Stadtgarten-Quartier Rees:
„Es geht endlich los“

Investor Andreas Hüls über seine Pläne für die Bebauung des ehemaligen Niag-Geländes in Rees

An das alte Rees mit Stadtmauer und Giebelhäusern soll sich der neue Baukomplex optisch anlehnen. Grafik: Stadt Rees/Hüls Baukonzepte

REES. Es muss nicht immer ein Flughafen, ein Bahnhof oder eine Philharmonie sein. Auch „kleinere“ Bauvorhaben können sich in die Länge ziehen. Doch ähnlich wie im Falle der ehemaligen Kaserne in Emmerich, kommt auch in Sachen Bebauung des einstigen Niag- und Postgelände in Rees nun Bewegung in die Angelegenheit. „Wir sind sehr froh, dass es endlich los geht“, sagt Andreas Hüls, geschäftsführender Gesellschafter von Hüls Baukonzepte in Bocholt. Sein Unternehmen ist einer von zwei Investoren und plant die Neubebauung des Niag-Geländes. „Ein städtebaulich sehr interessantes Projekt“, betont Hüls.

Seit der Vorstellung der ersten Pläne in 2014 „hatten wir einige Hürden zu nehmen“, berichtet Hüls. Unter anderem galt es, verschiedene Auflagen zu erfüllen, auch Denkmalschutz, Bodenverhältnisse und Kampfmittelbeseitigung spielten eine Rolle. „Es waren teils langwierige und komplexe Prozesse“, sagt Hüls.

Im Herbst vergangenen Jahres war dann der Weg frei für den Kauf des Nachbargrundstücks „Am Stadtgarten 5-7“, das Hüls in seine Quartierspläne integrierte. „Das bedeutete nochmaliges Neu- und Umplanen“, erläutert der Investor. Nach etwa vier Monaten war aber auch dies geschafft. „Die Größenordung des Projektes ist schon außergewöhnlich“, sagt Hüls.

„Ein schönes Eingangstor“

Nun soll mit dem „Stadtgarten-Quartier am Delltor“ laut Hüls „ein schönes Eingangstor zur Innenstadt“ entstehen. Sein Wunsch: „Noch in 30 bis 40 Jahren sollen die Menschen sagen: Es gefällt uns, es passt zu unserer Stadt.“ Deshalb lege man auch viel Wert auf die Gestaltung der Neubebauung, die sich an das alte Rees mit Stadtmauer und Giebelhäusern anlehnen soll. Dazu werde man, gegenüber der ersten Visualisierung, etwa die Mauerhöhen vor den Laubengängen anpassen, „so dass es nicht blockartig wirkt“, und das Portalgebäude in sich strukturieren.

Das Portalgebäude auf dem ehemaligen Postgelände wird in sich strukturiert.
Grafik: Stadt Rees/Hüls Baukonzepte

Auch die Fassadengestaltung werde noch angepasst. „Da können wir noch nachbessern“, sagt Hüls. Zwar benötige man eine „gewisse Massivität“ für die gewerbliche Nutzung, die entsprechend nüchterner wirke. Doch könne man zu den Obergeschossen hin „Wärme und Behaglichkeit schaffen“. Neben Putzfassaden sollen verschiedenfarbige Klinker zum Einsatz kommen.

Lebensmittelmarkt, Jobcenter, Tagespflege

Im Erdgeschoss des neuen Komplexes auf dem ehemaligen Niag-Gelände soll ein Lebensmittelmarkt einziehen. Darüber entstehen drei Häuser. In einem Baukörper will die Stadt ihr Jobcenter ansiedeln. Hinzu kommt eine Tagespflege, möglicherweise mit sechs Wohnungen für betreutes Wohnen.

In den Baukörpern 2 und 3 entstehen rund 40 Wohnungen mit 50 bis 120 Quadratmetern. „Wir vermarkten sie als Eigentumswohnungen, es könnten aber auch Mietwohnungen werden“, sagt Hüls.

Blick auf das neue Reeser Quartier.
Grafik: Stadt Rees/Hüls Baukonzepte

Die drei Baukörper auf dem Dach des Lebensmittelmarktes sind miteinander verbunden, „es soll aber keine ‚blockige‘ Architektur werden“, versichert Hüls. Man wolle zudem die Giebelsilhouette erhalten, die für Rees prägend ist und wie sie an der Rheinpromenade zu finden ist.

Wohnbebauung mit Dachgarten

Neben der Wohnbebauung ist auch ein Dachgarten geplant. Eine Rampe soll diesen mit dem Kettenbergswall verbinden. „Wir werden ihn zunächst offen gestalten, als nachbarschaftliche Situation“, erläutert Hüls. Damit habe man bei vergleichbaren Projekten, etwa in Bocholt, gute Erfahrungen gemacht. „Dort wird sie als Begegnungsfläche und Mehrgenerationenplatz sehr gut angenommen.“ Entsprechend ist auch angedacht, dort seniroengerechte Fitness- und Bewegungsgeräte aufzustellen.

Das Projekt
Investoren: Neben Hüls tritt auch die Firma Lütkenhaus Immobilien als Investor auf. Diese hatte die Pläne für die Bebauung des ehemaligen Postgeländes bereits Anfang April vorgestellt (mehr dazu hier).
Offenlage: Der Bebauungsplan „R 8 A – Stadtgarten-Quartier am Delltor“ ist bis 2. Juli im Rathaus (Zimmer 106) offengelegt. Bis dahin können Bürger zu den Plänen Stellung nehmen oder dagegen Einspruch erheben.
Infos: Präsentationen und Bilder sowie Gutachten zum Projekt gibt es unter www.rees-erleben.de.

Die weitere zeitliche Planung sieht vor, dass im Herbst die Bauanträge eingereicht werden. Im Frühjahr 2020 soll dann der Abriss der bestehenden Gebäude starten, „wir gehen dann nahtlos in den Neubau über“, sagt Hüls. Die Bauzeit schätzt er auf 24 Monate, also bis Sommer 2022.

Das gesamte Projekt werde nicht nur den Standort selbst, sondern ganz Rees aufwerten, ist Hüls überzeugt: „Wir sprechen hier von einer tollen Lage für ein tolles Leben und Wohnen in Rees.“