„Sönke Wortmann war in den 70er Jahren mein Volontär beim Pferderennsport“

Werner Hansch leiht dem zweiten Niederrhein Filmfestival seine Stimme

NIEDERRHEIN. „Werner Hansch gilt als die Stimme des Ruhrpotts“, adelte „Die Zeit“ den legendären Sportreporter Werner Hansch. Jetzt ist der 80-Jährige auch „die Stimme des Nieder-rhein Filmfestivals“, das am 22. und 23. März im Scala Kulturspielhaus Wesel stattfindet. Im Interview mit den Niederrhein Nachrichten spricht Werner Hansch über Filme, Fußball und seine eigene (eher unbekannte) Leinwandkarriere.

Vom Sport zum Kino: Werner Hansch unterstützt das Nieder-rhein Filmfestival
NN-Foto: Scholten

Wie wurden Sie zur „Stimme des Niederrhein Filmfestivals“?

Werner Hansch: Ich kenne den Weseler Unternehmer Frank Schüring. Er hat wiederum die Verbindung zu Karin Nienhaus vom Scala Kulturspielhaus hergestellt, die mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, das Nieder-rhein Filmfestival zu unterstützen. Das mache ich gern, weil ich das Scala und sein Konzept sensationell finde. Ich habe einen Werbespot für das Festival eingesprochen und im Scala auch einen tollen Abend verbracht. Da haben ältere Herren Musik gemacht und das Publikum gut unterhalten. Frau Nienhaus weiß dass sie mich gern wieder anrufen darf, wenn sie das Gefühl hat, dass ich helfen kann.

 

Was wissen Sie über das Niederrhein Filmfestival?

Werner Hansch: Nicht allzu viel. Es werden Kurzfilme gezeigt, und ich soll einen der besten bei der Preisverleihung auszeichnen. Ich lasse mich da mal überraschen.

Ganz Deutschland kennt Sie als Sportreporter. Dabei waren Sie auch als Schauspieler aktiv, zum Beispiel in Kultfilmen wie Peter Timms „Rennschwein Rudi Rüssel“ und Sönke Wortmanns „Kleine Haie“.

Werner Hansch: Das waren sehr kleine Rollen, meist als Moderator oder Kommentator. Sönke Wortmann hat mich gefragt, weil er mich noch aus der Zeit kannte, als er mein Volontär war. Das war in den 70er Jahren, als ich im Pferderennsport gearbeitet habe. Bei Wortmann war die Situation so, dass er ein sehr begabter Fußballspieler war, aber nicht wusste, ob es für die Profilaufbahn reicht. Daher wollte er nach dem Abitur einen Job haben, bei dem er nebenbei auch Fußball spielen kann. So landete er bei mir und schrieb für die Zeitung, die zu jedem Renntag erschien, über Pferde und Jockeys. Ich habe ihn zwei Jahre lang betreut, als er Volontär war, und dann noch ein Jahr als Redakteur.

Dann begann seine Karriere als Regisseur von Komödien wie „Allein unter Frauen“, „Kleine Haie“ und „Der bewegte Mann“.

Werner Hansch: …und ich habe mich gefreut, dass er weiterhin an meinem Rat interessiert war. Ich bekomme bis heute Einladungen zugeschickt, wenn einer seiner Filme Premiere feiert.

Wie gefielen Ihnen Sönke Wortmanns Fußball-WM-Filme „Das Wunder von Bern“ und „Deutschland: Ein Sommermärchen“?

Werner Hansch: Das waren ganz sicher zwei Höhepunkte in Sönke Wortmanns Filmschaffen – und das meine ich nicht nur aus kommerzieller Sicht. Auch in einem Film kann man über Fußball sehr viele Emotionen transportieren. Es gibt nicht wenige Leute, die behaupten, dass die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland überhaupt erst mit dem WM-Sieg im Jahr 1954 begann. Und diese Stimmung hat „Das Wunder von Bern“ großartig rübergebracht. Der Fußball-Sport steht in der Mitte der Gesellschaft, er ist ein Treffpunkt für politische und wirtschaftliche Prominenz, aber auch für den kleinen Mann. Natürlich beobachtet man auch bei einer Handball-WM starke Emotionen, aber das ist nur Event-Patriotismus, der schnell wieder vorbei ist. Danach spielen sie wieder auf den Dörfern.

Sind Sie privat ein Kinofan?

Werner Hansch: Ich renne nicht in die Kinos, aber ich schaue mir gern einen guten Film an. Man bekommt ja auch im Fernsehen viel geboten. Erst neulich habe ich wieder diese herrliche Klamotte „My Fair Lady“ in Originalbesetzung mit Audrey Hepburn und Rex Harrison gesehen.
Krimis schaue ich dagegen überhaupt nicht. Vor allem keinen „Tatort“ oder so einen Kram.