Neuer Pächter für „Onder de Poort“ in Emmerich

Die Kultkneipe an der Rheinpromenade lebt weiter - doch es gibt noch weitere "Baustellen"

Der Neue auf der Rheinpromenade: Thorsten Schulte-Werflinghoff (li.) hat das „Onder de Poort“ übernommen. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

EMMERICH.Sie ist das Aushängeschild Emmerichs: die Rheinpromenade mit ihren zahlreichen gastronomischen Angeboten. Umso schmerzhafter für diesen „Magneten“, wie es Wirtschaftsförderin Sara Kreipe nennt, ist ein Leerstand. Zumindest die Gaststätte „Onder de Poort“ betreffend, kann hier Entwarnung gegeben werden: Ein neuer Pächter ist gefunden, die mehr als 600 Jahre alte Kultkneipe bleibt Emmerich erhalten.

Anfang des Jahres hatten sich Marcel Meisters und seine ehemalige Lebensgefährtin Manuela Pertz nach sechs Jahre entschlossen, „Onder de Poort“ abzugeben und einen Nachfolger zu suchen. „Zwischen Januar und August haben sich fast 100 Bewerber gemeldet“, erzählt Meisters. Er und Pertz hatten für die Wahl eines Nachfolgers drei Kriterien formuliert: „Wir wollten wieder einen deutschen Pächter, um die Kneipe weiterhin ‚heimatnah‘ zu halten; sie sollte ein ‚Ein Glas Bier‘-Geschäft bleiben. Dann sollte der Charakter als Darts-, Fußball- und Knobelkneipe erhalten bleiben.“ Und drittens sollte das bisherige Personal, zwölf Teilzeit- und Aushilfskräfte, übernommen werden.

„Bringen die perfekten Voraussetzungen mit“

Nach vielen, teils anstrengenden Gesprächen mit anderen Bewerbern ist nun mit Thorsten Schulte-Werflinghoff ein Nachfolger gefunden – zum 1. September erfolgte die offizielle Übergabe. Schulte-Werflinghoff und seine Freundin Katrin Siedeberg bringen laut Meisters „die perfekten Voraussetzungen“ mit: Erfahrung in der Gastronomie – Siedeberg führt bereits in Kalkar die „Alt-Kalkar-Sportsbar“ – und in der Buchhaltung; Schulte-Werflinghoff ist Finanzbuchhalter. „Das Führen der Bücher wird auch in einer Kneipe immer komplizierter“, weiß Meisters.

Er sieht das „Onder de Poort“ nun in guten Händen: Schon im ersten Gespräch konnte man merken, dass es passt. Thorsten wollte die Kneipe einfach haben, ohne groß zu verhandeln.“

Schulte-Werflinghoff bestätigt, dass er von Beginn an ein sehr gutes Gefühl gehabt habe. „Die Lage an der Rheinpromenade ist einfach großartig, das Ambiente ist stimmig, die Größe der Gaststätte passt – nicht zu groß, nicht zu klein.“ Das bisherige Konzept sei stimmig gewesen, ein Blick in die Bücher habe diesen Eindruck untermauert: „Man konnte aber auch sehen, dass es noch Steigerungspotenzial gibt.“

Ambitionen für zweites Standbein

Die Ambitionen, eine zweite Gastronomie zu übernehmen, habe es schon länger gegeben. „Katrin und ich wollten uns ein zweites Standbein zulegen“, sagt Schulte-Werflinghoff und betont: „Die Sportsbar in Alt-Kalkar bleibt, sie wird definitiv weiterlaufen.“ Siedeberg werde sie weiterführen, er selbst werde sich schwerpunktmäßig um das „Onder de Poort“ kümmern. „Natürlich werden wir Hand in Hand arbeiten, gegebenenfalls wird es auch einen Austausch zwischen Kalkar und Emmerich geben, beispielsweise im personellen Bereich“, erläutert Schulte-Werflinghoff.

Dank des eingespielten Personalteams erwartet der neue Pächter, dass „vieles von allein läuft. Anfangs werde ich aber viel in Emmerich präsent sein.“ In den ersten Tagen als neuer Pächter hat er bereits einen treuen Stammkundenkreis kennengelernt. Angedacht sei nun, die Öffnungszeiten dahingehend zu ändern, dass es wieder ein Speisenangebot geben wird, wie Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen. Das bedeutet, über kurz oder lang wird „Onder de Poort“ unter der Woche wieder ab 10 Uhr öffnen. „Ob wir den Montag als Ruhetag auf Dauer beibehalten, müssen wir abwarten.“

Fest steht für ihn bereits, dass das Konzept der Fußball- und Sportkneipe bleibt. „Viele Fanclubs und auch Knobelgruppen kommen hierher.“ Intensivieren will Schulte-Werflinghoff die Abende mit Live-Musik, wenn kein Live-Sport übertragen wird. „Andere mögliche Veränderungen werden sich mit der Zeit ergeben.“

Einstiges „Kaffeeklatsch“ abreißen und neu bauen

Das Gebäude des ehemaligen Cafés „Kaffeeklatsch“ (re. o.) soll abgerissen werden, doch es gibt baurechtliche Probleme.
NN-Foto: MB

Zurück zur Rheinpromenade, zurück zum „Leerstand“. Den gibt es seit einiger Zeit im einstigen Café „Kaffeeklatsch“. Der Eigentümer will das Gebäude abreißen und neu bauen, der entsprechende Bauantrag ist bei der Stadt eingereicht. Die Genehmigung steht aber noch aus. „Für das Ambiente auf der Rheinpromenade wäre es natürlich schöner, wenn es wieder einer Nutzung zugeführt werden würde“, sagt Wirtschaftsförderin Kreipe.

Stadtpressesprecher Tim Terhorst erläutert: „Es gibt noch baurechtliche Fragen zu klären, die unter anderem die Bauhöhe betreffen.“ Der Ausschuss für Stadtentwicklung (ASE) will sich das Projekt noch einmal genauer ansehen und von der Verwaltung erfahren, welche baurechtlichen Bedenken sie genau hat. Ein Teil des Problems: Der Verwaltung liegen nicht alle Unterlagen vor. Wann es neue Entwicklungen gibt, hängt nun von den weiteren politischen Beratungen und den notwendigen Prüfungen ab.

Außengastronomie vor „Empanadas“ geplan

Im einstigen „Empanadas“ (re. u.) laufen die Umbauarbeiten; ein Fragezeichen gibt es beim Thema Außengastronomie.
NN-Foto: MB

Ohne gastronomische Nutzung ist derzeit auch das ehemalige „Empanadas“. Dem Vernehmen nach soll hier demnächst ein Imbissbetrieb eröffnen. Bautätigkeiten laufen auch seit einiger Zeit. Drängender aber ist die Frage einer möglichen Außengastronomie. Sara Kreipe weiß: „Die Politik möchte vor dem ‚Empanadas‘ Tische und Stühle ermöglichen. Für das Objekt ist es aber vor allem wichtig, dort einen neuen Mieter zu finden. Der Inhaber hat mit unserer Hilfe jemanden gefunden, der das Lokal mit oder ohne Außengastronomie betreiben will.“

Tatsächlich hat sich die Politik jüngst vor Ort einen Eindruck von den Gegebenheiten verschafft, nun will sich der ASE noch einmal des Themas annehmen und den Weg freimachen für Tische und Stühle an dieser Stelle. Laut Tim Terhorst sind zwei Punkte noch zu klären. „Der Eigentümer muss einen Antrag auf Sondernutzung stellen“, sagt Emmerichs Pressesprecher. Die Verwaltung wird diesen Antrag prüfen, im Anschluss muss die Bezirksregierung eine „deichaufsichtliche Genehmigung“ erteilen, da sich die Bestuhlung im Bereich des Deichverteidigungsweges befinden würde. Laut Terhorst gibt es aber bereits erste positive Signale.

Der zweite Punkte: „Der Bestuhlung steht das Gestaltungskonzept der Rheinpromenade entgegen“, erläutert Terhorst. Dieses besagt, dass der Blick von der Kaßstraße auf den Rhein nicht verstellt werden darf. Dies wäre bei einer Bestuhlung aber der Fall, da Tische und Stühle leicht seitlich versetzt zum Gebäude stehen würden – und damit in der Sichtachse. „Daher müsste der Rat des Gestaltungskonzept abändern“, sagt Terhorst. Sind diese beiden Hürden genommen, könnte zur nächsten Tourismus-Saison eine Bestuhlung möglich sein.

Übergang zur Innenstadt neu gestalten

Bleibt noch ein Punkt, den die städtische Wirtschaftsförderung und das Stadtmarketing auf dem Zettel haben: „Für die Zukunft muss der Übergang zur Innenstadt deutlicher werden“, sagt Sara Kreipe. „Mit der Stadtentwicklung werden wir die Möglichkeiten erörtern und sie gemeinsam auf den Weg bringen.“ Sie hofft, hier einen kurzfristigen Ansatz zu finden, denn: „Gerade für den Tourismus ist die Rheinpromenade sehr wichtig, sie ist einer der Magneten Emmerichs.“