LOUISENDORF. Es mag aussehen wie bei Robin Hood – hat aber wenig bis gar nichts mit den Outlaws aus dem Sherwood Forest zu tun. Das Bogenschießen zählt zwar zu den ältesten Jagdformen der Menschheit und lange Zeit (siehe Robin Hood) nutzte man Pfeil und Bogen durchaus als Waffe. Heute ist es aber einfach eine ausgesprochen friedliche Sportart, die sich (nicht nur bei Mittelalter-Fans) großer Beliebtheit erfreut.

Frank Winkelmolen ist 1. Vorsitzender des BSC Louisendorf – und dieser Club feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Winkelmolen weiß, worauf es beim Bogenschießen ankommt. „Es ist alles eine Frage der Technik – und der Konzentration“, sagt der 56-jährige Bundeswehrsoldat, der seit seinem zwölften Lebensjahr bevorzugt ins Schwarze trifft. Beziehungsweise ins Gelbe. Denn im Bogenschießsport ist die Mitte gelb. Und wer diese zwölf Zentimeter aus einer Entfernung bis zu 90 Metern trifft, der räumt natürlich die meisten Ringe ab.

„In Leverkusen gab es während der Sommerferien einen Schnupperkurs. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich die Fußballschuhe gleich an den Nagel gehangen habe“, erzählt Frank Winkelmolen. 1978 trat der gebürtige Leverkusener, der mittlerweile in Kalkar lebt, der SSG Bayer Leverkusen bei, 1982 wurde er Deutscher Meister.

Der Vorsitzende Frank Winkelmolen (Foto, rechts) hilft da gern weiter. NN-Fotos: Rüdiger Dehnen

Bei der Bundeswehr hat im Jahr 1985 angefangen, hier war er in der Luftfahrzeugtechnik eingesetzt. „Ich wurde häufig versetzt und die Zeit für das Training hat darunter gelitten“, sagt Winkelmolen. Dennoch blieb er dem Bogenschießsport stets treu. Auf Sardinien, wo er vier Jahre mit Teilen des italienischen Kaders trainieren durfte, fand er wieder die Zeit, das Training zu intensivieren. Dass er sich in seiner Wahlheimat für die Sportart stark macht, liegt da auf der Hand. „Wir haben heute um die 120 Mitglieder aller Altersklassen – von 8 bis 80 ist alles vertreten“, sagt Frank Winkelmolen.

Dass der Bogenschießsport auch für Menschen mit Handicap geeignet ist, findet er ebenfalls wichtig. Ob Rollstuhlfahrer, Menschen mit Down Syndrom oder aber auch Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung, selbst Kinder mit ADHS fühlen sich bei dem Sport wohl. „In diesem Fall kann das Schießen sogar einen therapeutischen Beitrag leisten, weil man ganz auf das Hier und Jetzt fokussiert ist“, erklärt er. Auch Menschen mit Rückenproblemen sind bei dieser Sportart gut aufgehoben, denn Schulter- und Rückenmuskulatur werden gestärkt.

Trainiert wird seit sieben Jahren im beschaulichen Louisendorf, auf einer großen Wiese gleich hinter dem Fußballplatz. Daher auch der Name – von 1979 bis 2005 hieß es nämlich „Bogensportclub Lohengrin Kleve“ und bis 2012 „Bogensportclub Bedburg-Hau“. Für die Wintermonate steht an drei Tagen eine Halle zur Verfügung.
Im aktuellen Sportjahr konnten die Louisendorfer Schützen bereits einige Kreis- und Bezirksmeistertitel abräumen. „Das ist doch vielversprechend“, freut sich Frank Winkelmolen. „Es gibt aber auch Aktive, die das einfach nur als Hobby betreiben, um von der Arbeit zu entspannen.“ Schließlich soll Sport auch Spaß machen.

Nachwuchs ist beim BSC jederzeit willkommen. Wer möchte, kann bei einem Schnupperkurs feststellen, ob es die passende Sportart ist.
NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Die meisten Vereinsmitglieder kommen aus Kleve, gefolgt von Bedburg-Hau und Goch – aber auch Schießsportbegeisterte aus Kalkar, Uedem und Emmerich fühlen sich hier wohl. Vorteil eines eigenständigen Vereins, wie Frank Winkelmolen weiß, ist die Unabhängigkeit. „Wir sind eben nicht nur eine Abteilung, sondern konzentrieren uns ausschließlich auf das Bogenschießen“, sagt er. Und das nicht nur traditionell. Auch Recurve-, Compound-, Blank- und 3D-Schützen können sich beim BSC Louisendorf ausprobieren.

Die Kosten für den Einstieg sind überschaubar. Einen Leihbogen gibt es für kleines Geld, für eine komplette Anfänger-Ausrüstung muss man mit knapp über 100 Euro rechnen. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. „Eine komplette Profi-Bogen Ausstattung kann durchaus um die 2.500 Euro kosten“, erklärt Frank Winkelmolen. Anfänger üben aber erstmal in einem Schnupperkurs mit einem „Nullbogen“ – das erfordert noch wenig Kraft. Hierdurch wird von Anfang an die richtige Körperhaltung eingeübt. Natürlich wird das Material am Anfang durch den Verein gestellt, so dass man in aller Ruhe den Sport für sich entdecken kann.
Gefährlich ist es übrigens auch nicht, denn geschossen wird von einer Schießlinie von allen gleichzeitig. Und erst, wenn der letzte Pfeil angekommen ist, darf man gemeinsam zu den Scheiben gehen, um die Pfeile wieder zu holen. „Also, einfach mal ausprobieren“, meint Frank Winkelmolen. Bei ihm hat‘s schließlich gleich „gefunkt“. Infos zum BSV Louisendorf gibt es unter http://www.bsc-louisendorf.de.