Verstärkung aus Amerika

Ein Jahr lang unterstützte Jacob Krantweiss aus Pennsylvania die A-Jugend von Siegfried Materborn

MATERBORN. Jacob Krantweiss hatte die Wahl zwischen Island, Brasilien und Deutschland – und er entschied sich für Deutschland. Seit August vergangenen Jahres lebt der amerikanische Austauschschüler aus State College im US-Bundesstaat Pennsylvania in Kleve und spielt beim SV Siegfried Materborn Fußball. Bis Juli bleibt er noch, dann reist er zurück in die USA.

Der Amerikaner Jacob bei einem Spiel seiner Mannschaft. Foto: privat

Wenn Jacob Krantweiss in fließendem Deutsch von seinem Austauschjahr erzählt, kann man kaum glauben, dass er vor nicht mal einem Jahr mit gar keinen Deutsch-Kenntnissen im Gepäck in die Bundesrepublik gereist ist. „Die ersten drei, vier Monate waren auch schwer. Ich konnte nichts verstehen“, sagt Krantweiss. Kontinuierlich lernte er aber die deutsche Sprache, weil er es wollte. „Ich bin dafür ja gekommen“, sagt Krantweiss, der die Jahrgangsstufe Q1 des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums besucht. „Dass ich dort jeden Tag zur Schule gehe, hat mir geholfen“, ist der 18-Jährige überzeugt. Außerdem hätten ihn seine Gastfamilie („Sie sprachen auch in den ersten Monaten nur Deutsch mit mir“) und seine Fußball-Mannschaft beim SV Siegfried Materborn unterstützt.

Bei seinen Mannschaftskollegen bedankte sich Krantweiss mit tollen Leistungen für diese Hilfe. „Er war in dieser Saison unser bester Spieler“, sagt Markus Maas, Jugendobmann bei Siegfried Materborn. Verwunderlich war das nicht, denn Krantweiss spielt bereits seit einigen Jahren in Amerika Fußball. „Ich habe als Kind schon neben Basketball, American Football und Baseball auch Fußball gespielt. Da ich mich später aber für eine Sportart entscheiden musste und ich für die anderen Sportarten zu klein war, habe ich mich für Fußball entschieden. Heute spiele ich für einen von meinem Wohnort in den USA zwei Stunden entfernten Verein, da der professioneller aufgestellt ist“, berichtet Krantweiss.

In Deutschland hat er sich gegen den Leistungsdruck entschieden. Er hatte nach einem von seiner ersten Gastfamilie arrangierten Probetraining nämlich die Wahl zwischen dem 1. FC Kleve und Siegfried Materborn. „Es war die richtige Entscheidung, nach Materborn zu gehen. Hier wurde ich ganz toll aufgenommen“, sagt Krantweiss

Auch Siegfried profitierte – nicht nur sportlich – vom Austauschschüler aus den USA. „Da er ja anfangs kein Deutsch sprach, mussten unsere Spieler mit ihm Englisch sprechen. Es war aber auch schön zu sehen, wie gut sie ihn aufgenommen haben und wie viel sie auch von ihm lernen konnten“, sagt Maas. Ein Highlight sei vor ein paar Wochen gewesen, als die Spieler bei einem Jugend-Turnier in Belgien Jacob Krantweiss zu ihrem Kapitän machten.

In den vergangenen Monaten ist der 18-Jährige, der mittlerweile in einer zweiten Gastfamilie lebt, aber nicht nur zur Schule und zum Fußball gegangen, sondern hat mit anderen Austausch-Schülern der Rotary Clubs auch Deutschland und Europa bereist. Im Oktober stand eine Tour quer durch die Bundesrepublik auf dem Programm – Hamburg, Berlin, München, Neuschwanstein, Heidelberg, Freiburg und Dachau lautete die Route. „Dabei haben mir besonders die alten Gebäude und Schlösser gut gefallen. Die gibt es bei uns nicht“, verriet Krantweiss. Seine Lieblingsstädte seien Heidelberg und München gewesen. An Ostern besuchten die Austausch-Schüler dann noch Prag, Budapest, Wien, Italien, Frankreich, Monaco, die Schweiz und den Vatikan.

Jacobs‘ Rückflug geht am 18. Juli – drei Tage nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft. „Dass ich die noch in Deutschland miterleben darf, ist ein großes Glück. Bei uns in Amerika ist Fußball nur die viertwichtigste Sportart. Das ist in Europa ja ganz anders. Das mal zu sehen, wird sicherlich nochmal ein Highlight werden“, ist der 18-Jährige überzeugt. Danach tritt er seinen Rückflug mit gemischten Gefühlen an. „Natürlich freue ich mich auf meine Familie in den USA, aber ich finde es auch schade, mich von meinen neugewonnenen Freunden zu verabschieden“, sagt Krantweiss.

Er ist sich aber sicher, dass er Deutschland nochmal besuchen wird. „Vielleicht ziehe ich sogar nach meinem Studium der Logistik und Wirtschaft nach Deutschland, weil es mir hier wirklich gut gefallen hat“, meint der Amerikaner. Dazu möchte er eventuell Deutsch als weiteres Fach an seiner Universität in den USA studieren. „Jetzt kann ich es ja schon“, sagt der 18-Jährige lachend.