Durch die Wand – neue Ausstellung im Katharinenhof

Die Sache ist schon eigenartig: Man betritt die Ausstellungsräume des Katharinenhofes und atmet Ruhe. Aber gleichzeitig ist das die gewaltige Energie der Kunst. Irgendwie befindet sich alles in Lauerstellung. Die Kunst erwartet ihre Besucher. Alles ist bereit für den Dialog von Räumlichkeit, Zeitlichkeit und Materialitäten.

Das Unmittelbare

„Arcs und Sparks“ heißt die neue Ausstellung im Kranenburger Katharinenhof. Natürlich könnte es auch „Bögen und Funken“ heißen, aber dann wären der Reim dahin und das Unmittelbare. Irgendwie bettet sich, was ab Sonntag zu sehen ist, wunderbar in diese Klangwolke „Arcs and Sparks“ ein.
Justyna Janetzeks Arbeiten – Skulpturen, die Bilder sind und Bilder, die etwas Skulpturales ausbrüten – sind Herausforderungen. Sie taugen nicht zum „Einfachdavorstehen“. Janetzeks Arbeiten sind Imperative: „Seht euch um“, sagen sie und „bleibt nicht einfach stehen“. Umrundung ist gefragt. Aktives Betrachten. Es geht um Perspektiven und im wahrsten und übertragenen Sinne um Standpunkte – um das Paradox, dass Standpunkte eigentlich Standlinien sein sollten.

Wirkung, Auswirkung

Janetzeks Arbeiten sind Anleihen ans Wirkliche – an eine Wirklichkeit, die ein Vorher und ein Nachher beinhalt. Einwirkunden, Auswirkungen. Wirklichkeit. Manche Arbeiten sind so direkt, dass sie in die Räume eingreifen – nicht allein durch Platzierung und Inbesitznahme, sondern auch durch Eingriffe und Angriffe. Da steht diese Arbeit, die aus der Decke zu wachsen scheint und dann in einer Wand verschwindet. Jaja, denkt man – nett gemacht. Man geht einen Raum weiter und sieht etwas aus der Wand wachsen. Jaja, denkt man. Nett gemacht. Präzise gearbeitet.

Durch die Wand

Und dann stellt sich heraus: Die Arbeit wächst tatsächlich durch die Wand. Da respektiert die Kunst nicht einfach das Ende eines Raumes sondern macht sich auf, Wände und also Grenzen zu durchbrechen. Das macht was mit dem Kopf, wenn man drüber nachdenkt. Man kann derlei Übergriffe übertrieben finden, richtungsweisend, denkanleitend oder was auch immer … fest steht: Wenn‘s einmal im Kopf ist, lässt es sich nicht mehr löschen. Die Kunst also verändert nicht nur den Raum sondern gleichzeitig bestenfalls immer auch das Denken. Raumdenken. Denkräume. Was Janetzek im Katharinenhof inszeniert, ist spurenziehendes Skulpturenkino. Die Arbeiten wollen und müssen erobert werden und Beweglichkeit ist das Mittel der Wahl. Geschenkt gibt‘s nix. Gut so.
„Arcs and Sparks“ ist etwas für Grenzgänger – eine Aufforderung zum Mit- und Nachdenken. Und damit keine Missverständnisse aufkommen: „Arcs and Sparks“ ist viel mehr als Kunst im Kopf – es ist eine Art Niederkunft des Räumlichen und eine Demonstration dessen, was aus der Wirklichkeit werden kann, wenn sie in die richtigen Hände gerät.

Zu sehen sind Janetzeks Arbeiten dann bis zum 27. Oktober.

Justyna Janetzek und eine ihrer Skulpturen. (Unten rechts geht’s durch die Wand.