25 Jahre ArToll Kunstlabor

Man hat nicht mitgezählt in Sachen ArToll. Da ist nur dieses Gefühl, dass man es mit einer Art Institution zu tun hat – etwas das schon ziemlich lange existiert. Etwas, über das nicht nachgedacht werden muss. Letzteres ist selbstredend ziemlich falsch, denn über Kunst sollte immer nachgedacht werden. Kunst an sich ist eine Gedankenmachmaschine.
Das ArToll Kunstlabor – fast reibt man sich erstaunt die Augen – ist 25 Jahre alt. Klar, dass zur Jubiläumsschau geladen wird. Dergleichen kann schnell zur Falle, weil Selbstbespiegelung, werden, aber so viel sei gleich gesagt: Niemand ist in die Falle gegangen.

Der Weg lohnt sich

Was vom 31. August bis zum 22. September im Kunstlabor, Zur Mulde 10, in Bedburg-Hau zu sehen ist, lohnt den Weg. Angestaubt kommt nichts daher und auch nicht rückblicksweinerlich. Die Ausstellung im Kunstlabor ist – ganz im Gegenteil – ein Zeugnis für das, was geht. Obwohl nicht wenige der Namen gute alte Bekannte sind, zeigt die Ausstellung in großen Teilen einen frischen Blick auf Kunst und Welt und ist nicht ein Fishing-for-Compliments der Kunstwelt.

Die Künstler

Mit dabei sind: Claus van Bebber, Toon Elfrink, Regina Friedrich-Körner, Stephan Froleyks, Sigrid Neuwinger, Michael Odenwaeller, Maren Rombold, Hans Uwe Schmidt, Anja Maria Strauss, Dini Thomsen, Martje Verhoeven, Hildegard Weber und Günter Zins.

Auch Hildegard Weber hat eine beeindruckende Arbeit beigesteuert.

Die Kraft der Räume

Das Kunstlabor – das ist vor allem auch eine Räumlichkeit, die schon ohne Bespielung ein Rufzeichen darstellt. Es gibt genügend Raum, was bedeutet, dass hier auch bei Gruppenausstellungen Grenzen gezogen werden können – es geht um Abgrenzungen im besten Sinne. Alles hier ist in einem simultanen Nacheinander verwoben – es bleibt genügend Raum, sich auf das Einzelne und also die Einzelnen einzustellen, einzulassen.
Die Akteure kennen sich aus mit der Dramaturgie von Ausstellungen. Handschriften werden leserlich: Zum Beispiel Günther Zins. Er ist, was seine Formensprache angeht, Purist: Raum und Linie treten in Konkurrenz, indem sie ineinander übergehen. Man kennt Zins‘ Arbeiten aus dem öffentlichen Raum – manchmal vielleicht, ohne sie unter dem Prädikat „Zins“ gespeichert zu haben. Ganz anders gehen Künstlerinnen wie Hildegard Weber und Dini Thomsen mit der Welt um. Ihre beeindruckenden Installationen müssen bedacht werden, weil sie ins Denken eingreifen. Man spaziert nicht einfach vorbei. Die aktuelle Präsentatition stellt unterschiedlichste Positionen vor und degeneriert nicht zur simplen

Positionen

Gegenüberstellung. Wenn heutzutage in der Kunst von Positionen gesprochen wird, sollte nie vergessen werden, dass zur Wahrnehmung von Kunst nicht nur die Position des Künstler gehört sondern immer auch die eigene. Im Kunstlabor kann im wahrsten Sinne des Wortes raumübergreifend kommuniziert werden. Wer sich für die Geschichte von ArToll interessiert, findet auch verschiedene Kataloge aus den vergangenen 25 Jahren.
Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 31. August, um 15 Uhr. Für Klänge sorgt das erweiterte ArToll-Klanglabor-Ensemble, das auch am Freitag, 13. September um 19 Uhr spielen wird. Dann geht es um Musik von Stephan Froleyks.
Ein geistreiches Jubiläumsgeschenk zum Jubiläum hat Claus van Bebber mit seiner Arbeit „silbrig glitzernd“ installiert: Ein stroposkopbestrahlter Berg silberner Kissen.
„Das sind die Versandschutzverpackungen von Weinflaschen“, erklärt van Bebber. Sie seien aus den letzten 15 Jahren. Nicht jeder weiß von der Herkunft der Silberkissen, aber das Schöne an der Kunst ist, dass sie im Idealfall auch ohne Erklärungen funktioniert.

Zweidimensional? Dreidimensional? Günther Zins.

Infos zum ArToll Kunstlabor