NIAG bekämpft Kohlestaub im Hafengelände Orsoy

Proteste der Anwohner werden erhört, Belästigungen reduziert

ORSOY. Seit über 100 Jahre ist der Hafen Orsoy in Betrieb, in direkter Nachbarschaft wohnen Orsoyer Bürger. Sie haben sich an Lärm, Staub und Erschütterungen durch Transportfahrzeuge gewöhnt – bis zum letzten Sommer. Dann wurden die Belastungen zu hoch und sie schlossen sich zur Interessengemeinschaft Hafen Orsoy zusammen, um gemeinsam beim Betreiber (NIAG) Abhilfe einzufordern (die NN berichteten).

Mit dem neuen Spezialfahrzeug können die Fahrwege am Hafen Orsoy bewässert werden, damit der Kohlenstaub nicht wegfliegen kann. Die Lkw, die in den Halden beladen werden, fahren zunächst durch eine Waschzone, in der die Räder gesäubert werden, bevor sie das Gelände verlassen.
NN-Foto:L. Christian

Ein Jahr später erläuterten Peter Giesen, Vorstandsmitglied der NIAG, sowie Sabine Kleinholdermann und Dankwart Bender von der Interessengemeinschaft im Pressegespräch, was sich seither geändert hat.
Seit dem letzten Jahr treffen sich NIAG-Fachleute, Orsoyer, Vertreter der Stadt Rheinberg und des Kreises zu regelmäßigen Gesprächen. Giesen räumt ein: „Die Kommunikation war zuvor nicht immer glücklich. Aber nun haben wir einen besseren Weg gefunden und legen Wert auf gute nachbarschaftliche Beziehungen.“ Dankwart Bender ist vorsichtiger in der Formulierung: „Wir sind dabei, Vertrauen aufzubauen und es wächst langsam.“ Nicht förderlich in der Vertrauensbildung war die Berichterstattung über Delta-Port – dieser Hafenverbund am Niederrhein hatte die Stärken der einzelnen Häfen (Emmelsum, Rhein.-Lippe, Stadthafen Wesel, Emmerich und Orsoy) herausgestellt. Die Orsoyer lasen mit Entsetzen, dass für Orsoy nun auch noch ein Container-Umschlaghafen geplant sei. Auf Nachfrage korrigierte Peter Giesen diese Behauptung: „Orsoy ist ein Schüttguthafen. Wir haben nicht die Absicht, einen Strukturwandel zu vollziehen. Auch wenn die Kohlentransporte rückläufig werden, suchen wir alternative Schüttgüter. Für Container bräuchte man eine bessere Straßenanbindung, die bei anderen Häfen bereits gegeben ist.“
Doch während früher Kohle als Sückgut verpackt war, wachsen nun die Halden im Orsoyer Hafen, rund 140.000 Tonnen werden gelagert, 1,8 Millionen Tonnen im Jahr umgeschlagen.
Das bedeutet Staubbildung und Belästigung der Anwohner. Peter Giesen gibt zu: „Die NIAG hat aus dem letzten Sommer Lehren gezogen.“ Er erläutert die Maßnahmen, die bereits Besserung bringen und solche, die geplant sind: „Die Zahl der stationären Regner, die die Halden bewässern, ist von 30 auf über 40 erhöht worden. Wir abeiten daran, dass diese Regner automatisiert werden, so dass sie windabhängig die Regulierung vornehmen. Wir haben ein Spezialfahrzeug mit einem 12.000 Liter Tank angeschafft zur zusätzlichen Fahrwegbewässerung. Es kann aber auch zur mobilen Beregnung der Halden mit eingesetzt werden. Außerdem ist der Bau eines größeren Brunnens mit leistungsstarker Pumpe als Ergänzung beantragt. Der alte Brunnen bleibt als Notlösung bestehen. Auch eine weitere Halle soll errichtet werden, damit die Schüttgüter eingelagert werden können und das Freilager reduziert wird. Auch da müssen wir das Genehmigungsverfahren abwarten.“
Sabine Kleinholdermann bestätigt: „Ganz so schlimm wie im letzten Jahr ist die Staubbelastung nicht mehr. Doch wir hoffen, dass die Situation noch besser wird.“ Falls Probleme auftauchen, können sich Orsoyer Bürger direkt an einen zuständigen Ansprechpartner wenden: Antonius von Hebel ist erreichbar unter Telefon 0151 234 2001 , mail an antonius.vonhebel@googlemail.com, für die Untere Immissionsschutzbehörde beim Kreis Wesel ist Vera Hoogen zuständige Ansprechpartnerin, Telefon 0281 207 2508 , mail an vera.hoogen@kreis-wesel.de
Dankwart Bender sieht die Aufgabe der Interessengemeinschaft darin, die Vorkommnisse genau zu beobachten und bei Vorfällen die zuständigen Ansprechpartner zu informieren. Auch wenn Peter Giesen sagt: „Die NIAG hat nicht den Antrag gestellt, als landesbedeutender Hafen eingestuft zu werden und auch die Erweiterung ist für uns kein Thema“ – ist die Sorge auf Vergrößerung des Hafens bei den Orsoyer noch nicht vom Tisch. Ihre Anfragen an den Regionalverband Ruhr und an verschiedene Ministerien, die Klausel „landesbedeutsamer Hafen“ herauszunehmen, wurde abschlägig beschieden. Wie die Landesregierung im gerade neu aufgestellten Landesentwicklungsplan zum Hafen Orsoy Stellung genommen hat, ist der Initiative noch nicht bekannt.
Bei aller Kritik, sagen Bender und Kleinholdermann: „Wir sind nicht interessiert daran, den Hafen abzuschaffen oder Arbeitsplätze zu reduzieren!“ Aber sie möchten „weiter ruhig und friedlich in Orsoy wohnen“.