„Eine wunderschöne Sprache
mit sehr vielen Facetten“

Agnes Jay hat ein 500 Seiten starkes Buch zum „Reeser Platt“ geschrieben

REES. Wörterbücher zu verschiedenen niederrheinischen Dialekten gibt es bereits einige. Doch zum Reeser Platt? Bislang lautete die Antwort immer: Nein, keine Chance! Das hat sich nun geändert, denn Agnes Jay hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt und das Buch „Reeser Platt“ verfasst. Fünf Jahre hat die Umsetzung gedauert, „die genaue Zahl der Recherchestunden möchte ich gar nicht ausrechnen“, sagt die Autorin schmunzelnd. „Es hätte wohl für sechs bis sieben Romane gereicht.“

Fünf Jahre hat Agnes Jay an ihrem Buch „Reeser Platt“ geschrieben. Unterstützt wurde sie nicht nur vom Geschichtsverein Ressa, sondern auch von der Stadt Rees und der Sparkasse Rhein-Maas. NN-Foto: MB
Fünf Jahre hat Agnes Jay an ihrem Buch „Reeser Platt“ geschrieben. Unterstützt wurde sie nicht nur vom Geschichtsverein Ressa, sondern auch von der Stadt Rees und der Sparkasse Rhein-Maas. NN-Foto: MB

Agnes Jay, geborene Lörcks, ist gebürtige Reeserin. Ihre Eltern Eugen (Landwirt) und Else (Hebamme) sprachen beide Reeser Platt. „Meine Mutter hat es mir aber verboten“, erzählt Agnes Jay, „sie wollte, dass ich Hochdeutsch spreche.“ Keine einfache Aufgabe, da nahezu alle Menschen in ihrem Umfeld Platt sprachen, Freunde und Mitschüler, selbst der Hausarzt und der Apotheker. „Meine Mutter aber war der Meinung: Wer Platt spricht, kann keine höhere Ausbildung erreichen.“ Immerhin: In der Schule lernte Jay das von ihrer Mutter gewünschte Hochdeutsch.

Schon während der Schulzeit reifte bei ihr der Wunsch nach einem Buch mit Informationen zum Reeser Platt; nicht nur ein „normales“ Wörterbuch, sondern ein Werk, das die Sprache und ihre Herkunft erklärt. „Ich habe immer wieder nach einem solchen Buch geforscht.“ Doch sie wurde nicht fündig. Das Reeser Platt begleitete sie auch in der Folgezeit, während des Abiturs in Aspel und des Studiums der Anglistik und Geschichte in Köln. „Immer wenn ich während dieser Zeit nach Rees kam und Platt hörte, wusste ich: Ich bin Zuhause“, erinnert sich die 70-Jährige.

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Nach ihrer Pensionierung im Jahr 2012 fasste Agnes Jay dann den Entschluss, das von ihr ersehnte Werk über das Reeser Platt selbst zu verfassen. „Es ist eine wunderschöne Sprache, mit der ich viele positive Erinnerungen verbinde“, sagt Jay. „Sie ist bildreich, ausdrucksstark, manchmal auch ein wenig derb.“

Viele Facetten

So machte sie sich daran, Texte auf Reeser Platt zu suchen und zu übersetzen, trug nach und nach Quellen zusammen. So entstanden nach und nach Listen mit Worten im Reeser Platt, einem Dialekt, der sich laut Agnes Jay „in vielen Facetten darstellt. Es gibt Unterschiede, je nach Alter und Herkunft des Sprechers.“ So kann innerhalb eines Textes ein bestimmtes Wort zehnmal auftauchen – und das in drei unterschiedlichen Schreibweisen.

Im Laufe ihrer Arbeit wurde ihr bald klar, dass sie das Vorhaben nicht allein würde stemmen können. Daher wandte sie sich im Frühjahr 2013 an den Bürgerservice und Reeser Rathaus und fragte dort nach, wer sie wohl unterstützen könnte. Die Antwort: der Geschichtsverein Ressa – genauer dessen Mitglieder Hermann Venhofen und Hermann Voss. „Sie haben meine Listen überprüft und korrigiert und zahlreiche Ergänzungen beigesteuert“, zählt Jay auf.

[quote_box_left]„Reeser Platt“
Das Buch ist im Verlag „Edition Winterwork“ in einer Auflage von 200 Stück erschienen.  Erhältlich ist es zum Preis von 19,90 Euro im Bürgerservice im Reeser Rathaus und in der Bücherecke Rees.[/quote_box_left]Ihr neues Buch ist jedoch mehr als nur ein Wörterbuch im Sinne von „Reeser Platt – Hochdeutsch/Hochdeutsch – Reeser Platt“. Das macht schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis deutlich. Im Anhang finden sich auch Reeser Straßennamen, Orts- und Ländernamen, Reeser Vornamen und Berufe sowie einige wichtige Verbformen und Pronomen. Trotz der unzähligen Stunden, die sie für ihr Werk aufgewandt hat, blickt Agnes Jay mit Freude auf die vergangenen fünf Jahre zurück: „Es hat mir viel Spaß gemacht, dieses Buch zu schreiben.“ Und welches ist ihr persönliches Lieblingswort im Reeser Platt? „Maranta“, antwortet Jay lachend. Auf Deutsch? „Meine Güte…!“