Schlaganfall-Selbsthilfegruppe
Bernd Stara lebt für die Selbsthilfegruppe. Foto: privat

NIEDERRHEIN. „Schlaganfall? Wie schreibt man das?“ Bis zu seinem 48. Lebensjahr war das Thema Schlaganfall für Bernd Stara komplett irrelevant, schließlich treffen Schlaganfälle nur ältere Leute, so Staras Meinung.


Dass dem bei Weitem nicht so ist, weiß der Nieukerker heute ganz genau. „Schlaganfälle kennen kein Alter und sind mittlerweile fast schon eine Zivilisationskrankheit“, so Stara. Das Gefährliche am Schlaganfall seien die nicht vorhandenen Schmerzen: „Schlaganfälle tun nicht weh und sind deshalb besonders tückisch.“ Auch Stara deutete die Symptome damals falsch, wie er heute weiß: „Ich hab damals auf die Kinder eines Kollegen aufgepasst und hatte ziemliche Kopfschmerzen. Als sie mich dann nach draußen riefen, wollte mein rechtes Bein beim Aufstehen nicht mehr richtig“, erinnert sich der heute 71-Jährige. Damals habe er sich da noch über sein „blödes Bein“ geärgert, sich aber keinerlei Gedanken gemacht, dass eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken könnte. Auch den restlichen Tag machte Stara sich keine großen Gedanken. Erst als am nächsten Tag seine Arme und Beine immer noch schwer sind, geht er zum Arzt: „Total blöd, ich hätte natürlich direkt ins Krankenhaus fahren sollen“, weiß Stara heute.

In der Tat wurde er auch vom Arzt direkt ins Krankenhaus geschickt. Sieben Wochen lag der Nieukerker danach im Krankenhaus, von da aus ging es dann direkt in die Reha. Dort bekam er dann einen zweiten Schlaganfall, woraufhin er zwei Jahre lang nicht richtig sprechen konnte: „Das war eine schwierige Zeit, in der ich aber sämtliche Hilfen, die ich kriegen konnte, auch in Anspruch genommen habe.“ Stara ging zur Logopädie, zur Ergotherapie und nahm Psychotherapie in Anspruch: „Ich lernte zu akzeptieren, dass es manchmal auch etwas dauert, bis sich Veränderungen zeigen“, so Stara. Wichtig sei es, sich nicht einzuigeln und auf die Menschen zuzugehen, auch wenn es einem unangenehm ist: „Das Erste, was ich gemacht habe, als ich wieder zu Hause war, war, in die Dorfkneipe zu gehen – nicht wegen des Alkohols, sondern wegen der Menschen“, berichtet der 71-Jährige. Natürlich hätte es hier und da mal einen Spruch gegeben aufgrund seiner schlechten Aussprache und seines Ganges, aber gerade der schnelle Umgang damit sei wichtig für die Genesung: „Es ist wichtig, nicht aufzugeben, denn auch nach fünf Jahren passieren noch kleine Schritte.“

Eine andere Sache, die Stara sehr ermutigte, war die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Gelderland, in der er seit der Gründung 1999 der Sprecher der Gruppe ist: „Es war mein Glück, dass die Gruppe gegründet wurde, weil ich so unter die Menschen gehen musste und zudem über die Krankheit aufklären konnte.“ Seitdem informiert er andere Menschen über die Symptome eines Schlaganfalls und sorgt zusammen mit den anderen Gruppenmitgliedern dafür, dass viele Menschen vorsorgen: „Wir freuen uns regelrecht, wenn wir jemanden mit zu hohem Blutdruck erwischen“, berichtet Stara lachend. Viele Menschen hätten sich schon bedankt, dass ihnen die Blutdruckmessung gerettet hätten. Sich selbst bezeichnet der 71-Jährige heute als „Labertasche mit Helfersyndrom“. Bis auf kleine Wehwehchen geht es Stara aber gut. Heute blickt der Nieukerker optimistisch in die Zukunft und macht sich keine negativen Gedanken über das Vergangene: „Ich will gar nicht wissen, wie es wäre, wenn ich keinen Schlaganfall bekommen hätte“, erklärt Stara.

Informationen zur Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Gelderland gibt es auf deren Homepage unter www.schlaganfallhilfe-gelderland.de.

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