Awo-Frauenhaus wieder hoch ausgelastet

Die Auslastung lag bei über 80 Prozent / 36 Frauen suchten Hilfe

KREIS KLEVE. Wie wichtig Rückzugsorte für Frauen und ihre Kinder sind, die häusliche Gewalt erleben müssen, zeigt wiedermal der Jahresbericht der Awo im Kreis Kleve. Das Klever Frauenhaus war 2018 zu 83 Prozent ausgelastet. Insgesamt suchten 36 Frauen und 28 Kinder Schutz. Die Zahlen sind damit im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben.

Andrea Hermanns, Leiterin des Frauenhauses, und Awo-Geschäftsführerin Marion Kurth (v.l.) stellten den Jahresbericht 2018 vor.
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Marion Kurth, Geschäftsführerin der Awo im Kreis Kleve, fiel es angesichts des traurigen Themas trotzdem schwer, von einer „guten Auslastung“ zu sprechen. Es sei natürlich schade, dass es Frauenhäuser überhaupt geben müsse. Jede aufgenommene Frau trage allerdings auch dazu bei, dass sich das an einem geheimen Ort befindende Klever Frauenhaus finanzieren könne. Allein durch Förderungen lasse sich das Frauenhaus nämlich nicht finanzieren. „Wir bekamen im Jahr 2018 insgesamt eine Landesförderung in Höhe von insgesamt 130.000 Euro, aber wir hatten Kosten in Höhe von 320.000 Euro. Da fehlt also einiges“, erklärte Kurth.

Einen Teil der Kosten stemmt die Awo über die sogenannten Tagessätze. Mit dem Kreis Kleve hat die Awo eine bestimmte Summe vereinbart, die für jede Nacht, die eine Frau und ihre Kinder im Frauenhaus verbringen, gezahlt wird. „Die Zusammenarbeit mit dem Kreis Kleve ist auch wirklich gut“, betonte Kurth. Allerdings sei mitunter problematisch, dass viele Frauen in Akutsituationen Hilfe beim Frauenhaus suchen und es nach wenigen Tagen bereits wieder verlassen.

Lücke von 20.000 Euro durch Spenden geschlossen

„Für die Tagessätze müssen wir allerdings Anträge stellen. Bis man bei diesen Frauen den Antrag ausgefüllt und gestellt hat, sind sie schon wieder weg und wir bekommen kein Geld“, sagte Andrea Hermanns, Leiterin des Klever Frauenhauses. So blieb im Jahr 2018 eine Lücke von 20.000 Euro, die nur durch Spenden oder vom Gericht zugewiesene Geldbußen ausgeglichen werden konnte.

Hoffnungen setzen Kurth und Hermanns indes in zwei neue gesetzliche Vorgaben: Zum einen in die „Istanbul-Konvention“, die auf europäischer Ebene eine verbindliche Rechtsnorm gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt schaffen soll und dabei auch die Grundsätze der Arbeit in Frauenhäusern im Fokus behält, und zum anderen die NRW-Vereinbarung über die Zukunftssicherung der Schutzorte. Dabei gehe es auch um die finanzielle Ausstattung der Frauenhäuser.

56 Frauen mussten abgewiesen werden

Das Klever Frauenhaus hat sich im Rahmen dessen auch um zusätzliche Plätze beworben. Bisher gibt im einzigen Frauenhaus im Kreis Kleve 20 Schlafplätze – acht für Frauen und zwölf für Kinder. Da das Frauenhaus zu manchen Zeitpunkten komplett ausgelastet war, musste die Awo im Jahr 2018 56 Frauen abweisen. „Manche konnten wir an andere Frauenhäuser vermitteln, aber die Zahl war im vergangenen Jahr sehr gering. Viele Frauen gehen dann zurück nach Hause in die Gewalt-Situation. Das ist schon ein Dilemma“, sagte Hermanns. Das Klever Frauenhaus hofft deshalb auf weitere Plätze, müsste sich dazu allerdings räumlich vergrößern.

Die meisten der 36 Frauen, die 2018 aufgenommen wurden, blieben nur kurze Zeit im Frauenhaus. Zehn von ihnen verließen es nach weniger als einer Woche, weitere elf nach weniger als einem Monat. Nur fünf blieben zwischen einem halben und einem Jahr im Frauenhaus. „So lange Phasen ergeben sich meistens, weil Unterhaltsstreitigkeiten geklärt werden müssen, Gerichtstermine anstehen oder Gutachten erstellt werden müssen. Das nimmt manchmal mehrere Monate in Anspruch. Für die Frauen sind das oft gefährliche Zeiten, in denen sie sicherheitshalber bei uns bleiben“, erläuterte Herrmanns.

Misshandlungen durch den Ehemann oder Partner ist der häufigste Grund

Die meisten Frauen werden aufgrund von Misshandlungen durch den Ehemann oder den Partner aufgenommen. Die meisten von ihnen waren zwischen 19 und 40 Jahren alt. Die Kinder waren mehrheitlich im Vorschulalter. 18 Frauen, die 2018 aufgenommen wurden, hatten die deutsche Staatsangehörigkeit, 24 eine andere – sie kamen unter anderem aus Afghanistan, Kosovo, Syrien, Libanon oder der Türkei. Nur acht Frauen waren vor ihrer Aufnahme im Frauenhaus im Kreis Kleve gemeldet.

Im Klever Frauenhaus kümmern sich zwei Sozialpädagoginnen, eine Erzieherin, eine Hauswirtschafterin und eine Verwaltungskraft um die Frauen und Kinder. Sie begleiten die Hilfesuchenden auch etwa zu Gerichtsterminen. Dank der 13 ehrenamtlichen Helfer ist das Klever Frauenhaus Tag und Nacht unter der Notrufnummer 02821/12201 zu erreichen.