„Et löpt“ in Kleve, aber wer ankommen will, muss warten

Der Klever Kabarettist Ludger Kazmierczak blickte auf das Jahr 2018 zurück

KLEVE. Kann der Karneval mit der Politik etwas gemeinsam haben? Wenn es nach dem Klever Kabarettisten Ludger Kazmierczak geht, dann schon. „Theo Brauers Amtszeit war eine einzige Session“, sagte Kazmierczak. Der Bürgermeister a.D. habe aus jeder Rede eine Büttenrede gemacht. Mit „Et Sonja“, deren Redetechniken noch nicht so ausgereift seien, seien diese Zeiten jedoch vorbei. Trotzdem halte sie sich wacker im Rathaus. „Et löpt“, urteilte Kazmierczak.

Ludger Kazmierczak verpackte das (Klever) Geschehen der vergangenen zwölf Monate in seinem Programm „Von oben herab“ in Wortwitz und umgetexteten Liedern. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Der Klever WDR-Korrespondent für die Niederlande unterhielt bei der Premiere seines mittlerweile fünften Klever Jahresrückblicks im Klever Aussichtsturm am vergangenen Sonntagabend rund 80 Gäste und bescherte ihnen einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend – übrigens der erste von insgesamt 23 bereits ausverkauften Abenden. Kaczmierzak konnte die hohen Erwartungen, besonders wenn es um die Klever Politik und die Missstände in der Kreisstadt ging, erfüllen. Aber auch die Bundespolitik sowie seine Sicht auf Niederländer setzte er gekonnt in Szene.

Da war zum Beispiel Kees, den Kazmierczak in seinem diesjährigen Toskana-Urlaub kennenlernte. Es gebe einfach keinen Ort auf dieser Welt, wo der Niederländer nicht schon ist, wenn man selbst dort ankomme – wie Kees und sein Volvo mit Dachgepäckträger inklusive Fritteuse und Bitterballen sowie der Aufschrift „Als jij dit lezen kunt, heb ik mijn caravan verloren“. Gemeinsam mit dem Publikum wagte der Kabarettist einen weiteren Exkurs in die niederländische Sprache und probierte sich an Zungenbrechern wie „Als een potvis in een pispot pist, heb je een pispot vol met potvispis“.

Ernster wurde es dann wieder, als Kazmierczak auf das Thema Beuth zu sprechen kam. Bürgermeisterin Sonja Northing hatte sich in diesem Jahr schließlich einiges an Kritik und letztendlich sogar eine Rüge von Landrat Wolfgang Spreen eingefangen, als sie für viele vorschnell die Plakette von Peter Beuth an der Hagschen Straße abnehmen ließ, nachdem dessen Biografie kritisch durchleuchtet wurde. „Doch was ist dann mit Stuka-Jupp (Josef Beus, Anm. d. Red.), dem Sklaventreiber von Nassau (Prinz Johann-Moritz von Nassau, Anm. d. Red.) und nicht zuletzt der Heinrich-Janssen-Straße“, fragte Kazmierczak provokativ.

Gewohnt spitzzüngig blieb er auch beim Thema Hochschule Rhein-Waal, die nach Intrigen, Mobbing und Hinterzimmer-Politik endlich in Kleve angekommen sei. Doch auch abseits der Hochschule hätten es die Studenten – ebenso wie die Asylbewerber – nicht immer einfach. „Wer in Kleve ankommen möchte, der muss warten“, stellte Kazmierczak bei der „Losbude Kreisverwaltung“ fest, der er sogar ein Lied widmete.