Taufpatin Sarah Moshövel erfüllt vor dem Düker pflichtbewusst ihre Aufgabe. NN-Foto: Theo Leie

RHEINBERG. Mit Wucht knallt die Taufpatin Sarah Mos­hövel die Sektflasche gegen den neuen Düker, der nun ihren Namen trägt. Im Anschluss folgt schon die Verlegung des Ferngasrohres, des Dükers, unter den Rhein. Der Düker ist Teil des Zeelink-Projekts, das bald mit einer Fernleitung die Erdgasversorgung der Bevölkerung sicherstellen soll.

Es ist eine massive Konstruktion, die zwischen Wallach und Ork den Rhein unterquert, um so ab 2021 Erdgas zu transportieren. 525 Meter lang und 1.050 Tonnen schwer ist das Dükerbauwerk. Dabei handelt es sich um einen Teil der Zeelink-Leitung, deren Stahlrohre mit ihrer 17 Milimeter dicken Wand zusätzlich von einem 18 Zentimeter starken Betonmantel vor Schäden und Auftrieb geschützt wird. Der Düker verläuft unterhalb der Flusssohle des Rheins. Dafür wurde eine Rinne im Flussbett geschaffen, in die der Düker mit einer Seilwinde von Voerde aus eingezogen wurde.

Die gesamte Fernleitung läuft über 216 Kilometer von Lichtenbusch an der belgisch-deutschen Grenze über St. Hubert bei Krefeld bis Legden bei Ahaus in NRW. Verbaut sind somit über 100.000 Tonnen Stahl. Zum Vergleich: Acht bis neun Tonnen pro Rohr entsprechen circa 55.000 VW Golf.

Der Düker verläuft unterhalb des Rheins zwischen Wallach und Ork. NN-Foto: Theo Leie

Ausreichende Versorgung

Zweck von Zeelink ist es, dabei zu helfen, die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Die Umstellung vom L- auf das durch den höheren Brennwert höherwertige H-Gas steht bevor. 25 Prozent des Gesamtmarktes, also sechs Millionen Endgeräte zur Beheizung, Warmwasserbereitung und zur industriellen Nutzung, werden momentan in Deutschland mit L-Gas betrieben. In den Niederlanden – unter anderem wegen Erderschütterungen in Groningen – und in Deutschland wird das Aufgebot von L-Gas bis 2030 um circa 90 Prozent sinken. Die Leitung bindet die mit L-Gas versorgten Regionen an H-Gas-Quellen an. So wird der Zugrif auf Quellen erweitert, sodass auch auf H-Gas zum Beispiel aus Norwegen oder Russ­land zurückgegriffen werden kann. So soll die Umstellung ermöglicht und alle Kunden ausreichend mit Erdgas versorgt werden.

Planungsbeginn war 2015, Baubeginn im April 2019. Im März 2021 soll die Leitung in Betrieb genommen werden. Bisher liegen die Verantwortlichen nach eigener Aussage im Zeitrahmen. Die Kosten für das Projekt fallen enorm aus: Für den Düker kommen vier Millionen, für das gesamte Projekt circa 840 Millionen Euro zusammen.

Partner in diesem Projekt sind die Open Grid Europe mit 75 Prozent Anteilen und die Thyssen­gas mit 25 Prozent. In der Projektgesellschaft Zeelink handeln sie gemeinsam. Fachliche Unterstützung aus der Region gab es für den Düker ebenso: Hülskens Wasserbau aus Wesel kümmerte sich um Beton- und Wasserbauarbeiten.

Auflagen und Kooperation

„Ich begrüße den Zweck des Bauvorhabens, die Versorgung mit der Bevölkerung mit Erdgas auch in Zukunft sicherzustellen. Wir waren aber nicht immer der Meinung darüber, wie das Projekt zu planen und umzusetzen sei. So gab es Kritik von Seiten der Bevölkerung und der Landwirtschaft entlang der Strecke“, sagt Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel. Unumstritten ist die Pipeline tatsächlich nicht: In Hünxe zum Beispiel wehrt sich eine Bürgerinitiative seit geraumer Zeit gegen das Projekt.

So waren auch eine Reihe Genehmigungen nötig, um das Projekt umsetzen. In diesem Zusammenhang ging es auch um Naturschutz. So wurde die Bauphase etwa an die Brutzeit der Bodenbrüter im Rheinvorland angepasst. Einen Ausgleich für den Bau will die Projektgesellschaft – dem Bundesnaturschutzgesetz entsprechend – mit sogenannten Ausgleichsflächen schaffen.

„Es ist ein bunter Strauß an Auflagen“, sagt Helmut Roloff, Leiter der Kommunikation Zeelink, mit einem Lachen. Doktor Jörg Bergmann, Geschäftsführer von Open Grid Europe, kennt noch andere Zeiten: „Früher wurden solche Projekte innerhalb von vier Jahren gebaut.“ Dinge wie Genehmigungen und Öffentlichkeitsbeteiligungen tragen ihren Teil dazu bei, dass, wie in diesem Fall, Projekte mittlerweile sechs Jahre andauern können. So wünscht sich Bergmann, dass die Politk Rahmenbedingungen schaffe, damit sich die Prozesse beschleunigen ließen und die Energiewende schneller geschehe. „Die Energiewende funktioniert nicht ohne Gas“, sagt er. Dabei verweist er auf die nötige Versorgungssicherheit für die Bevölkerung.