Budberger entdecken ihr künstlerisches Talent

Schaltkästen und -schränke werden phanstasievoll und mit viel Liebe bemalt unter dem Motto „Bunt statt Grau - Hübsch statt hässlich“

BUDBERG. Jetzt wird‘s bunt in Budberg. Die eher hässlich wirkenden Schaltschränke, die bestenfalls grau schlimmstenfalls total beschmiert, an Straßenrändern stehen, erscheinen neuerdings mit bunten Bildern – gestaltet von Budberger Bürgern!

In der Nähe des Sportplatzes entstand dieses schöne Kunstwerk von Julian Winkler (Jugendtreff), präsentiert von (v.l.): Josef Immens, Alfons Immens, Dr. Peter Houcken, Lothar Steinnes, Weihnachtsmarktverein, Kundenbetreuer Innogy Dirk Krämer und Bürgermeister Frank Tatzel.
NN-Foto: Lorelies Christian

Dr. Peter Houcken, Vorsitzender des SV Budberg, hatte dazu die Idee. „Viele Schmierereien wurden wohl von Jugendlichen unseres Sportvereins verursacht. Da fühlten wir uns in die Pflicht genommen, diese zu beseitigen“, erläutert er und seine Idee stieß auf offene Ohren. Mit Hans-Josef und Alfons Immens waren nicht nur zwei Mitstreiter gefunden, sondern gleichzeitig Fachleute aus dem Elektro- und Malerhandwerk. Houcken machte einen Plan und zählte 61 Kästen in Budberg. Er schrieb die Eigentümer an (Telekom, Post, Stadt, Westnetz). Die Idee wurde gut geheißen und es meldete sich der Stromanbieter Innogy, der als Sponsor 2.000 Euro für die Materialien zur Verfügung stellt.
Auch eine Informationsveranstaltung fand große Resonanz. Sogleich fanden sich 30 kreative Bürger und Vereinsvertreter (Bürgerhausverein, Jugendtreff, Weihnachtsmarktverein, Ortsgruppe SPD, SV Budberg), die bei der Gestaltung mitwirken wollten. Lothar Steinnes vom Weihnachtsmarktverein und Willi Dibowski von der SPD-Ortsgruppe bildeten Arbeitsgruppen um sich. Mitglieder des SVB und des Bürgerhauses beseitigten die Graffitis und reinigten die Kästen, bevor die Immens-Brüder sie grundierten und vorstrichen. „Welch ein Glück, dass die Fachleute ehrenamtlich die Grundierung vornahmen. Schließlich müssen sie ja weiterhin funktionstüchtig bleiben, da ist es wichtig, dass die Schlösser nicht mit Farben zugeschmiert werden“, freut sich Houcken über den Einsatz der Experten.
Kindergärten und Schule wurden als erste Künstler aktiv. Ihre Vorschläge zur Bildgestaltung wurden vom Eigentümer gutgeheißen und schon entstanden die ersten kleinen Kunstwerke. Houcken selbst schwang auch den Pinsel: „Allerdings brauche ich eine Schablone“, stapelt er tief. Kann es sein, dass er Zähne als Motiv wählte? Der Zahnarzt schmunzelt nur. Julian Winkler wurde künstlerisch tätig für den Sportverein und hat den großen Kasten am Friedhof (Nähe Sportplatz) mit passendem Motiv gestaltet. Auch Robert Meier vom Jugendtreff zeigt sein Talent bei dieser Aktion.
„Es entwickelte sich eine Dynamik, mit der ich nicht gerechnet hätte“, beschreibt Houcken die letzten Monate. Über 20 Kästen sind bereits fertig gestellt, für weitere 20 liegen schon Voranfragen vor. Noch mal 20 – dann wären die 61 geschafft – wenn nicht Dr. Houckens Begeisterung dazu führt, weitere Kästen (auch über die Ortsgrenze hinaus) verzieren zu wollen.
„Ursprünglich wollten wir ja nur verschmierte Kästen verschönern, doch jetzt arbeiten wir uns Straßenzugweise vor“, ist Houcken stolz auf das Projekt. Und sollte es tatsächlich noch jemanden geben, der von der Aktion noch nichts mitbekommen hat, aber auch seinen „eigenen“ Kasten bemalen möchte, kann er sich gerne bei Houcken melden (e-mail an: p.houcken@gmail.com) Wenn das Gesamtkunstwerk fertiggestellt ist, soll es eine kleine Abschlussfeier geben. Vielleicht werden die Künstler oder die Anwohner auch „Paten“, die ihre Kästen im Auge behalten, mal säubern oder nacharbeiten, wenn es notwendig wird. Vielleicht wird es einen Plan zur „Straßengalerie“ geben mit Fotos von allen Kästen. Auf jeden Fall erhält jeder Kasten ein Schildchen, auf dem der Bildtitel und die Künstlernamen verewigt werden.
Houcken ist sicher: „Alle werden stolz auf diese Gemeinschaftsaktion sein und die Arbeit wertschätzen. Ich glaube nicht, dass wir noch mal mit Schmierereien rechnen müssen.“ Kommunalbetreuer Dirk Krämer von Innogy lobt: „So eine Aktion steht und fällt mit einem Kopf. Sie haben das super gemacht, Dr. Houcken. Es ist eine sehr gelungene Aktion, bei der sie alle Bürger mitnehmen!“ Diesem Lob schließt sich auch Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel an.