Die Skulptur von Paul Schwer wird neben dem Bild von Rudolf Schoofs gezeigt – eine Einladung zur Interpretation.NN-Foto: CDS

GOCH. Wenn am kommenden Sonntag, 31. März, um 11.30 Uhr, die Ausstellung „Alles Museum 2“ in Goch eröffnet wird, dann ist dies eine Schau, die aus den eigenen Beständen des Hauses bestückt ist. Bis zum 9. Juni sind dann Werke von Künstlern zu sehen, die den Zeitraum vom 15. bis zum 21. Jahrhundert abdecken.

„Diese Eigenbestände hat man in ihrer Vielfältigkeit nicht immer im Auge, einige Arbeiten werden eigens für die Ausstellung aus dem Depot geholt“, erzählt Museumspädagogin Jasmin Schöne, die am Sonntag auch wieder das „KidsOpening“ im zweiten Obergeschoss betreut.
„Wir wollen zeigen, dass wir in allen Jahrhunderten von Kunst begleitet werden“, erläutert Museumsdirektor Dr. Stephan Mann die Idee der Ausstellung. Durch eine ungewöhnliche Zusammenstellung könne man Akzente setzen, neue Ideen und Sichtweisen fördern

Die ausgewählten Kunstwerke sollen quasi in einen Dialog treten, in dem sie eine neue räumliche und his­torische Zuordnung erfahren. So wie die aus Plastik bestehende Schmelzbox des deutschen Bildhauers Gereon Krebber, die neben dem Holzrelief „Heimsuchung“ aus dem 16. Jahrhundert zu sehen sein wird. Hier gehe es in beiden Fällen um Raum, den der Betrachter zu ergründen versuche, so Mann.

Noch nie öffentlich gezeigt wurde eine Serie von Offsetlithographien aus dem Nachlass von Rudolf Schoofs. Der gebürtige Gocher nahm 1977 an der documenta in Kassel teil. Das Museum präsentiert fünf dieser signierten Offsetlithographien aus den 1970er-Jahren, bei denen Schoofs ein Motiv farblich variiert hat. Was genau es darstellt, ist nicht ganz klar, aber: „Schoofs war ein sehr politischer Mensch, der sich auch staatskritisch auseinandergesetzt hat“, sagt Dr. Mann, „es könnte der Rohbau eines Atomreaktors sein, das würde in die Zeit passen.“

Gezeigt werden zudem graphische Blätter des deutsch/schweizerischen Künstlers Alphonso Hüppi, der dem Museum Goch eine umfangreiche Schenkung graphischer Arbeiten aus den Jahren 1961 bis 2001 gemacht hat. Aus der Ausstellung „Wirklichkeit jetzt“ stammt die Videoprojektion der Künstlerin Johanna Reich. In ihrer Arbeit „Water on Asphalt“ tupft sie mit einem Pinsel Wasser auf den Asphalt, der Tropfen spiegelt durch spezielle Kameratechnik dreidimensional Bäume und Himmel wider. „Kunst ist Schöpfung, das Unsichtbare sichtbar machen, ist ein grundlegendes Anliegen“, erklärt Dr. Mann, „das Video ist unspektakulär, aber gleichzeitig unglaublich poetisch.“

Von Eckhard Etzold stammt das Kunstwerk „Gobi Flag“ im Entree des Erdgeschosses. Er setzt sich mit der Präsentation von Artefakten auseinander. Die amerikanische Original-Flagge hängt in einem Glaskasten im New Yorker Naturkunde-Museum und stammt von einer Expedition, die 1921 in der Wüste Gobi eigentlich auf der Suche frühen menschlichen Skeletten war, dann aber auf Dinosuarierknochen stieß. Etzold hat die Flagge fotografiert und anschließend gemalt. „Er hinterfragt die Art und Weise, wie Dinge im Museum präsentiert werden; die Flagge wird zum Kunstwerk und man glaubt, ein Stück dieses historischen Momants eingefangen zu haben“, beschreibt Dr. Mann den Ansatz, den Etzold verfolgt.

Die gezeigten Objekte stünden stellvertretend für das Werk des jeweiligen Künstlers: „Unsere Sammlung soll mit dem Haus und mit der Stadt zu tun haben, deshalb sammeln wir aus unseren Ausstellungen heraus“, erläutert Dr. Mann, „das schafft eine Identifiaktion mit Goch.“

Weitere Infos: www.museum-goch.de