Mehr Röhrichte an Ufern für eine biologische Vielfalt

Naturschutzzentrum Kreis Kleve informiert über Projekt „Lebendige Röhrichte“

REES. Ein Blick von oben auf den Bienener Altrhein zeigt: Die Röhrichtflächen sind im Zeitraum von 1995 bis heute massiv zurückgegangen. „Die Röhrichte haben zu insgesamt 57 Prozent abgenommen. Die Rohrkolben sind sogar zu 96 Prozent fast komplett am Altrhein verschwunden“, sagt Diplom-Biologe Martin Brühne vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve. Dabei sind Pflanzenbestände, die am Ufer von Gewässern wachsen, auch genannt Röhrichte, wichtig für die biologische Vielfalt. Das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve führt deshalb das EU-Life-Projekt „Lebendige Röhrichte – Reeds for Life“ durch. In einer Auftakt-Veranstaltung am Freitag, 29. März, ab 10.30 Uhr im Bürgerhaus Rees-Bienen erläutert das Naturschutzzentrum alles Wissenswerte zum Projekt.

„Reeds for Life“-Projektleiter Martin Brühne sowie Johanna Bohle und Bettina Blöß vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve wollen die Anzahl an Röhrichten wieder steigern. NN-Foto: SP

Gestartet ist das von Landesmitteln, der EU, mehreren Stiftungen, vom Deichverband und vom Naturschutzzentrum selbst finanziell unterstützte Projekt „Lebendige Röhrichte – Reeds for Life“ bereits im Juli vergangenen Jahres. Die Arbeit begann aber schon wesentlich früher. „Wir mussten uns für das Projekt ja bewerben und dazu mussten wir erstmal mit dem Projekt beginnen“, sagt Brühne.

Mitte 2015 pflanzte das Forschungs-Team Röhrichte am Altrhein an. Sie wurden auf jeweils einem Quadratmeter eingezäunt und begannen in dieser sicheren Umgebung tatsächlich an zu wachsen. Nahmen die Forscher einen Zaun um die mittlerweile schon stattlich in die Höhe angewachsenen Röhrichtplanzen auf einem Quadratmeter weg, war innerhalb von sieben Tagen die komplette Anpflanzung weg. Mit Hilfe von Kameras und Filmaufnahmen fand das Team auch den Grund dafür: Ein Nutria, auch Biberratte genannt, hatte alle Röhrichte weggefressen. Dies passierte auch mit weiteren Anpflanzungen, sobald die sichere Umzäunung wegfiel.

„Die Röhrichtverluste wirken sich auf eine Vielzahl von wertvollen und teils sehr seltenen Arten, die mit diesem Lebensraum verbunden sind, negativ aus“, sagt Brühne. Dazu gehören laut dem Diplom-Biologen etwa der Schilfkäfer, im Gewässerboden lebende Weichtiere sowie die Schmetterlingsart Schilfeule. Auch die vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe und die in Deutschland gefährdete Fischart Bitterling sei betroffen.

Neben den Röhrichten sei zudem auch die Schwimmblattvegetation von einem starken Rückgang betroffen. „Die bekannte Weiße Seerose ist fast vollständig verschwunden“, sagt Brühne und ergänzt: „Auch für diese Pflanzen muss daher von einem negativen Einfluss durch die Nutria ausgegangen werden.“

Um sowohl die Schwimmblattvegetation als auch die Anpflanzung Röhrichtarten wie Schilf oder Rohrkolben, wieder zu bestärken, sind im Rahmen des Projektes „Lebendige Röhrichte – Reeds for Life“ verschiedene Maßnahmen geplant. So sollen ausgewählte ehemalige Röhrichtstandorte wieder durch Gehölzrodungen freigestellt werden. Außerdem wird eine fraßgeschützte Initialpflanzung von Röhrichten angestrebt. Durch eine dynamischere Gestaltung der Wasserstände am Bienener Altrhein und Millinger Meer soll zudem die natürliche Keimung von Röhricht-Samen ermöglicht werden. Eine wichtige Maßnahme wird allerdings die Kontrolle der Nutria sein. „Um die Beseitigung des Nutrias im Schutzgebiet zu erreichen, stellt das Fangen und Töten derzeit die einzige effektive und zugleich tierschonende Methode dar“, sagt Brüning. Mit Lebendfallen soll der Nutria gefangen werden und anschließend von einem Jäger getötet werden. Das tote Tier werde anschließend aber weiter verwertet, zum Beispiel im Zoo an Tiere verfüttert. Außerdem solle das Fell weiterverarbeitet werden. Eine andere Möglichkeit die Nutriapopulation zu beseitigen und die weitere Zuwanderung des Tieres, das seinen natürlichen Lebensraum ohnehin nicht am Altrhein hat, zu unterbinden gebe es nicht, sagt Brühne.

Zum Projekt gehört auch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Rahmen findet auch die öffentliche Auftaktveranstaltung am Freitag, 29. März, ab 10.30 Uhr im Bürgerhaus Rees-Bienen statt. Das Ende ist gegen 14.30 Uhr. Ein Mittagessen ist inklusive. Der Eintritt ist frei.