Und still ruht die Baustelle – doch wann werden die Arbeiten am Emmericher Neumarkt fortgesetzt? Nach dem Abzug des Baggers stehen die Zeichen zunächst einmal wieder auf Stillstand. Allerdings verspricht der Investor: Die Vorbereitungen für die Hochbauarbeiten sollen „umgehend“ starten. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

EMMERICH. Ein weiterer Rückschlag für das Projekt Neumarkt: Am Montag hat der Generalunternehmer, die NSG aus Nordhorn, den Vertrag mit Investor Josef Schoofs gekündigt. Dieser will das Projekt nun „mit hauseigenen Kapazitäten in Einzelausschreibung“ umsetzen. Denn diese Vorgehensweise entspreche „unserer Kernkompetenz, welche durch Realisierung von mehr als 300 SB-Märkten, Geschäftshäusern und Fachmarktzentren unter Beweis gestellt ist“.

Doch weshalb hat die NSG überhaupt den im August vergangenen Jahres mit Schoofs geschlossenen Vertrag gekündigt. „Herr Schoofs hat uns hingehalten“, sagt der zuständige Projektleiter – und das seit Mitte September, als eine Vorauszahlung hätte fließen sollen. „Seitdem betreibt Herr Schoofs ein Zeitspiel“, kritisiert der Projektleiter. Erst in der vergangenen Woche seien zugesagte 25.000 Euro wieder nicht geflossen. So sei der NSG inzwischen ein hoher finanzieller Schaden entstanden. Zur Kündigung habe man sich schließlich entschlossen, als Schoofs eine Bankbürgschaft für das Projekt nicht beigebracht habe.

In der offiziellen Stellungnahme von Schoofs liest sich dies so: „Aufgrund aktueller Vorkommnisse und überraschender Entwicklungen ist eine Zusammenarbeit zwischen der Schoofs-Gruppe und dem Generalunternehmer zu zumutbaren sowie vertrauensvollen Bedingungen nicht mehr möglich.“

Diese Entwicklung hat auch die Verwaltung kalt erwischt. „Es gab keine Anzeichen, dass es dazu kommen würde“, sagt Stadtpressesprecher Tim Terhorst. „Die Kündigung des Generalunternehmers hat uns auch überrascht.“ Zwar habe man Anfang des Jahres von „Unstimmigkeiten zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer“ erfahren. „Wir haben daraufhin Kontakt zu beiden Parteien aufgenommen, und uns wurde versichert, das sei alles ausgeräumt“, berichtet Terhorst. Auch bei der jüngsten Baubesprechung habe es keine entsprechenden Anzeichen gegeben.

Und wie soll es nun weitergehen? „Wir müssen jetzt damit umgehen“, sagt Terhorst ganz pragmatisch. Bürgermeister Peter Hinze habe Schoofs für kommenden Dienstag zu einem Gespräch gebeten, anschließend wolle er mit den Fraktionen sprechen. Man geht im Rathaus weiterhin davon aus, dass im Mai 2020 das neue Gebäude am Neumarkt steht. „Herr Schoofs hat ja in seiner Pressemitteilung gesagt, dass er die vertraglichen Vereinbarungen einhalten will – also auch die Baufertigstellung im Mai 2020.“ Tatsächlich teilt Schoofs in dem Schreiben mit: „Nach wie vor sehen wir die Fertigstellung 24 Monate nach Baubeginn als möglich an.“

Doch wird diese mit Edeka als Ankermieter erfolgen oder doch mit Rewe, wie zuletzt spekuliert wurde. Bereits in der Vorwoche hatte Schoofs auf Anfrage der NN mitgeteilt: „Die Umsetzung mit Edeka kann jedoch nur dann erfolgen, wenn die zuständige Genehmigungsbehörde dies positiv bescheidet. Von daher erfolgt aktuell die Abstimmung, wie die Inhalte einer vertraglichen Fixierung mit Edeka mit dem bestehenden Baurecht in Einklang stehen.“

Nun befürchten viele in Emmerich, dass eine Änderung des Bebauungsplanes notwendig und sich damit das ganze Vorhaben weiter um Monate verzögern wird. Dazu erläutert Terhorst: „In der Passage des Durchführungsvertrages, auf die sich Herr Schoofs bezieht, sind bestimmte Sortimente festgelegt, denen Quadratmeter-Zahlen zugeordnet sind. Beim Konzept mit Edeka und den weiteren Geschäften können diese Quadratmeter-Zahlen nicht ganz eingehalten werden, deshalb muss der Durchführungsvertrag geändert werden. Das ist aber nur eine Formalie und für uns nichts Ungewöhnliches.“

„Das EHK muss für die Edeka-Variante nicht angepasst werden“

Fakt ist: Der Durchführungsvertrag ist Teil des Bebauungsplanes, so dass auch dieser geändert werden muss. Dann kommt auch die Politik wieder ins Spiel, bis hin zur Bezirksregierung. Allerdings, beruhigt Terhorst: „Da es sich um einen relativ marginalen Eingriff handelt, können wir uns nicht vorstellen, dass es seitens der Bezirksregierung große Bedenken gibt.“ Und einer Spekulation schiebt Terhorst nachdrücklich einen Riegel vor: „Eine Anpassung des Emmericher Einzelhandelskonzeptes ist nicht vonnöten.“

Investor Schoofs hat derweil angekündigt: „Nunmehr starten umgehend alle für die Umsetzung der Hochbauarbeiten erforderlichen Vorbereitungen durch ein im Hause Schoofs dafür abgestelltes Baumanagement-Team.“