„Handy-Nachhilfe“ für Senioren

Sekundarschüler aus Alpen beantworten alle Fragen zur Bedienung von Smart Phones und Laptops

ALPEN. Wer Fragen hat zur Bedienung von Handys oder Laptops, der wendet sich meist an junge Leute. „Sie haben den richtigen Drive, älteren Leuten etwas beizubringen“, ist die Überzeugung von Viktor Illenseer von der Dorfwerkstatt Alpen.

Kurt Wiskur (l.) probiert gleich mal aus, was Luca Gelen ihm am Handy erklärt hat.
NN-Foto: Lorelies Christian

Gemeinsam mit der neuen Nachbarschaftskoordinatorin Sonja Böhm und Kirsten Parbel von der Sekundarschule brachte die Dorfwerkstatt im Rahmen des Projekts „Von Menschen für Menschen“ Senioren und Schüler zusammen, um gemeinsam den Umgang mit dem Handy zu üben. Gleich beim ersten Termin am Mittwoch im Amaliencafé der Evangelischen Kirchengemeinde kümmerten sich neun Schüler (sechs Jungen und drei Mädchen) in Eins-zu-Eins-Betreuung um die Anliegen der Senioren.
„Wie kann ich denn was bei Google suchen und wie kann ich verhindern, dass ich etwas bestelle, was ich gar nicht möchte?“, fragte Kurt Wiskur seinen „jungen Nachhilfelehrer“ Luca Gelen. Dieser zeigte auf dem mitgebrachten Handy, wie man Suchbegriffe eingibt, wie man die Fotos vergrößern kann, um unterschiedliche Modelle miteinander vergleichen zu können. Natürlich tanzten bei ihm die Finger über die Tastatur und blitzschnell kamen die Ergebnisse. Doch er vergaß auch nicht, seinen „Schüler“ einzubinden. „So nun probieren Sie mal selbst aus!“, kam die Aufforderung. Denn eigentlich weiß es jeder, dass man nur durchs Ausprobieren etwas lernen kann – doch genau das ist die Schwierigkeit der Generation, die nicht mit Handys groß geworden ist: Die Unsicherheit, die Sorge, etwas Falsches zu machen. Doch sobald der „Experte“ über die Schulter schaut, klappt es auch, langsamer, aber zielführend.
Der 15-jährige Niklas Rabe hat selbst ein I-Phone und muss sich nun mit dem Smart-Phone von Ursula Bruckmann auch erst einmal auseinandersetzen. „Mein altes Handy war 15 Jahre alt. Doch ich möchte gerne in eine Whats app-Gruppe aufgenommen werden, daher habe ich mir jetzt ein Smart Phone angeschafft“, berichtet sie und ist glücklich über die gute Einweisung durch den Schüler.
Am anderen Tisch wird auch gerade eine Neuanschaffung diskutiert. Die 82-jährige Marianne Gabrys hat bisher ihr Handy mehr als „Notfalltelefon“ betrachtet, doch sie weiß, dass die modernen Geräte mehr können und das will sie doch gerne nutzen. Lutz Wehri kennt solche Fragen, auch bei seiner Oma hat er ein neues Handy eingerichtet und geduldig berät er die Seniorin aus Alpen.
Yoshua hat ebenfalls seinen Großeltern die Vorteile der neuen Medien schmackhaft gemacht. „Wer sich dafür interessiert und damit beschäftigt und immer dabei bleibt, lernt auch schnell den Umgang mit den neuen Geräten“ ist seine Überzeugung. Er vergleicht‘s mit seinem Hobby, dem Mountainbiking. „Ich nenne das ‚jugendlichen Leichtsinn‘, egal ob ich was Neues am Handy ausprobiere oder mal einen Sechs-Meter-Sprung mit dem Rad einübe – einfach machen!“, lacht er und motiviert die Senioren, ebenfalls das Neue unbeschwert zu entdecken.
Karl-Heinz Kohl sieht in dem Austausch mit den jungen Leuten nicht nur eine „Lehrstunde“, sondern freut sich auch über das soziale Miteinander. „Es ist doch schön, wenn wir von den jungen Leuten etwas lernen können und wir miteinander ins Gespräch kommen.“
So sehen es auch die Veranstalter. Kirsten Parbel ist stolz, dass „ihre“ Sekundarschüler so offen auf die Alpener zugehen und gerne helfen. Andere sind auch in der Altenpflege, in der Altentagesstätte und privat bei Senioren als Alltagsbegleiter im Einsatz. Es gibt zwar keine Schulnoten für dieses ehrenamtliche Engagement, aber einen Zusatz aufs Zeugnis.
Nachbarschaftskoordinatorin Sonja Böhm hat gleich eine neue Idee: „Wer ein altes Handy hat, kann es gerne bei mir im Rathaus abgeben. Die persönlichen Daten werden gelöscht, das Handy auf Werkseinstellung zurückgestellt und wir können es an jemanden weitergeben, der noch keins hat.“
Nach so einem Erfolg ist die Frage nach Fortsetzung des „Nachhilfeunterrichts“ berechtigt. Jetzt sind erst einmal Osterferien, dann fällt der Feiertag 1. Mai auf Mittwoch, aber am 8. Mai gibt‘s wieder von 14 bis 15 Uhr eine offene Beratungszeit für jeden, der sich von den jungen Leuten den Umgang mit dem Handy oder Laptop erklären lassen möchte.