Stolpersteine erinnern an vertriebene jüdische Schüler

Die Verlegung mit abschließender Veranstaltung ist am kommenden Sonntag

KLEVE. Kurt Sucher war ein guter Schüler. „Er hatte ein Zeugnis voller Zweien. Das in den 1930er Jahren wirklich nur ganz selten“, sagt Nils Looschelders, Geschichtslehrer am Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Weil Kurt Sucher aber Jude war, wurde er gezwungen 1933 die Schule zu verlassen. Sein Wunsch, Medizin zu studieren, erfüllte sich nicht. „Seine Tochter Patricia sagt, dass es ihn immer wieder geärgert hat, dass er die Schule verlassen musste“, sagt Looschelders. Am kommenden Sonntag bekommt Kurt Sucher einen von insgesamt 15 Stolpersteinen, die ab 15 Uhr an der Lindenallee, Brabanterstraße und Römerstraße verlegt werden.

Historikerin Helga Ullrich-Scheyda, Ron Manheim, Nils Looschelders und Edmund Verbeet im Foyer des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums. NN-Foto: SP

Stolpersteine sollen an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Familie Sucher war eine von vielen Familien, die dieses Schicksal ereilte. Die Eltern Leon und Berta Sucher wurden 1941 deportiert und ermordet. Sohn Alfred, der 1932 noch sein Abitur am damaligen Klever Gymnasium (heute das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium) ablegte, ein Jura-Studium aber aufgrund seiner jüdischen Herkunft aber ablegen musste, konnte 1938 in die USA auswandern, Sohn Kurt 1939 nach England.

Durch einen Zufall gelang es Nils Looschelders Kurt Suchers Tochter Patricia in England ausfindig zu machen. „Ich habe im Internet nach Kurt Sucher gesucht und bin dabei auf seine Tochter gestoßen. Sie habe ich einfach mal angeschrieben und gleich eine Antwort erhalten“, berichtet Looschelders. Sie wird bei der Stolperstein-Verlegung am kommenden Sonntag sogar aus England anreisen. „Meine Schüler bereiten gerade ein Kurz-Interview mit ihr auf Englisch vor. Ihr Wunsch war es, selbst etwas sagen zu dürfen“, sagt Looschelders.

Neben den vier Stolpersteinen für die Familie Sucher, die an der Brabanter Straße 24 verlegt werden, erhalten noch die Mitglieder zweier weiterer Familien Stolpersteine zur Erinnerung an sie. Alle verbindet dabei nicht nur das Schicksal der Verfolgung, sondern auch der schulische Aspekt. „Wir haben bei der Verlegung der Stolpersteine ja immer ein verbindendes Thema. In diesem Jahr ist das Schule. Es sind viele jüdische Schüler des damaligen Klever Gymnasiums dabei, die verwiesen oder gar nicht erst aufgenommen wurden“, sagt Edmund Verbeet.

Die Stolperstein-Verlegung fängt am kommenden Sonntag um 15 Uhr an der Lindenallee 6 an. Ron Manheim, Vorsitzender des Vereins BethHA Mifgash, hält eine Begrüßungsrede. Der Chor „By Heart“ begleitet die Zeremonie zudem musikalisch. Bis 16.15 Uhr werden weitere Stolpersteine an der Lindenallee 19, Brabanterstraße und Römerstraße. Insgesamt erinnern in der Klever Stadt dann 83 Stolpersteine an jüdische Mitbürger.

Die Verlegung wird von Schülern der Q1 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums begleitet. Um 16.15 Uhr findet im Foyer des Gymnasiums eine Abschlussveranstaltung statt, in der auch Bürgermeisterin Sonja Northing ein Grußwort sprechen wird. Die Schüler haben zudem noch einen Vortrag mit Bildern zur Geschichte des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums sowie ein fiktives Hörspiel, das in den Jahren 1934 und 1935 spielt, vorbereitet.