Wunschschulplatz
Der Diskussion stellten sich neben Vertretern der Parteien auch Bürgermeister Sven Kaiser (zweiter von links) und Schuldezernent Helmut Holla (dritter von links). NN-Foto: Dickel

GELDERN. Der Aufschrei der Gelderner Eltern, die ihr Kind auf ein Gymnasium schicken wollen, ist groß: Der Schulausschuss hat in der vergangenen Woche beschlossen, dass beide Gymnasien (Friedrich-Spee-Gymnasium und Lise-Meitner-Gymnasium) bei der Dreizügigkeit bleiben sollen. Bei insgesamt 190 Anmeldungen an beiden Schulen würde die Klassenstärke dann bei 31 Schülern liegen. Zudem müssten einige Schüler auf ihren Wunschschulplatz verzichten.

Um die Sachlage den Eltern zu erläutern, hatte Karl Kirchhart, Schulleiter des Friedrich-Spee-Gymnasiums, zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Die Stühle im Forum, in dem die Veranstaltung stattfand, waren bis auf den letzten Platz besetzt. Knapp 240 Eltern, Schüler und Lehrer waren gekommen, um zu erfahren, wie es im kommenden Schuljahr mit den neuen fünften Klassen weitergehen wird.

Zu Beginn erläuterte Bürgermeister Sven Kaiser deshalb die Sachlage. Derzeit gibt es 126 Anmeldungen für das Friedrich-Spee-Gymnasium und 64 Anmeldungen für das Lise-Meitner-Gymnasium: „Fakt ist, dass alle Gelderner Schüler ein Gelderner Gymnasium besuchen können“, informierte Kaiser. Durch die vorgegebene Dreizügigkeit müssten die Klassen jedoch mit einer Stärke von 31 Schülern starten und einige Schüler anstatt aufs Friedrich-Spee aufs Lise-Meitner gehen. Die Zügigkeit der Schulen wurde im Rahmen der Gründung der Gesamtschule beschlossen. Hier wurde festgelegt, dass beide Gymnasien dreizügig fahren sollen. Im Schulausschuss hatten vier Ausschussmitglieder der SPD deshalb für eine Überhangsklasse am Friedrich-Spee gestimmt, neun Politiker jedoch dagegen.

Befürchtung: Sinkende Anmeldezahlen der Gesamtschule

Michael Cools, Fraktionsvorsitzender der CDU, erklärte, „dass die Politiker zuständig für die gesamte Gelderner Schullandschaft“ seien und deshalb für die Dreizügigkeit gestimmt hätten und gegen eine Überhangsklasse. Mit der Zustimmung zu einer Überhangsklasse sehe man den dauerhaften Fortbestand der Gesamtschule gefährdet: „Wir möchten dauerhaft eine vielseitige Schullandschaft in Geldern und möchten keine Parallelen im Anmeldeverfahren zu der ehemaligen Sekundarschule, denn das wäre das Todesurteil für die Gesamtschule“, so Cools, der befürchtet, dass auch die Anmeldezahlen der Gesamtschule dann rückgängig werden könnte.

Ein Vater forderte die anwesenden Politiker auf, den Eltern die Entscheidung zu überlassen, ob es eine Überhangsklasse geben soll: „Wir wollen eine siebte Klasse, also lasst uns selbst entscheiden.“ Eine anwesende Lehrerin wies zudem auf die Problematik der Kinder hin, die im späteren Schulverlauf sitzen bleiben könnten: „In der fünften Klasse kann noch niemand sitzen bleiben, die Sitzenbleiber der sechsten Klasse müssten allerdings, aufgrund der Klassenstärke, die nicht überschritten werden darf, die Schule wechseln.“

Helmut Holla, Schuldezernent der Stadt Geldern, wies auf die Bandbreite der Klassenstärke hin, wo nach 25 bis 29 Kinder (plus/minus zwei) in den Klassen unterrichtet werden dürften. In der Vergangenheit habe man die verschiedenen Anmeldezahlen am Lise-Meitner und am Friedrich-Spee immer gut aufteilen können (bis auf das letzte Jahr). Ziel sei deshalb auch in diesem Jahr, wieder eine gute Aufteilung zu ermöglichen. Ein Vater sah in der Entscheidung der Politiker einen Zuspruch an die Gesamt- und Realschule: „Deckelt die Zahlen bei den Gymnasien mal besser, wer weiß, wie die Gesamtschule und Realschule angenommen werden“, machte er seinem Unmut Luft.

Entscheidung fällt in Ratssitzung am 9. April

Dass es schlechte Erfahrungen mit den Anmeldezahlen der Sekundarschule gegeben hatte, sei Fakt, so Holla: „Natürlich müssen deshalb auch andere Schulformen Kompromisse machen, um diese Erfahrung bei der Gesamtschule nicht zu wiederholen.“ Dass ausschließlich die beiden Gymnasien deshalb aber das Nachsehen hätten, wies Kaiser vehement zurück: „Es stimmt einfach nicht, dass die Gymnasien benachteiligt werden – in der Realschule werden zum Beispiel im kommenden Schuljahr auch 31 Kinder pro Klasse sitzen, und hier sind noch sechs Förderkinder mit dabei.“

Wie komplex das Thema ist, erläuterte auch Dr. Wilfried Bentgens vom Dezernat 43 von der Bezirksregierung Düsseldorf: „Ich habe zwar eine Empfehlung gegeben, dass eine Überhangsklasse gebildet werden soll, die Entscheidung obliegt aber der Stadt und einem anderen Dezernat.“ Ein Vater bat daraufhin die Politiker zu bedenken, dass es bei der Entscheidung lediglich um eine Entscheidung für das kommende Schuljahr gehe und diese nicht dauerhaft sei.

Eine endgültige Entscheidung wird der Rat in seiner Sitzung am 9. April fällen.