Gute Arbeit der Ranger, doch Bürger fühlen sich ausgesperrt

Donnerstag Gründungsversammlung in Rheinberg zur Bürgerinitiative „Contra Rheinuferverbot“

RHEINBERG. Seit Mite Juni sind Ranger vom Regionalverband Ruhr (RVR) im Auftrag des Kreises Wesel unter anderem im Rheinvorland Orsoy im Einsatz (die NN berichteten) für den Natur- und Artenschutz.

Andreas Majdanuik und Jürgen Greber sind zwei der RVR-Ranger, die im Kreis Wesel unterwegs sind,, um auf Natur- und Artenschutz zu achten.
NN-Foto: Lorelies Christian

Die Ranger Ulrich Gräfer und Jürgen Grewer ziehen nach einigen Wochen folgendes Fazit: „Bisher haben wir in den Naturschutzgebieten überwiegend positive Erfahrungen mit den Menschen gemacht. Die meisten Erholungssuchenden sind dankbar für Informationen, die ihnen vorher einfach gefehlt haben, um zu verstehen, warum das widerrechtliche Betreten von Naturschutzgebieten so einen starken, negativen Einfluss auf die Flora und Fauna vor Ort hat.“ Klaus Horstmann, Leiter des Fachdienstes Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei des Kreises Wesel, ergänzt: „Leider wird das Betretungsverbot von Naturschutzgebieten in einigen Bereichen von zahlreichen Erholungssuchenden, die es bisher einfach nicht besser wussten, bereits seit Jahren miss­achtet. Durch die erheblichen Störwirkungen ist in der Natur schon ein deutlicher Artenrückgang erkennbar geworden. Daher freue ich mich umso mehr über die positiven Rückmeldungen von vielen Besucherinnen und Besuchern, aber auch Landwirten und den Deichverbänden zum Ranger-Einsatz. Sie versicherten mir, dass die Naturschutzgebiete durch die Aufklärungsarbeit der Ranger bereits viel ruhiger geworden seien.“
Andererseits gibt es Rheinberger, die dieses Verbot als „Ausgrenzung von Menschen“ sehen und dagegen energisch protestieren.
Horstmann zeigt zwar Verständnis, da Spaziergänger (vor allem mit Hund) jahrelang das Rheinvorland genutzt haben, bezieht aber klar Stellung: „Bei Stromkilometer 804,5 gibt es einen offiziellen Weg zum Rhein und am Rheinufer selbst gibt es einen Bereich, groß wie ein Fußballfeld, auf dem sich Mensch und Hund aufhalten können. Die Menschen sollen den Rhein natürlich weiterhin als Erholungsort besuchen können. Ich bitte aber um Verständnis, dass das nicht an jeder Stelle geht.“ Erklärend fügt er hinzu: „Da es sich bei den Naturschutzgebieten entlang des Rheins unter anderem um europäische Schutzgebiete (Vogelschutzgebiete und teilweise FFH-Gebiete) und damit um einen besonders schützenswerten Raum handelt, sind die Anforderungen an den Kreis Wesel und dessen Verantwortung diesbezüglich besonders hoch.“
Deichgräf Viktor Paeßens merkt hierzu an: „Grundsätzlich dient der Deich dem Hochwasserschutz. In diesem besonderen Fall ist in Zusammenarbeit mit der Stadt Rheinberg und auf Kosten der Stadt eine Asphaltdecke auf der Deichkrone aufgetragen worden. Der Deichverband hat hier bewusst die Gelegenheit der Freizeiterholung möglich gemacht, damit Besucher/ Erholungssuchende auf denen dafür vorgesehenen Wegen spazieren gehen oder Fahrrad fahren können. Natürlich dürfen hier auch Hunde an der Leine geführt werden.“ Er verweist auf Probleme durch nicht angeleinte Hunde und Vandalismus und zieht das Fazit: „Abschließend kann der Deichverband Duisburg-Xanten die Ranger für ihre gute und wichtige Aufgabe loben und befürwortet dieses Programm auch für die Zukunft.“

„In Rheinberg soll der Zugang zum Rhein nur noch auf wenigen hundert Metern ungestraft möglich sein. Dies ist eine Ausgrenzung von Menschen und kein zukunfts­orientierter Naturschutzansatz.“

Marco Hoffmann, Initiator der zu
gründenden Bürgerinitiative

 

Marco Hoffmann, Sprecher der Kritiker, hat einen Fragenkatalog zusammengestellt, den er sowohl an Bürgermeister Frank Tatzel als auch an Landrat Dr. Müller gesandt hat. Die Bürger möchten die Einschränkungen so nicht hinnehmen und hoffen auf Unterstützung durch die Stadt Rheinberg. Doch Fragen wie „Warum gibt es in einer ländlich geprägten Flächengemeinde wie Rheinberg keine Hundefreilauffläche? Warum unternimmt die Stadtverwaltung nicht den Versuch Einflussmöglichkeiten auf den Kreis Wesel zu eruieren und umzusetzen?“ ließ Tatzel unbeantwortet. In einer kurzen mail verwies er an den Kreis Wesel, der zuständig sei.
Diese mangelnde Unterstützung veranlasste die Protestler, nun eine Bürgerinitiative „Con­tra Rheinuferverbot“ zu gründen. Gründungsversammlung ist am Donnerstag, 22. August um 19 Uhr in der Gaststätte Zur Alten Apotheke, Großer Markt 12-14, in Rheinberg. Alle Bürger sind eingeladen, die Initiative „Contra Rheinuferverbot – Mein Vater Rhein“ zu untetrstützen und der Versammlung beizuwohnen.
„Mit der Gründung der Bürgerinitiative reagieren die Bürgerinnen und Bürger, die seit mehreren Wochen gegen das weiträumige Betretungsverbot fast sämtlicher Rheinuferflächen in Rheinberg protestieren, auf die fehlende Dialogbereitschaft seitens des Kreises Wesel und der Stadt Rheinberg“, so Hoffmann und argumentiert: „Vor dem Hintergrund, dass für die Kiesindustrie und die Binnenschifffahrt umfangreiche neue Flächen in bestehenden oder vor kurzem entwidmeten Naturschutzgebieten geplant sind und geschaffen werden sollen, erscheint es den Initiatoren der Bürgerinitiative nicht nachvollziehbar, dass nun sogar Ranger das Betretungsverbot von relativ kleinen Flächen kontrollieren, die seit Jahrzehnten von Bürgerinnen und Bürgern genutzt wurden. Sie zeigen Verständnis: „Wir begrüßen Naturschutzbemühungen und freuen uns, dass weite Teile des Rheinvorlandes Schutzgebiete sind und der Kreis Wesel damit eine Vorreiterrolle innehat.“ Aber: „Wenigstens kleine Naturbereiche, in denen sich auch Menschen aufhalten dürfen ohne sich gegenseitig auf die Füße treten zu müssen, widerstreben diesem Naturschutzgedanken nicht.“
Am Schild zum Naturschutzgebiet hat ein anonymer Verfasser ebenfalls einen Brief an den Kreis Wesel hinterlassen, um seinen Unmut kundzutun. Er fühle sich wie ein Affee im Zoo in den 1920 Jahren, schreibt er. Er wisse nicht, wie er seinen Kindern erklären solle, dass sie „fortan das Wasser nur noch aus der Ferne betrachten dürfen“. Und er prangert an: „Stromkilometer 805: der Ort, an dem das Betreten der Wiese fürchterliche Auswirkungen auf unser ach so sensib­les Ökosystem hat, aber auch der Ort, an dem höchst fragwürdige Abwasser seit Jahrezehnten in den Rhein geleitet werden. Ich bin nur froh, dass ich zu Fuß und mit dem Rad komme, da ist meine Ökobilanz recht gut und ich muss mich nicht schämen. Besser aber ich komme gar nicht, das schont die Rheinwiesen maximal.“
Zeit für offene Gespräche – miteinander!