NIEDERRHEIN. Nachdem unsere Mädchen schon seit Wochen die Tage gezählt haben, war er endlich gekommen, der lang ersehnte Tag. Total aufgeregt machten wir uns am 12. August auf den Weg nach Bochum zum Starlight Express. Wir, die Familie Gendritzki, sind Ralf und Kerstin mit unseren Töchtern Zoe (zehn Jahre) und Lia (sechs Jahre) und wir wohnen in Issum.

Um 18 Uhr erwartete uns Frau Heinen am Bühneneingang, um uns hinter den Kulissen alles zu zeigen. Unsere Reise begann auf Gleis 5. Von hier konnten wir von oben auf das Theater schauen, wo gerade noch die letzten Proben stattfanden. Wir erfuhren, dass die Akteure in den schnellsten Rennen auf 60 Stundenkilometer kommen. Jeder neue Darsteller kann, wenn er an das Theater kommt, kein Rollschuhlaufen. Das lernt er dort von Februar bis Juni vom Skatecoach. In den ers­ten Wochen tragen die Darsteller die Rollschuhe zehn Stunden pro Tag.

Ein Traum wird für Lia und Zoe wahr: Sie dürfen Dinah, den Speisewagen, kennenlernen und ein Foto machen.

In diesem Jahr feiert Starlight Express den 30. Geburtstag. Zu diesem Anlass hat Andrew ­Lloyd Webber das Musical komplett überarbeitet, um es noch spektakulärer und zauberhafter zu gestalten. Dabei war es ihm ein großes Anliegen, die Rolle der Frau zu stärken. Erstmals gehen bei der Weltmeisterschaft der internationalen Züge weibliche Lokomotiven ins Rennen. Aus der Figur des „Papas“, der Rusty darin bestärkt, an sich selbst und an seine eigene Kraft zu glauben, wurde die Figur der „Mama“. Unter die Züge mischt sich ab sofort ein weiblicher Zug. „Coco“ die Rennlok. Sie repräsentiert Frankreich beim Rennen der internationalen Züge. Danach haben wir den Skate Mechaniker kennengelernt. Er ist mit seinem Team für die Herstellung, Anpassung und Reparatur der Rollschuhe verantwortlich. Alle Rollschuhe werden vor Ort hergestellt, ein Schuh besteht aus 146 Einzelteilen. Die Mechaniker benötigen circa 15 Sekunden für einen Räderwechsel pro Rad. Zoe und Lia, beide riesige Pearlfans, bekamen ein Rad von ihren Rollschuhen. Das liegt jetzt als Andenken in ihren Zimmern. Total begeistert ging unsere Reise hinter den Kulissen weiter, vorbei an vielen Kostümständern und geschminkten Akteuren (jeder Akteur schminkt sich übrigens selbst), zur Visagistin. Sie passt den Darstellern die Perücken an. Wir durften zusehen wie „Belle“, der Getränkewagen gestylt wurde. Selbstverständlich haben wir auch mal eine Perücke aufgezogen. Für eine selbst geknüpfte, aus Echthaar oder Büffelhaar bestehende Perücke braucht sie zirka 38 bis 40 Stunden.

Zoe darf den Helm von Rusty,
der Dampflok, aufsetzen.

Das Orchester sorgt aus dem Keller für die Live-Musik

Unsere letzte Station war der Keller. Hier war zu unserem Erstaunen das Orchester untergebracht. Über Bildschirme wird der Dirigent in den Saal übertragen. Wir hatten geglaubt, dass die Musik vom Band kommt. Hier unten befindet sich auch das Helmlager. Zoe und Lia durften einen Helm aufsetzten und haben festgestellt, dass er sehr schwer ist. Ein Helm wiegt nämlich ungefähr vier Kilogramm. Eine Schneiderei und eine Kostümmalerei befinden sich auch hier, denn jedes Kostüm wird selbst bemalt und geschneidert. Eins wiegt circa 20 Kilogramm. Eine Darstellerin hat mal den Kalorienverbrauch während einer Vorstellung gemessen, er lag bei 3.000 Kalorien.

Wir waren total geplättet von diesen ganzen Informationen und mittlerweile war es schon 18.30 Uhr. Aber es gab keine Zeit sich entspannt auf den Sitz fallen zu lassen – zu unserer totalen Begeisterung durften wir noch „Dinah“, den Speisewagen, kennenlernen. Sie hat uns viele Fragen beantwortet und mit uns Fotos gemacht und wir bekamen jeder eine Autogrammkarte von ihr. Mit dem Versprechen, ihr bei der Show kräftig zuzuwinken, begaben wir uns auf unsere Plätze. Pünktlich um 19 Uhr begann eine atemberaubende Vorstellung. In zweieinhalb Stunden wurden wir in eine spektakuläre und traumhafte Welt entführt. Mit schönen Liedern, tollen Lichteffekten und atemberaubenden Stunts. Es war für uns vier ein unvergessliches Erlebnis.