Palace beim Haldern Pop
Die Band „Palace“ sorgt nicht nur im Spiegelzelt, sondern auch draußen, für einen entspannten Einstieg ins Festival.

HALDERN. Was haben ein junger russischer Pianist und Komponist, eine englische Indie-Rock-Band und ein schottischer Akustikgitarrist gemeinsam? Sie alle (und noch viele mehr) sind Teil des 36. Haldern Pop Festivals, das noch bis einschließlich heute im Reeser Stadtteil Haldern stattfindet.

Gemeinsam in einer großen Gruppe laufen zahlreiche Menschen vom Campingplatz in die Dorfmitte. Gegen 13 Uhr finden dort die ersten Auftaktkonzerte in der Pop Bar und in der Kirche statt. Während es in der Pop Bar laut hergeht, wird es auch in der Kirche laut – anders laut. Dirigent und Leiter Heiner Frost betritt mit seinem Ensemble „Opus m“ den Altarraum. Beeindruckend wirken die Streicher vor der christlichen Kulisse. Dass, was die zahlreichen Zuschauer darauf zu hören bekommen, ist ebenfalls beeindruckend. Klanggewaltig ertönt das Ensemble in der Dorfkirche und bietet so einen imponierenden Auftakt.

Partystimmung bei den „Sea Girls“ im Jugendheim

Etwas später findet auch das erste Konzert im Jugendheim statt. Die Schlange, die sich bereits eine dreiviertel Stunde vor Einlass gebildet hat, lässt erahnen, dass die Musiker für viele bereits keine Unbekannten mehr sind. „Sea Girls“ sind in der Tat gerade auf Europatournee und konnten – zu Recht – schon viele Fans für sich gewinnen. Ab dem ersten Takt verströmt die englische Indie-Rock-Band Stimmung pur. Als der Sänger Henry Camamiles dann auch augenzwinkernd erklärt, dass sie erst zweimal in Deutschland waren, auf dem Hurricane und auf dem Haldern und es auf dem Haldern selbstverständlich schöner sei, gibt es kein Halten mehr im Jugendheim.

Das „Richtertrio“ begeistert in der Dorfkirche

Ruhiger, aber nicht weniger beliebter geht es kurz danach in der Kirche weiter. Dort spielt der junge russische Pianist Kirill Richter mit seinen Kollegen Alena Zinovieva und Avgust Krepak und verzaubert die bis zum letzten Platz gefüllte Kirche mit seinen fantasievollen Klängen. Die Kombination aus Piano, Violine und Violoncello harmoniert hervorragend und gibt den Zuschauern Zeit zum Träumen, getragen von einem Klangteppich.

Für einige Festivalbesucher geht es danach gemeinsam zurück zum Festivalgelände. Um 16.30 Uhr wird das Gelände geöffnet und sofort strömen die Besucher auf den Platz: „Es ist so schön, wieder hier zu sein“, hört man vielerorts. Personen werden umarmt, es gibt ein großes „Hallo“ und gemeinsam geht man Richtung Spiegelzelt. Dort spielt um 17 Uhr die Band „Palace“. Das Trio aus Tottenham überzeugt mit der melodischen Stimme des Sängers Leo Wyndham. Wem es im Spiegelzelt zu voll – oder zu warm – ist, findet sich einfach auf dem Platz davor ein und lauscht den Klängen der englischen Band. Die Musik trägt die Zuschauer fort, nimmt sie mit und hinterlässt ein gutes Gefühl. Enstpanung pur!

Auf der Mainstage eröffnen „Durand Jones & Indications“ den Festivaldonnerstag mit exzellenter Gute-Laune-Musik. Der Retrosound der Gruppe lässt sofort Tanzstimmung aufkommen und in Nu verwandelt sich die Fläche vor der Mainstage in eine Tanzlocation, wo alle gemeinsam miteinander tanzen.

Haldern Pop bedeutet Mehrsamkeit

Dass das Haldern Pop aber auch die ruhigen Töne kann, zeigt der Auftritt von „Thirsty Eyes“ im Spiegelzelt. Ruhig wird es, als der Sänger Samuel Ebner mit leicht brüchiger Stimme verkündet, dass ein guter Freund von ihm ein Tag zuvor gestorben ist und dass er ihm deswegen das nächste Lied widmet. An der Bühne steht ein Mann, lauscht den Klängen von Ebner – auf seinem T-Shirt stehen drei Wörter: „Mehrsamkeit – Haldern Pop“. Das ist es, was dieses Festival in all seinen Fasern ausmacht. Mehrsamkeit. Verschiedene Menschen, verschiedene Musikstile, alle miteinander vereint.

Diese Mehrsamkeit wird auch wiederum deutlich, als ein vollkommen frenetisches Publikum den schottischen Sänger und Akustikgitarristen Gerry Cinnamon feiern. Der Musiker sorgt für wahre Begeisterungsstürme und entlockt dem Publikum immer wieder aufs Neue Sprechchöre mit seinem Namen. Welch eine Freude, diese Musik gemeinsam mit anderen Menschen zu genießen. Mehrsamkeit pur!