Mehr als 200 Schüler beim
ersten Azubi-Speed-Dating

Niederrheinische IHK und Klever Schulmodell hatten ins PAN geladen

Beim Azubi-Speed-Dating lernen junge Menschen ihre potenziellen Arbeitgeber kennen. Foto: Niederrheinische IHK/Jacqueline Wardeski

EMMERICH/KLEVERLAND. Für die Kunstwerke haben die Besucher des PAN in Emmerich an diesem Tag kaum einen Blick übrig. Denn die rund 200 Schüler sind in das Plakatmuseum gekommen, um sich über ihre Zukunft zu informieren. 19 Firmen, die Teil des Klever Schulmodells sind, stellen im Rahmen des ersten Azubi-Speed-Datings der IHK Niederrhein verschiedene Ausbildungsberufe vor.

Mit 20 Unternehmen im Dezember vergangenen Jahres gestartet (zum Artikel), umfasst das Klever Schulmodell inzwischen 35 Firmen. „19 Betriebe sind heute hier – das ist eine gute Quote“, freut sich Projektkoordinatorin Sarah Thomas. Die Schüler, überwiegend Neuntklässler, aber auch aus der Klasse 10, kommen aus den Klever-Schulmodell-Städten Kleve, Emmerich, Bedburg-Hau und Kranenburg. Im zehnminütigen Rhythmus wechseln sie die Plätze an den Ständen der anwesenden Unternehmen, treffen dort zum ersten Mal auf Personalchefs und Auszubildende.

„Suche nach einem Plan B“

Für Nelson (15) und René (16) von der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve hat sich der Weg auf die andere Rheinseite gelohnt. „Eigentlich will ich mein Abitur machen, das könnte aber schwierig werden“, erzählt René. „Deshalb will ich mich schon mal nach einem Plan B umschauen.“ Ähnlich sieht es bei Nelson aus: Das angestrebte Studium der Tiermedizin scheint in weite Ferne gerückt, „stattdessen denke ich jetzt in Richtung Fachabitur und Ausbildung“. Während sich Nelson über Lehrberufe in der Kfz-Branche informierte – „ich habe schon ein wenig das Schraubergen im Blut“, sagt er lachend –, nutze René das Speed Dating, um mehr über „Büro-Jobs“ zu erfahren.

Beide haben zur Veranstaltung im PAN eine Kurzbewerbung in Form von Lebenslauf und Kopien von ein bis zwei Zeugnissen mitgebracht. Sie sind sich einig: „Das Speed Dating ist eine gute Sache“, sagt Nelson. „Es war auf jeden Fall richtig, dass ich mich dafür angemeldet habe“, ergänzt René. Allerdings: Die beiden Neuntklässler sind aus ihren Klassen zwei von nur drei Schülern, die am Azubi-Speed-Dating teilgenommen haben.

Ausbildung oder Studium? Auch ein gesellschaftliches Problem

Projektkoordinatorin Sarah Thomas verwundert das teils geringe Interesse nicht: „Viele Jugendliche wollen sich in diesem Alter noch nicht mit dem Thema Ausbildung beschäftigen, denn es ist mit einer Entscheidung verbunden. Vielleicht denken sie aber auch mehr in Richtung Akademisierung.“ Dies sei nicht zuletzt ein Problem der gesellschaftlichen Struktur, in der ein Studium noch immer höher eingeschätzt wird als eine Ausbildung. Dabei ist die Klasse 9 laut IHK-Bildungslotsin Özlem Erdogan „der optimale Zeitpunkt für die Berufsorientierung“.

Yassine Zarari, Projektkoordinator des Duisburger Schulmodells – quasi das Vorbild des hiesigen Klever Schulmodells –, hat in Gesprächen mit den anwesenden Unternehmensvertretern erfahren, dass „die Aussteller sehr zufrieden sind. Der Ablauf ist klar strukturiert, die Schüler sind teilweise auch gut vorbereitet.“

Der Beirat des Klever Schulmodells tagte parallel zum Azubi-Speed-Dating.
Foto: Niederrheinische IHK/Jacqueline Wardeski

Beirat trifft sich zur konstituierenden Sitzung

Parallel zum Azubi-Speed-Dating trifft sich auch der Beirat des Klever Schulmodells zur konstituierenden Sitzung, unter dem Vorsitz von Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing und Susanne Convent-Schramm, Vizepräsidentin der Niederrheinischen IHK und Geschäftsführerin der Convent Spedition in Emmerich. Auch Projektkoordinatorin Sarah Thomas ist dabei: „Es war eine sehr konstruktive erste Beiratssitzung mit vielen neuen Anregungen.“ Bislang könne man ein sehr gutes Fazit ziehen. „Wir müssen das Modell allerdings noch bekannter, für die Schüler noch ‚markanter‘ machen.“

Klever Schulmodell
Beirat: Bürgermeister von Kleve, Emmerich, Bedburg-Hau und Kranenburg, Agentur für Arbeit, Jobcenter des Kreises Kleve sowie Unternehmerpersönlichkeiten der regionalen Wirtschaft.
Vorsitz: Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing und IHK-Vizepräsidentin Susanne Convent-Schramm.
Azubi-Mangel: Derzeit verzeichnet allein die Niederrheinischen IHK in ihrem Kammerbezirk rund 500 nicht besetzte Lehrstellen.
Infos: Mehr zum Klever Schulmodell gibt es hier.

Zum Beirat gehört auch Peter Hinze, der berichtet: „Es ging um die ersten Gehversuche – und die ersten Erfolge – eines Modells, das noch sehr erfolgreich werden kann. Wir müssen nun als Kommunen weitermachen, denn wir haben bereits mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen. Außerdem dürfen wir keinen Jugendlichen zurücklassen.“

Eine sinnvolle Ergänzung zu „KAoA“

Hinze weiß, dass die Schulen in den vier beteiligten Kommunen bezüglich des Speed Datings zunächst einige Bedenken hatten. „Inzwischen sehen sie es aber als sehr sinnvolle Ergänzung zu ‚KAoA‘ (Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“; Anm. d. Red.)“, sagt Hinze. Auch für ihn ist die Veranstaltung im PAN „eine sehr gelungene Geschichte. Es ist ein niederschwelliges Angebot, um schnell und einfach ins Gespräch zu kommen. In nur zehn Minuten können beide Seiten erste Kontakte knüpfen und erste Eindrücke sammeln.“

Auch für Susanne Convent-Schramm ist das Azubi-Speed-Dating „eine tolle Ergänzung zu ‚KAoA‘.“ Sie freut sich, dass die Betriebe das Klever Schulmodell mehr und mehr annehmen, „der Etablierungsprozess läuft“. Bereits bei der Auftaktveranstaltung im Dezember in Kleve hatte sie in Sachen Fachkräftenachwuchs bei den Unternehmen ein Umdenken angemahnt, weg vom Blick auf die reinen Schulnoten. „Auch wir haben deutlich umdenken müssen“, berichtet sie. „Uns ist wichtig, dass jemand mit Engagement und Einsatzbereitschaft dabei ist. Den Rest können wir ihm beibringen.“ Die Firmen, die beim Klever Schulmodell dabei sind und auch am ersten Azubi-Speed-Dating teilnehmen, hätten dies erkannt.