KLEVE. Für Steffi, Ralle und Co. ist es noch einmal gut ausgegangen. Auch die beiden Hähne Brunner und Brunner brauchen jetzt keine Angst mehr davor zu haben, im Kochtopf zu landen. Und für „Omi“ und ihre Kamerunschaf-Gang ging es letztlich auch nicht wie geplant zum Schlachter, sondern auf die grüne Wiese. Der Gnadenhof des Vereins Tierfreit um Sandra van de Loo-Diel und ihren Mann Christoph Diel ist in den vergangenen Monaten ganz schön gewachsen. Nach wie vor werden Paten gesucht, die mit ihren monatlichen Beiträgen Kost und Logis sicherstellen. Am 24. August wird es zudem ein großes Sommerfest geben.

Zwölf Hühner aus der Legebatterie picken ganz entspannt (und nach vielen Wochen Erholung auch wieder mit Federkleid) ihre Körner, während sich Sandra van de Loo-Diel um die Minischweine kümmert. „Die waren nur noch Haut und Knochen, als sie zu uns kamen“, erinnert sich die Tierfreundin an jedes einzelne Happy-End – und jedes einzelne Schicksal der leidgeprüften Vierbeiner. „Einige waren tragend und haben zum Teil alle Ferkel verloren“, sagt Christoph Diel. Oder der (mittlerweile kastrierte) Ralle. „Der hat jahrelang in kompletter Dunkelheit in seinem eigenen Mist gestanden.“

Als Gebärmaschine ausgenutzt und im Labor misshandelt: Die Minischweine haben jetzt ein neues Zuhause beim Verein Tierfreiheit gefunden.

Keiner fühlte sich zuständig für den Eber, dessen Bronchien durch den ständigen Amoniak zerstört wurden und der nicht gelernt hat, mit Artgenossen zusammen zu leben. Noch findet der Kontakt durch einen Zaun getrennt statt – bald wird er aber endlich mit den anderen Schweinen seinen Lebensabend genießen dürfen. Ralle heißt er übrigens deshalb, weil Tierfreund Ralf Seeger (aus der Vox-Reihe „Harte Hunde“) dem Verein immer wieder unter die Arme greift.

In Not geratene Tiere retten

Insgesamt tummeln sich aktuell 28 kleine und große Schweine unter der Obhut des Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in Not geratene Tiere zu retten und ihnen ein neues Zuhause zu geben. „Einige Schweine stammen aus Versuchslaboren“, erzählt van de Loo-Diel. An ihnen wurden Inhaltsstoffe getestet. „Eine Sau diente als Gebärmaschine – man hat ihre Ferkel früher auf die Welt geholt, um experimentelle Chirurgie an ihnen durchzuführen.“ Da liegt es auf der Hand, dass die Tiere nur langsam Vertrauen zu Menschen fassen, Auch, wenn die es eigentlich nur gut meinen.

„Die Tiere liegen uns am Herzen“

Morgens um 6 Uhr geht es für Sandra van de Loo-Diel, ihren Mann sowie Vereinsmitglied und treuester Mitstreiter Marc Schöbel los. Dann heißt es (und zwar jeden Morgen): füttern und misten. Manche müssen auch Medikamente bekommen. Das kostet Geld und natürlich auch Zeit. Für die beiden Berufstätigen (Sandra von de Loo-Diel ist neben ihrer Tätigkeit als Tierretterin Sozialtherapeutin) nicht immer leicht – andere Hobbys haben da auch keinen Platz. „Die Tiere liegen uns am Herzen“, lohnt sich für Sandra van de Loo-Diel der Aufwand. „Man bekommt unglaublich viel zurück.“

Sandra van de Loo-Diel und ihr Mann Christoph Diel kümmern sich täglich viele Stunden um die Tiere.

Herberge, Hof und Farm Tierfreiheit

Die Herberge Tierfreiheit, das ist der größte Stolz der beiden. Es ist ein Grundstück, gleich am Deich gelegen, das sie gekauft haben. Dazu kommt noch der Hof Tierfreiheit, hier hat der Verein Wiesen und Stallungen gepachtet und dann gibt es noch die Farm Tierfreiheit. „Optimal wäre es für uns, wenn wir doch noch ein kleines Haus mit Scheunen und Wiesen finden würden“, haben sie die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eine passende Bleibe für sich selbst – und alle ihre Tiere – zu finden.

Aktuell ist man nahezu an der Kapazitätsgrenze angelangt. „Wir sind aber sehr gut vernetzt und helfen dabei, Tiere zu vermitteln“, sagt Sandra van de Loo-Diel. Fast täglich würden sie Hilferufe erreichen. „Es gibt im Internet verschiedene Gruppen von Tierfreunden, die Anfragen stellen oder Platz zur Verfügung stellen.“ Die Tiere, die bei den van de Loo-Diels untergekommen sind, werden ihr neues Zuhause allerdings nicht mehr verlassen müssen. „Die bleiben bei uns.“

Sommerfest mit allen Paten in Planung

Natürlich könne man nicht alle Tiere retten, bleibt sie realistisch, „aber wir können einen Teil dazu beitragen.“ Für die überzeugte Veganerin sind Schweine fühlende Lebewesen. Keine „Produkte“ der Lebensmittelindustrie. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, der sollte den 24. August vormerken. An diesem Tag ist ab 14 Uhr ein großes Sommerfest geplant. Und der Ausklang, wie sollte es anders sein, findet bei der Arbeit statt. „Dann können die Paten bei der Fütterung dabei sein und ihren Schützlingen beim Fressen zusehen“, verspricht Christoph Diel einen ganz besonderen Nachmittag. Patenschaften sind ab fünf Euro im Monat möglich. Mehr Infos und Kontakt im Internet auf der Seite www.vereintierfreiheit.com und telefonisch unter 02821/8997798.