

Ein wenig verändert hat sich auch die Situation bezüglich der Redner. Der größte Teil der Verstorbenen wird von den Kirchen beerdigt. Neben den Geistlichen sprechen aber mittlerweile immer wieder auch freie Redner. Die Motivation und Wünsche der Verstorbenen und Angehörigen stehen bei dieser Wahl im Vordergrund. In beiden Fällen können die Reden persönlich auf den Verstorbenen zugeschnitten sein. Oder klassisch religiös gestaltet werden – vieles ist möglich.

Eine Sache ist allerdings unverändert geblieben: Das Beisammensein und der gemeinsame Abschied. Egal ob bei der Trauerfeier, der Beisetzung, beim Kaffee oder beim Restaurantbesuch.