Die Vertreter aller Kooperationspartner bei der Vertragsunterzeichnung. NN-Foto: SP

KREIS KLEVE. Die Wissenschaft und die Praxis noch intensiver miteinander zu verbinden ist das Ziel einer Kooperation zwischen der Hochschule Rhein-Waal, der Krankenkasse Barmer, des St.-Clemens-Hospital in Geldern, der pro homine Krankenhäuser und Senioreneinrichtungen in Wesel, Emmerich und Rees sowie des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums in Kleve, Kevelaer, Goch und Kalkar. Das Programm „Experience in Healthcare“ bildet die Grundlage der Kooperation, die zunächst vertraglich für ein Jahr vereinbart ist. Sollte kein Vertragspartner austreten, verlängert sich dieser Vertrag jedoch automatisch um ein weiteres Jahr.

Die Vertragspartner streben ohnehin eine langfristige Kooperation an. „Wir wollen Fachkräfte an unsere Region binden, damit sie auch in Zukunft bei uns bleiben, denn wir brauchen sie“, sagt Holger Hagemann, Geschäftsführer des Katholischen Karl-Leisner Klinikums. Mit Hilfe von intensiven Praktika, welche die Studierenden bei den größten Arbeitgebern der regionalen Gesundheitswirtschaft absolvieren können, soll dies gelingen. „Gerade das Gesundheitswesen braucht in Zeiten der Digitalisierung und des Fachkräftemangels qualifizierten Nachwuchs“, bekräftigt Carsten Meteling, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Kleve.

Für die Studierenden habe die Kooperation zudem den Vorteil, dass sie schon sehr früh in die Arbeitswelt schnuppern dürfen. „Im sechsten Semester des Bachelor-Studiums ist bereits ein Praxissemester im Curriculum vorgesehen. Mit der Kooperation sollen interessierte Studenten nun bereits im zweiten Semester angesprochen werden, um in Unternehmen hineinschnuppern zu können. Sie sollen sehen, was es bedeutet, in der Praxis zu arbeiten“, sagt Dr. Oliver Locker-Grütjen, Präsident der Hochschule Rhein-Waal.

Exkursionen und Vortragsabende

Die Partnerunternehmen ermöglichen den teilnehmenden Studierenden, die sich für „Experience in Healthcare“ bewerben können, praxisnahe Einblicke in Form von regelmäßigen Exkursionen und Vortragsabenden. Die Studierenden erstellen im vierten Semester zudem eine praxisbezogene Projektarbeit und können im sechsten Semester bei einem der Partnerunternehmen das Praxissemester absolvieren. „Für die Studierenden bietet sich auf diese Weise eine hervorragende Gelegenheit, die vielfältigen Tätigkeitsfelder in der Gesundheitsbranche und damit die Optionen für ihre berufliche Perspektive kennenzulernen. Gleichzeitig können sie die Bedeutung und die Grenzen ihrer wissenschaftlichen Ausbildung im Berufsleben in Erfahrung bringen“, fasst Locker-Grütjen zusammen.

Für die Hochschule bestehe zudem die Möglichkeit, das eigene Angebot zu überprüfen. „Wir wollen ja praxisorientiert sein. An dieser Stelle können wir schauen, ob wir mit unserem Wissenstransfer in die richtige Richtung gehen oder ob wir noch praxisnaher ausbilden müssen“, sagt Locker-Grütjen.

Die Partnerunternehmen wollen den Studierenden nicht nur einen Einblick in ihre vielseitigen Berufsfelder und den Berufsalltag geben, sondern sie auch in die Unternehmen integrieren. „Wir möchten mit ihnen neue Ideen für das digitale Gesundheitsmanagement entwickeln“, sagt Meteling. Außerdem sollen Studenten ermitteln können, in welchen Bereichen sie arbeiten möchten. „Wir wollen sie in kein Korsett zwängen, sondern ihnen die Gelegenheit geben herauszufinden, wo sie sich sehen“, sagt Hagemann vom Katholischen Karl-Leisner-Klinikum. Denn das Angebot an unterschiedlichen Berufen im Gesundheitssektor sei groß.

Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis

Wie wichtig ein hoher Praxisbezug ist, weiß auch Christoph Weß, kaufmännischer Direktor des St.-Clemens-Hospitals. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Viele Studierende, die in die Praxis kommen, haben die Tätigkeit dort vorher noch nie gesehen, Deshalb ist es wichtig, ihnen schon im Studium einen Einblick zu geben und ihnen zu zeigen, wie die Praxis im Alltag aussieht.“

Initiiert wurde das Programm von Frank Schmitz, Professor für Betriebswirtschaftslehre der Fakultät Life Sciences, der auch die weitere Betreuung verantworten wird. Zunächst ist das Programm lediglich für die Bachelor-Studiengänge „Bio Science & Health“ sowie „Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene“ konzipiert. „Es ist aber denkbar, dass wir es in Zukunft auch auf die Fakultät Gesellschaft und Ökonomie ausweiten werden“, sagt Locker-Grütjen.