Gemeinsam mit ihren drei jüngeren Geschwistern zeigt Male Kirking der Krankheit die Stirn. Foto: privat

GELDERN. „Male ist ein totales Energiebündel. Früher hat sie immer gesungen und getanzt – selbst beim Bügeln“, berichtet die Mutter von Male, Fee Kirking, lachend. Heute sitzt die 26-Jährige im Rollstuhl und ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Das Sprechen fällt ihr schwer, laufen geht nur mit Hilfe und ihre Arme und ihr Kopf zittern. Andere würden in dieser Situation vielleicht in Lethargie verfallen, doch die kämpferische Geldernerin gibt nicht auf und hat sich ein Ziel gesetzt: Mit dem Bulli nach Ibiza!

Diagnose: Brustkrebs

Angefangen hat alles im April letzten Jahres. Damals hat die selbstständige Fotografin bemerkt, dass ihre Lymphknoten geschwollen sind, und ist deshalb zum Arzt gegangen: „Zum Glück“, wie Male heute weiß. Ihr Frauenarzt hat sie genauer untersucht und festgestellt, dass sie Brustkrebs hat: „Das war ein totaler Schock“, berichtet die Geldernerin. Erklären konnten sich die Ärzte jedoch nicht, warum Kirking an Schwindel leidet und Doppelbilder sieht: „Damals stand erst die Vermutung im Raum, dass sie auch noch einen Tumor im Kopf haben könnte“, erinnert sich Fee Kirking. Das MRT blieb jedoch ohne Befund. Zeitgleich zu der Spurensuche wurde Kirkings Therapieplan erstellt und kurz darauf startete bereits die erste Chemotherapie. Was die Ursache des Schwindels und der Doppelbilder betraf, tappten die Kirkings aber noch immer im Dunkeln. Erst der Hausarzt der jungen Gel­dernerin brachte dann Licht ins Dunkle: „Du hast das Paraneoplastische Syndrom“, lautete die Diagnose, die mittels einer Lumbalpunktion bei der Gehirnwasser entnommen wurde, bestätigt wurde.

Zweite Diagnose: Paraneoplastisches Syndrom

„Para, was?“, lautete nicht nur Males Frage, sondern auch die vieler anderer Ärzte, da dieses Syndrom noch sehr unbekannt und unerforscht ist. Das Paraneoplastische Syndrom (PNS) tritt in Zusammenhang mit Tumorerkrankungen auf. Bei dem PNS wird das eigene Kleinhirn auch als Tumor angesehen und ebenfalls angegriffen und bekämpft: „Ab dem Zeitpunkt hatte man wenigstens einen Namen für das, was Male quälte“, berichtet Fee Kirking. Darauf folgte ein wahrer Krankenhausmarathon. Wenn Male nicht in einem Krankenhaus für die Chemotherapie lag, lag sie im anderen Krankenhaus, um sich Untersuchungen und Tests von Neurologen zu unterziehen. Im August wurde ihr der Tumor komplett entfernt: „Es war toll zu wissen, dass der Tumor weg war“, berichtet Male Kirking.
Eine zweite Chemotherapie folgte danach, um gegen das Syndrom anzukämpfen, denn für das PNS gibt es keine Therapie und keine Medikamente.

Seit Juni dieses Jahres ist der Krebs bekämpft, doch Male Kirkings Alltag besteht weiterhin aus Logopädie, Physio- und Ergotherapie und viel schwimmen gehen. So versucht sie die Auswirkungen, die das PNS hinterlassen hat, zu bekämpfen. Das Sprechen fällt der 26-Jährigen sichtlich schwer und sie ist dankbar, dass ihre Mutter neben ihr sitzt und sie unterstützt: „Die Spannung in ihrem Körper ist nicht da, deswegen ist ihre Sprache sehr dumpf und langsam“, erklärt Fee Kirking. Für Male Kirking ist das nicht einfach zu akzeptieren, schließlich kann sie jedes Gespräch verstehen: „Die Sprachschwierigkeiten haben nichts mit ihrem Intellekt zu tun“, erklärt Fee Kirking. Eine wirkliche Prognose, wie sich die Sprache und auch das Laufen weiter entwickeln werden, können die Ärzte nicht treffen: „Dafür ist die Krankheit noch viel zu wenig erforscht“, erklärt Male Kirking.

Mit einem Bulli auf Fototour nach Ibiza

Genau dagegen möchte die Geldernerin jetzt aber etwas tun. Sie plant eine sechswöchige Bullitour mit einer befreundeten Fotografin nach Ibiza, um daraus eine Dokumentation über ihr Leben mit der Krankheit zu erstellen. Um sich diesen Traum zu erfüllen, benötigt die Fotografin jedoch finanzielle Unterstützung, da sie momentan krankheitsbedingt nicht selber arbeiten gehen kann. Für diesen Zweck hat sie ein Fundraising gestartet. Hierbei können Privatpersonen ganz unkompliziert Geld für Males Traum von Ibiza unter dem Link gofundme.com//mit-pns-nach-ibiza spenden.

Mit dieser Aktion hat Kirking auch endlich wieder ein Ziel, auf das sie hinarbeiten kann, denn ihren normalen Alltag, wie sie ihn früher als selbstständige Fotografin kannte, kann sie schon lange nicht mehr ausüben: „Eigentlich mache ich sehr gerne Fotos“, berichtet die Geldernerin und zuckt mit den Schultern, „aber wenn man keine Kamera festhalten kann …“ Doch da entgegnet Fee Kirking ihrer Tochter direkt: „Das wirst du aber bald wieder können.“ Und insgeheim hofft mit Sicherheit auch Male Kirking, dass sie auf ihrer gro­ßen Bullitour das eine oder andere Foto selbst machen kann, denn schließlich ist sie eine Kämpfernatur.

Der Anfang ist schon gemacht: Vor Kurzem war die 26-Jährige gemeinsam mit ihren drei Geschwistern bei einem Open-Air-Konzert. Im Rollstuhl. Trotz der Blicke der anderen Besucher. Aber mit viel liebevoller Unterstützung – und manchmal ist das schon die größte Motivation überhaupt.