Lebenskompetenz vermitteln

23 Lehrer aus Emmerich und Rees lernten, wie sie die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schüler fördern

EMMERICH. Lehrer an Schulen sollen nicht nur Wissen vermitteln. „Sie haben auch einen Erziehungsauftrag“, sagt Joachim Joosten. Der ehemalige Schulleiter des Emmericher Willibrord-Gymnasiums weiß aber auch aus langjähriger eigener Erfahrung, dass Lehrer das in ihrer Ausbildung nur sehr bedingt nähergebracht bekommen. Der Lions-Quest-Beauftragte des Lions-Clubs Emmerich-Rees hat deshalb zum wiederholten Male ein Lehrer-Seminar organisiert, in dem es um eben diese pädagogischen Inhalte geht.

Die Ziele von Lions-Quest erklärte Seminar-Leiterin Nikola Puitzmann den Lehrern. NN-Foto: SP

23 Lehrer (zwölf vom Emmerich Willibrord-Gymnasium, sieben von der Gesamtschule und vier vom Reeser Gymnasium Aspel) nahmen am dreitägigen Workshop teil. Koordiniert haben das in erster Linie die Schulleiter. „Sie fragen zum Beispiel bei jungen Lehrern an, die bald Klassenlehrer werden und ihre erste eigene fünfte Klasse bekommen“, sagt Joosten. Es sei aber durchaus auch der Fall, dass sich Lehrer bei Schulleitern melden, die dieses Seminar gerne belegen möchten. „In der Ausbildung gibt es nur zwei oder drei Stunden zu dem Thema. Da wird dann zwar angesprochen, dass es Lions-Quest gibt, aber es wird nichts intensiviert. Viele junge Lehrer nehmen sich deshalb vor, an einem Lions-Quest-Seminar teilzunehmen“, berichtet Joosten.

Lions-Quest gibt es bereits seit den 90er Jahren. Ein Expertenteam um den bekannten Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann hat das Konzept Lions-Quest zur Lebenskompetenzerziehung entwickelt. Den Lehrern aus Emmerich und Rees brachte Kursleiterin Nikola Puitzmann das Programm „Erwachsen werden“ näher, das sich an Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren richtet. „Es geht dabei um Konfliktlösungen, aber auch um die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler“, sagt Puitzmann, die selbst Lehrerin ist. In ihrer Arbeit habe sie festgestellt, dass häufig das Selbstvertrauen bei den Schülern nicht stark ausgeprägt sei. „Die Ich-Stellung ist etwas, das ebenso fehlt wie ein realistisches Selbstbild zu schaffen zu den Fragen: Was kann ich gut, und was muss ich noch lernen?“, ergänzt Puitzmann. Lions-Quest ziele genau darauf ab, dass die Lehrer in ihren Unterrichtseinheiten dabei helfen können.

Energizer für den Unterrricht

Die Gymnasien in Emmerich und Rees haben dazu, wie Joosten erklärt, eigene Unterrichtsstunden eingeführt, die sich nur mit den Inhalten von Lions-Quest befassen. „Es ist aber auch möglich, diese Inhalte im Deutsch-Unterricht oder anderen Fächern einzufügen“, sagt Puitzmann. Gemeinsam mit den Lehrern ist sie im Seminar solche Möglichkeiten durchgegangen. „Die Lehrer sollten sich in den praktischen Beispielen dabei selber in die Situation ihrer Schüler hineinversetzen“, sagt Puitzmann.

Jeder Kurs-Teilnehmer hat einen großen Ordner voller Ideen mit nach Hause bekommen. Darin enthalten sind Möglichkeiten, wie zum Beispiel Aktivierungsspiele, sogenannte Energizer, die in den Unterricht mit eingebaut werden können.