Düstere Prognose: Geht in Emmerich die Musik aus?

Nachwuchssorgen: Heribert Feyen will für den Stadtverband Musik aufrütteln

Freude an der Musik – doch Heribert Feyen sorgt sich um die Zukunft der Musikvereine in Emmerich. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

EMMERICH. Ein Schützenfest ohne Spielmannszug. Ein Karnevalszug ohne Musikkapellen. Der Einzug des Schützenkönigs ohne Blasmusik. Diese Szenarien könnten in Emmerich laut Heribert Feyen in absehbarer Zeit durchaus Realität werden, denn: „Es fehlt an Nachwuchs auf allen Ebenen“, warnt der Leiter des Chores Da Capo im Verein Sing Out Kulturbrücke. Deshalb will Feyen, der sich seit mehr als 40 Jahren im Stadtverband Musik engagiert, nun aufrütteln – die Bevölkerung, die Vereine und die Politik.

Um dies zu erreichen, will er zum einen mit den eingangs erwähnten Gedankenspielen provozieren. Er möchte die Vereine aber auch dazu animieren, sich mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu bewegen. Das gilt auch für den Stadtverband selbst: „Er ist sehr unbekannt“, weiß Feyen, „dabei leistet er einen wichtigen Beitrag.“ Im Verband, gegründet 1972, sind derzeit 16 Musikvereine aus Emmerich und den Ortschaften vertreten, die er fördert und unterstützt. So koordiniert er die Veranstaltungen der Vereine und verteilt die Gelder der Stadt. Diese stellt jährlich 5.112,91 Euro zur Verfügung. „Hier sollte die Politik mal darüber nachdenken, ob dieses Geld für 16 Vereine ausreichend ist“, sagt Feyen und zieht einen Vergleich zum Bereich Sport: „Hier wird zum Beispiel in Kunstrasenplätze richtig Geld reingesteckt.“

„Aufrütteln und zum Nachdenken anregen“

Doch Feyen, ehemaliger Schulleiter in Griethausen und der Emmericher Liebfrauenschule, betont, dass er nicht um Geld betteln möchte. „Ich möchte aufrütteln und zum Nachdenken anregen.“ Die Politik sollte überlegen, ob die musikalische Bildung in Emmerich nicht eine höhere Förderung verdient hätte. „Gerade an Musik interessierte Familien mit mehreren Kindern, denen die finanziellen Möglichkeiten fehlen, benötigen eine verbesserte Unterstützung, um sich die Ausbildung leisten zu können“, sagt Feyen.

Stadtverband Musik
Aktuell umfasst der Stadtverband Musik 16 Mitgliedsvereine mit rund 400 aktiven Musikern: Blasorchester Praest, Musikverein Elten, Musikverein Hüthum, Bajazzo Big Band Emmerich, Emmericher Blasorchester, Emmericher Kammerorchester, Chorgemeinschaft „happy sound“, Singkreis Emmerich Stimmbar, Sing Out Kulturbrücke, Spielmannszug Emmerich, Tambourcorps Elten, Spielmannszug Dornick, Spielmannszug Vrasselt, Spielmannszug Praest, Salonorchester Schwarze Rose, Gospelchor Different Voices

Gleichzeitig betont er an die Eltern im Emmerich gerichtet, „die Angebote in unserer Stadt zur musikalischen Grund- und Weiterbildung reichlich zu nutzen“. Es gehe um das Wohl, aber auch um die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Das Erlernen eines Musikinstrumentes wirke sich positiv auf Geist und Disziplin aus. Feyen ist sich durchaus bewusst, dass das Engagement in einem Musikverein – gerade bei jungen Männern – heutzutage nicht mehr „in“ ist: „Die Interessen haben sich verschoben.“

Zwei Seiten der Musik in Emmerich

Noch gibt es sie in Emmerich, die vielseitigen musikalischen Angebote sowohl für interessierte Aktive als auch für Besucher. Es gibt die Konzerte im Stadttheater und den Kirchen, auf der Rheinpromenade und im Rheinpark. Es gibt die Orchester, Bands und Chöre. „Unsere Vereine tun eine ganze Menge“, sagt Feyen.

Aber es gibt auch bereits die andere Seite: Zwei Männerchöre in Emmerich und Elten haben sich nach erfolglosen Fusionsversuchen aufgelöst. Reine Jugendchöre existieren nicht mehr, nur vier Chöre bieten überhaupt noch vereinsmäßiges Singen an. In Praest musste die Orgelmusik beim Festgottesdienst bereits vom Band kommen, weil ein Organist fehlte.

Dieser Entwicklung möchte Heribert Feyen mit seinem Engagement im Auftrag des Stadtverbandes Musik entgegenwirken. Er nimmt aber auch die Vereine ein Stück weit in die Pflicht. „Es hapert noch an der Öffentlichkeitsarbeit“, weiß er. Und er gibt mit Blick auf die gemeinsamen Konzerte unter dem Dach des Stadtverbandes zu bedenken: „Dabei waren immer die Interessen der Vereine vorrangig, nicht der Stadtverband.“ Soll heißen: Nur ein größeres Miteinander aller Beteiligten kann die Entwicklung umkehren.