BatmanNRW: Der dunkle Ritter wohnt am Niederrhein

Aus seiner wahren Identität macht der Fledermausmann ein großes Geheimnis

NIEDERRHEIN. „Wer ist Batman?“ Diese Frage bewegt die Popkultur, seit Zeichner Bob Kane und Autor Bill Finger den mysteriösen Fledermausmann im März 1939 in sein erstes Abenteuer schickten. Viele Comics, Fernsehserien und Kinofilme später weiß die Fangemeinde in aller Welt: Batman ist die zweite Identität des Milliardärs Bruce Wayne, der in seiner fiktiven Heimatstadt Gotham City für Gerechtigkeit sorgt.

 Dieser Batman stammt nicht aus einer Hollywood-Produktion, sondern ist am Niederrhein heimisch. Wo „BatmanNRW“ ehrenamtlich auftaucht, ist jedes Mal eine Überraschung. NN-Foto: G. Seybert

Seit einiger Zeit taucht Batman aber auch immer öfter in Nord-rhein-Westfalen auf. Mehrfach wurde er im Centro Oberhausen gesichtet, am vergangenen Sonntag auch beim Bambini-Treff des SV Viktoria Winnekendonk in einer Sporthalle in Kevelaer. Und auch dort fragten sich die erstaunten Kinder und Eltern gleichermaßen: „Wer ist dieser Batman?“
Nur so viel darf verraten werden: Der dunkle Ritter, der unter dem Namen „BatmanNRW“ auf Instagram die Bilder seiner spontanen Ausflüge postet, wohnt in einer niederrheinischen Kleinstadt. Mehr will der Mittdreißiger nicht von sich preisgeben: „Wenn alle wissen, wer ich bin, ist das große Mysterium um Batman verschwunden.“ Lediglich seine Familie und der engste Freundeskreis wissen, wer unter der Maske steckt: „Die sagen, ich habe einen Vollschaden, aber andererseits finden sie die ganze Aktion auch total geil.“
Seit seiner frühesten Kindheit ist BatmanNRW dem großen Vorbild aus Gotham City verfallen. Die Fernsehserie mit Hauptdarsteller Adam West war ein herrliches Vergnügen, doch erst der von Christian Bale gespielte Rächer in Christopher Nolans finsterer „The Dark Knight“-Trilogie (2008-2012) prägte ihn so nachhaltig, dass er auf dessen Spuren wandeln wollte.
Nach intensiver Recherche im Internet fand er eine Spezialfirma in den USA, die ihm für mehr als 3.000 Euro die schwarze Rüstung samt Cape und Maske auf den 1,84 Meter großen Leib schneiderte. Anfang 2018 trafen die vielen Einzelteile am Niederrhein ein und wurden, direkt am Körper, zwei Wochen lang mit 78 Grad heißem Flüssigleim zusammengesetzt: „Das hat mich viel verbrannte Haut und viele ausgerissene Körperhaare gekostet.“
Doch der Einsatz zahlte sich schnell aus: „Wenn ich Lust habe, fahre ich mit meiner Assistentin einfach irgendwo hin und lasse Batman im öffentlichen Raum auftauchen. Meistens komme ich dann nur noch mit Security zurück zum Auto, weil sich riesige Menschentrauben um mich herum bilden und alle ein Foto mit Batman machen wollen.“
Man kann BatmanNRW nicht buchen. Wo immer er auftaucht, nimmt er weder Honorare noch Trinkgeld: „Ich verdiene gut in meinem eigentlich Job. Die Batman-Sache mache ich aus Spaß und für mein Karma. Wenn ich in die Augen der Kinder schaue oder auch in die Augen der Eltern, die sehen, wie ihre Kinder ausflippen, weil sie ihr großes Idol Batman treffen… das ist mit Geld nicht zu bezahlen.“
Doch worin liegt die Faszination dieser Figur? „Batman ist nicht nur eine Figur, sondern eine Institution“, betont BatmanNRW. „Er steht für die Message: Setze Dich für andere Menschen ein! Hilf‘ denen, die es im Leben nicht leicht haben! Batman macht das, ohne dass er dafür Ruhm erwartet. Schließlich weiß ja niemand, wer er ist.“
Ob Jungen, Mädchen, Männer oder Frauen: Jede Gruppe reagiert anders, wenn sie unverhofft auf den dunklen Ritter trifft. „Die Kinder zucken erstmal zusammen, wenn ich sie mit tiefer Stimme frage, ob sie denn auch lieb waren. Dann weicht die Angst der puren Begeisterung. Die Frauen schmiegen sich gern an den Körper des starken Batman, während die Männer gern die Faust hochhalten und sich mit Batman in kämpferischer Pose fotografieren lassen. Da schwingt die Faszination mit, die schon die Band Die Ärzte besungen hat: ,Batman, am Tag ein Playboy und nachts ein Rächer.‘“
Die Rolle als BatmanNRW erfordert vollen Körpereinsatz: So geht er mehrmals pro Woche ins Fitnesstudio, damit die 15 Kilogramm schwere Rüstung immer einwandfrei sitzt. Und vor jedem Ausflug muss der gepflegte Drei-Tage-Bart aus dem Gesicht weichen, damit das Kinn glattrasiert zum Vorschein kommt.
Für die Zukunft hat der dunkle Ritter vom Niederrhein noch viele Pläne: Er möchte Polizisten bei der Verkehrserziehung in Grundschulen helfen, Kinderstationen in Krankenhäusern besuchen oder – unterstützt durch einen befreundeten Piloten – überraschend mit dem Hubschrauber an Orten landen, an denen viele Kinder spielen oder feiern.
BatmanNRW gibt weder Telefonnummer noch Mailadresse preis, empfiehlt aber Instagram: „Da bin ich komplett anonym, aber trotzdem erreichbar.“