EMMERICH. Wenn Schubladen sich nicht auftun, sucht man nach Worten – schließlich geht es um die Beschreibung. Da stellt einer im Haus im Park aus. Christof Knapp heißt er – und während man durchs Haus schwadroniert, lässt sich denken, dass die Objekte zum Namen passen.

Eine der Arbeiten des aus Gummersbach stammenden Künstlers Christof Knapp. Die Ausstellung im Emmericher Haus im Park ist noch bis zum 14. April zu sehen.
NN-Fotos (2): HF

Andererseits: Was heißt schon knapp? Das klingt nach Geiz, zu wenig Information, einem schmalen Budget oder zu eng sitzenden Klamotten. Dabei ist, was der Christof Knapp zu zeigen hat, eine Mischung aus Archaischem und im allerbesten Sinne Schlichtem. Kurator Werner Steinecke meint, es handele sich um erweiterte Zeichnungen. Ja – vielleicht ist Zeichnung hier die Mutter der Gedanken: Lasst Linien sprechen. Sie müssen nicht mit dem Kohlestift gezeugt worden sein.

Knapp verlängert seine Linien in den Raum – lässt sie zu Zeichen werden, zu Piktogrammen. Knapps Linien sind teils mit der Säge ins Holz gezogen. Was von Weitem wie eine farbige Fläche aussieht, wird aus der Nähe zu einer runzligenschönen Landschaft, für die es keine Geodaten gibt. Da sind die Zeichen – manche hängen wie richtungsweisende Pfeile an der Wand, andere wirken wie Variationen auf Piktogramme – und da sind diese fräsflächigen Rechtecke. Werner Steinecke sagt, dass das hier eine konsequente Ausstellung sei. Ja – vielleicht ist „konsequent“ das Wort der Stunde. Vielleicht ist das zweite Wort, das beim Erfassen hilft, „Variation“. Da denkt einer die Zeichen weiter und somit auch das Zeichnen. Da lässt einer die Linien den Raum betreten und variiert die Möglichkeiten – farblich zurückgeschraubt die Zeichen, pigmentgetränkt das Flächige.

-Anzeige-

Christof Knapp „Abspielen“ ist noch bis zum 15. April (samstags zwischen 13 und 17, sonntags zwischen 11 und 17 Uhr) im Haus im Park in Emmerich zu sehen.

Und während man durch die Zeichenwelt wandert, die zur Welt der Zeichen wird, und sich am Vieles erinnert fühlt, stellt man fest: All das hier sind Hinweise ins Leere. Versprechen – von niemandem einzulösen. Knapps Symbole stehen losgelöst – vertreten nichts und niemanden und schöpfen ihre formale Stärke eben daraus, dass sie nicht sind, was der Geist des Betrachters ihnen unterstellen möchte. Das ist spannend und konsequent, im besten Sinn knapp, archaisch und schlicht und vor allem eines: Sehenswert. Da spielt einer mit dem Anschein. Da findet Kommunikation nicht so statt wie man es erwarten würde. Da stellt einer eine Zeichensprache vor, die dem Denken ein Schnippchen schlägt. Alles ist von klaren Formen dominiert. Nichts wabert. Alles wirkt wie ein Hinweis. Vielleicht ist, was unter dem Titel „Abspielen“ zu sehen ist, ein bisschen wie die Höhlenzeichnungskultur des SMS-Zeitalters. In jedem Fall lohnt sich der Besuch.