„Notfalldosen“ verschaffen den Rettern einen Zeitvorteil

Die Stadt Xanten griff eine Initiative der Labbeckerin Gabi Paersch auf

XANTEN. Die Idee ist so einfach wie effizient: Eine Plastikdose, die im Kühlschrank steht, enthält auf einem Zettel alle Informationen über Vorerkrankungen und Dauermedikationen eines Menschen, der zu Hause einen Notfall erleidet und nicht ansprechbar ist. Die Retter können sofort nachlesen, was sie für die Erstversorgung des Patienten benötigen, und verlieren keine Zeit durch die Suche nach Patientenunterlagen. Zwei kleine Aufkleber, befestigt an der Wohnungstür und am Kühlschrank, weisen die Ersthelfer gut sichtbar auf diese „Notfalldose“ hin.

Gabi Paersch (vorne rechts) brachte Bürgermeister Thomas Görtz (hinten links) auf die Idee zur Notfalldose für Xanten. Michael Verhalen, Fachbereichsleiter Soziales und Beratung, und Petra Post verschenken das wichtige Hilfsmittel künftig im Rahmen ihrer Pflegeberatung NN-Fotos: Michael Scholten

Gabi Paersch, Initiatorin des Pflegetreffs Sonsbeck/Xanten und Vorsitzende des Kreisverbandes Kleve der Seniorenvertretung des Bundes der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen, erfuhr im November von der Existenz solcher „Notfalldosen“. Begeistert schrieb die pensionierte Mathe-und-Physik-Lehrerin aus Labbeck einzelne Bürgermeister im Kreis Wesel an.
Xantens Bürgermeister Thomas Görtz war der erste, der Gabi Paersch ins Rathaus einlud. Beim Pressetermin sprach Görtz jetzt von einer „super Idee“, die auch Michael Verhalen, Fachbereichsleiter Soziales und Beratung, und Petra Post, zuständig für Renten und Pflege, überzeugte. Die Stadt Xanten hat über die Internetseite www.notfalldose.de zunächst 50 Exemplare bestellt und wird sie nun im Rahmen von Gesprächen der Pflegeberatung an Betroffene und Angehörige verschenken.

„Wenn ich ältere Bürgerinnen und Bürger besuche, um ihnen zum Geburtstag zu gratulieren, höre ich, dass viele bewusst in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben möchten“, sagt Thomas Görtz. Umso wichtiger sei es, dass gerade allein lebende Senioren alle elementaren Informationen über ihren Krankheitsstand und ihre Medikamente auf eine Weise hinterlegen, dass sie im Notfall sofort auffindbar sind.
„Jeder hat einen Kühlschrank in der Küche“, erläutert Gabi Paersch die (auf den ersten Blick ungwöhnlich wirkende) Idee, die lebenswichtigen Daten zwischen Joghurt, Käse und Aufschnitt zu deponieren. Zugleich empfiehlt Gabi Paersch, das „Notfallinfoblatt“, das ausgefüllt in die Plastikdose gesteckt wird, als Kopie auch in der Handtasche oder Manteltasche zu tragen, falls es beim Einkaufen oder Spaziergang zu einem unerwarteten Notfall kommen sollte.
Die Stadt Xanten will nun auch gezielt die lokalen Rettungskräfte informieren, bei künftigen Einsätzen gezielt auf „Notfalldosen“ in den Wohnungen und Häusern der zu versorgenden Personen zu achten.
„Jeder kann die Notfalldose für einige Euro im Internet bestellen“, sagt Michael Verhalen. Doch der Fachbereichsleiter Soziales und Beratung möchte sie verschenken, um einen weiteren Anreiz zu schaffen, die Pflegeberatung im Rathaus zu nutzen. Termine können unter Telefon 02801/772-202 (Petra Post) oder 02801/772-249 (Michael Verhalen) vereinbart werden.
„Wir schätzen den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern“, sagt Michael Verhalen. Die Kommune bietet die Pflegeberatung seit circa sieben Jahren an und schließt damit eine Lücke, die „eigentlich“ Sache der Pflegekassen sein sollte, aber von diesen nur halbherzig betrieben wird. „Wir erhalten dafür eine Personalkostenerstattung“, informiert Bürgermeister Thomas Görtz.

In der Notfalldose steckt ein Infoblatt mit allen Informationen über einen Patienten.