Auf eine große Zahl von Teilnehmern hoffen die Veranstalter der Interreligiösen Friedenswallfahrt Kevelaer auch für den kommenden Sonntag.Foto: privat

KEVELAER. Weit entfernt und immer unerreichbarer wirkt der Friede in der Welt von heute. Gerade darum kommt der Interreligiösen Friedenswallfahrt in Kevelaer eine besondere Bedeutung zu. Sie findet auch 2019 statt und beginnt am Sonntag, 25. August, 16 Uhr, im Marienpark in Kevelaer.

I have a dream

Mit Dr. Rupert Neudeck, dem Mitbegründer der Interreligiösen Friedenswallfahrt, meldete sich im August 2015 ein zeitgenössischer Aktivist für Frieden und die Menschenrechte mit dem Zitat Martin Luther King´s zu Wort: „I have a dream“. „Diesen Traum haben wir noch nicht aufgegeben“, sagt Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Mitinitiatorin der Wallfahrt und Vorsitzende der Stiftung Aktion pro Humanität.
„Mehr noch: Wir wollen hier in Kevelaer weiter und immer mehr gemeinsam als abrahamitische Religionen vor allem nach Dialog, nach besserem Verständnis, nach Brücken und Gemeinsamkeiten suchen. Nicht das Trennende darstellen und betonen, sondern das, was uns allen gemeinsam ist. Wir wollen jede Art von Furcht überwinden durch das Bestärken unseres Vertrauens in einen Gott, der jeden von uns, gleich welcher Hautfarbe, welcher Religion, welchen Alters oder Geschlechtes ausgestattet hat mit dem angeborenen Impuls, der natürlichen, starken Kraft des Mitgefühls.“

Sorge um Kraft des Mitgefühls

Auf eine große Zahl von Teilnehmern hoffen die Veranstalter der Interreligiösen Friedenswallfahrt Kevelaer auch für den kommenden Sonntag.Foto: privat

Gerade um die Kraft des Mitgefühls sorgt sich Dr. Kleuren-Schryvers aktuell. „Die Seenotrettung wird kriminalisiert, die Menschenwürde mehr als in Frage gestellt. Tagelang müssen erschöpfte Flüchtlinge zu Hunderten an Bord von Rettungsschiffen dümpeln. Europa demonstriert gerade zum x-ten Mal mit dem Leben der Menschen, die wie wir ebenfalls ein Recht haben, sich frei dorthin zu bewegen, wo ihre Chancen auf Zukunft gut oder wenigstens passabel sind, wie es um die Menschlichkeit auf dem Kontinent bestellt ist.“
Die Flüchtlinge fänden keine Aufnahme, keine Allianzen für ihre Zukunft in Frieden mit einer Perspektive für ihr Leben.
„Wir geben enorm viel, um flüchtende Menschen abzuwehren. Aber wir haben offenbar wenig bis nichts dafür übrig – im Wortsinne – unser Leben, unsere Güter mit ihnen zu teilen. Maßnahmen zum Frieden in der Welt sind aus anderen Gedanken gewebt, erfordern anderes Handeln wie uns große Friedensaktivisten in der Geschichte unserer Welt zeigten. Ethnische Kämpfe, djihadistischer Terror, Wirtschaftskriege, die sich anbahnen. Aufrüstung, neues Wettrüsten, Machtgehabe allenthalben und das „we first“ sind unsere Zeit-Zeichen! Konsumgesellschaft, Spaßgesellschaft, Profit-Maximierung -.und wir beten für den Frieden?“ fragt Dr. Kleuren-Schryvers. Ja, gerade jetzt!

Zug zum Kapellenplatz

Bei der Interreligiösen Friedenswallfahrt 2019 ziehen die Teilnehmer am Sonntag, 25. August, 16 Uhr, vom Marienpark Kevelaer mit den Mitgliedern der Religionsgruppen der Juden, der Muslime und der Christen sowie mit allen Menschen guten Willens über die Hauptstraße zum Kapellenplatz. Begleitet werden sie dabei von der Musik der unterschiedlichen Religionen. Christel Neudeck und Veit Neudeck, Ehefrau und Bruder des verstorbenen Dr. Rupert Neudeck, haben ihr Kommen bereits im Vorfeld der Veranstaltung fest zugesagt.

Klagemauer

Auf dem Kapellenplatz erwartet der Familienchor der Basilikamusik die Teilnehmer zum gemeinsamen interreligiösen Singen und Beten, zum Friedensgruß, zu Friedensgedanken und zum Schreiben von Friedensbotschaften. Diese werden gegen Ende der Interreligiösen Wallfahrt für den Frieden an der Friedenslichtstele an eine große Klagemauer geheftet. Dort verbleiben sie eine Weile. Als sichtbares Zeichen, dass es den fehlenden oder sehr fragilen Frieden dieser Zeit zu beklagen gilt. „Wir dürfen nicht müde werden, immer wieder neu um Frieden zu bitten und für den Frieden aktiv zu werden. Im Gebet, im konkreten Tun“, bittet Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Der Kevelaerer Männergesangverein wird an der Friedens-lichtstele vor dem Forum Pax Christi ebenfalls gemeinsam mit allen Friedenspilgern versuchen, diesen großen interreligiösen Chor noch einmal zum Klingen zu bringen. Um 18 Uhr endet die Interreligiöse Wallfahrt für den Frieden 2019.
http://www.wallfahrtsleitung-kevelaer.de