Betuwe: Bahn und Kommunen

stellen Rettungskonzept vor

Lösung für Löschwasserversorgung und Zuwegungen ist gefunden

REES/EMMERICH. Für Ronald Pofalla ist es „ein tragfähiges Ergebnis“, für Christoph Gerwers eine „gute Grundlage“, und Barbara Hendricks spricht von einem „großen Durchbruch“, der „größtmögliche Sicherheit für die Anwohner“ gewährleistet. Bei der Vorstellung des ganzheitlichen Rettungskonzeptes für die Ausbaustrecke Emmerich-Oberhausen loben der Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn, der Reeser Bürgermeister und die Bundesministerin vor allem aber immer wieder die gute Zusammenarbeit und das Engagement aller Beteiligten.

Seit sechs Jahren habe es einen intensiven Austausch „immer auf Augenhöhe“ in weit mehr als 100 Arbeitsgesprächen, Streckenbegehungen und Projekttreffen gegeben, berichtet Pofalla. Stets eingebunden: die Anreinerkommunen und deren Feuerwehrchefs. Über allem stand dabei die Frage: Ist die Sicherheit für diesen wichtigen Verkehrsweg – die Betuwe-Linie – ausreichend? Das Ergebnis des „enormen Aufwands“ (Pofalla) ist ein ganzheitliches Rettungskonzept, das die Löschwasserversorgung und die Zuwegung entlang der Strecke regelt. Finanziert wird das Konzept mit 10,5 Millionen Euro aus dem Gesamtfinanzierungsanteil des Landes in Höhe von 450 Millionen Euro.

Die Löschwasserversorgung entlang der Strecke wird durch die Bereitstellung von vier „Hytrans Fire“-Systemen (HFS, mobile Löschwasserfahrzeuge mit hochleistungsfähigen Pumpen) sichergestellt. Diese sind in Dinslaken, Wesel, Oberhausen und Emmerich stationiert und können über einen langen Zeitraum große Wassermengen mit hohem Druck bereitstellen – weit mehr, als es über die herkömmliche kommunale Wasserversorgung möglich ist. Darüber hinaus wird ein Schlauchwagen in Hamminkeln bereitgestellt. Zusätzliche Löschwasser-Entnahmestellen ergänzen diese Lösung. Bei den Zuwegungen sind nach dem Konzept nun 291 Zugänge definiert, die im Durchschnitt in einem Abstand von unter 250 Meter voneinander entfernt angelegt werden.

[pull_quote_left]In sechs Jahren harter Auseinandersetzung haben wir in Sachen Löschwasserversorgung individuelle Lösungen für alle Kommunen erarbeitet.[/pull_quote_left]Gerd Auschrat, stellvertretender Leiter der Oberhausener Berufsfeuerwehr und Sprecher des Arbeitskreises Sicherheit, fasst zusammen: „In sechs Jahren harter Auseinandersetzung haben wir erreicht, dass es in Sachen Löschwasserversorgung individuelle Lösungen für alle Kommunen erarbeitet wurden.“ Wie Pofalla, lobte er das große Engagement von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, dessen Initiative dieser „große Durchbruch“ ebenfalls zu verdanken sei. In Sachen Zuwegungen erläutert Auschrat: „Wir können nun angemessen und schnell Hilfe leisten. Ein Begegnungsverkehr mit Angriff und Evakuierung ist möglich, damit haben wir das Schutzziel erreicht.“ Sein Fazit: „Wir haben ein für die Anwohner gutes Sicherheitskonzept gefunden.“

NRW-Minister Groschek betont, mit der Betuwe-Linie entstehe „die modernste Bahnstrecke mit nun einem Höchstmaß an Sicherheit“. Barbara Hendricks ergänzt: „Es gibt zwar keine 100-prozentige Sicherheit, aber wir können dieses Konzept guten Gewissens annehmen.“ Bei den jahrelangen Gesprächen sei es vor allem um drei Punkte gegangen: das dritte Gleis, damit ein besonderer Lärmschutz ermöglicht wird (hier habe sich die Bahn lange gesträubt); kein Cent für die Betuwe aus kommunalen Kassen (Hendricks: „Das ist Bund und Land letztlich gelungen“); ein Sicherheitskonzept, das die Feuerwehren mittragen, um ein Mindestmaß an Akzeptanz für die Betuwe in der Bevölkerung zu erreichen. Letzteres sei nun mit dem vorliegenden Rettungskonzept der Fall.

Für Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze ist es zwar „keine Goldrand-Lösung“, dennoch sei es ein guter Tag für alle Kommunen entlang der Betuwe-Linie. „Ich bin froh, dass wir als Stadt nicht zusätzliches Geld in die hand nehmen müssen und dass erkannt wurde, dass ein Zugang alle 1.000 Meter nicht ausreicht.“
Auch Bürgermeister Gerwers als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Betuwe betont nochmals: „Uns war wichtig, dass die Feuerwehren sagen: Mit dem Ergebnis können wir leben.“ Nun gebe es noch weitere Themen wie Lärmschutz, die zu erarbeiten sind. „Aber mit dem ‚guten Geist von Rees‘ bin ich zuversichtlich, dass wir auch da Lösungen finden werden.“